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Das jüdische Echo · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. Seite 656

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
Seite 656 (sequence 12)
Language
German
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656 Das Jüdische Echo Nr. 46 nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, meinte ich; „selbstverständlich“, lachte er, „schreiben Sie das nur,, ich habe keine Angst!“ — Da ich gewöhnt bin, daß in Gesprächen, Interviews und Artikeln Oppositionelle sich an Angriffen gegen unsere Führer wohl alles erlauben dürfen, Anhänger der Majoritätspartei jedoch vor dem Terror der Oppositionellen stets den größten Respekt haben, war mir diese lachende Unvorsichtigkeit Schalom Aschs sehr auffallend und charakteristisch. Also; Er ist gewöhnt, was er will, zu erreichen und er hat keine Angst. Wir sprachen zuerst über die politische Lage. (Das Weißbuch war damals noch nicht erschienen.) Asch trat energisch für die Weizmann- Politik ein und erklärte das Wirken Jabotinskys für sehr schädlich... Sehr lehrreich schien mir seine Grundstellung zu allen Problemen des jüdischen Volkes, seiner Politik und seiner Zukunft. Ich möchte seine Einstellung so formulieren: Er ist gegen allen Fanatismus der Teile und Richtungen und kennt offenbar nur einen Fanatismus: den der Ganzheit des jüdischen Volkes. Er spürt alle Teile des jüdischen Volkes, Zentrum und Peripherie, Palästina und Galuth als legitim lebende Teile eines großen Ganzen. So ist auch Palästina nur ein Teil, freilich ein sehr wesentlicher. Er fühlt Palästina als das Zentrum, ähnlich, wie es Hans Kohn darzulegen pflegt; nicht als ausstrahlendes, sondern als ein saugendes Zentrum; als den zentralen Reiz, der im jüdischen Volke Aktivismus und Idealismus auszulösen vermag. Natürlich sind ihm auch Jiddisch und Hebräisch gleichberechtigte Teile eines Ganzen. Er verurteilt daher den Kampf um die Vorherrschaft einer dieser Sprachen. Freilich das moderne Hebräisch klingt ihm etwas zu konstruiert; erst im Hebräisch der Kinder spürt er eine echte gewachsene Sprache, und so ist ihm denn das hebräische Stammeln eines Kindes lieber als „der ganze Josef Klausner“. Das Gefühl der Ganzheit des Volkes, räumlich und zeitlich gesehen, also das Bewußtsein des Gemeinden- und w ereins-Echo Hebräischer Klub in München Endlich ist es den Anstrengungen des Leiters der hiesigen hebräischen Sprachschule, Herrn Percikowitsch, gelungen, die Gemeinde der Hebräischsprechenden an einem Abend zu versammeln und damit in München einen Klub iwri zu begründen. Es hat sich sogar eine erstaunlich große Anzahl dazu eingefunden. An dieser erfreulichen Tatsache ändert die Einsicht nichts, daß die Kenntnisse der Erschienenen sehr verschieden groß waren, daß die meisten wohl viel besser hebräisch zuhören und verstehen als sprechen konnten, und daß das gesprochene Hebräisch nicht immer dieselbe Vollendung zeigte wie das Referat von Herrn Percikowitsch. Dieser sprach über die hebräische Dichtung in Spanien, nachdem vorher Herr Justizrat Straus den jungen hebräischen Klub als Ausfüllung einer bisherigen Lücke im Münchener jüdischen Leben begrüßt hatte. Zum Schluß veranstaltete man ein hebräisches Gesellschaftsspiel, das großen Beifall fand, weil es allen Anwesenden gleichmäßig die Teilnahme gestattete und für manchen wie ein angenehm leichter Unterricht war. Übrigens ist es wirklich erst an zweiter Stelle wichtig, was gesprochen und getrieben wurde; die Hauptsache ist, daß es ein Sprechen, Spielen, Lachen in hebräischer Sprache war. Volkes in allen seinen Teilen und das Bewußtsein der ganzen großen Geschichte gibt ihm die Möglichkeit, unsere politischen Schwierigkeiten und Sorgen in der richtigen Größe, d. h. Kleinheit zu sehen. Von hier aus spürt er, daß weder Lord Paßfield, noch der Großmufti für unsere Zukunft entscheidend werden können. Wir sprachen dann weiter über literarische Dinge. Der tiefste Ausdruck des Volkstums ist die schöpferische Kraft: die Dichtkunst ist — auch hier wiederum die Betonung der Ganzheit — mit der ganzen Substanz des Volkstums verknüpft, mit Erde und Landschaft, Sprache, Milieu, Bewußtsein. Seele. So gehört denn gewiß auch das Jiddische, als die Sprache des Volkes, zu dem großen Material, aus dem der jüdische' Dichter schafft. Aber hier hat freilich das Schicksal eine Ausnahme gemacht. Die Verhältnisse haben uns gelehrt, unsere Eigenart auch in fremdem Kleide darzustellen und in andrer als unserer Volkssprache zum Ausdruck zu bringen; so sind ihm denn auch die jüdischen Dichter in fremden Zungen echte jüdische Dichter. Er hebt unter diesen vor allem Franz Werfel hervor, mit dem er eng befreundet ist. Wenn auch Werfel nur selten jüdische Sujets behandelt, so ist er doch durch seinen Glauben, seine Frömmigkeit, seinen Optimismus, seine Keuschheit ein jüdischer Dichter. Denn es ist eine Verkennung des jüdischen Geistes, ihn, wie es so oft geschieht, als verneinend oder gar zynisch darzustellen; dies ist eine jüdische Dekadenzerscheinung; das aufstrebende Judentum ist gläubig und positiv. Eine besondere Achtung hat Schalom Asch auch vor Max Brod, den er insbesondere als den Dichter von „Tycho Brahes Weg zu Gott“ und von „Reubeni“ verehrt. (Es ist nicht ohne Interesse, •daß Schalom Asch, als der Reubeni Max Brods erschien, bereits Material zu einem eigenen Reubeni- Roman gesammelt hatte.) Er liebt in Reubeni inssondere den ersten Teil, den er von einer wunderbar gefühlten jüdischen Stimmung durchzogen findet. Ein strafender Blick begleitet von einem: „Rak iwrith!“ traf jeden, dem ein deutsches Wort entfuhr. Wir hoffen, daß dieser hoffnungsvolle Anfang eine entsprechende Fortsetzung finden wird, die den Kreis der Teilnehmer und ihre Kenntnisse dauernd, erweitert. E. E. Hebräischer Klub München Mittwoch, 19. November, findet der zweite Klubabend statt. Herr Ernst Eisen wird über „Die Geschichte der Bibelübersetzungen“, Herr Dr. Percikowitsch über „Hebräische Neuerscheinungen“ referieren, anschließend hebräisches Gesellschaftsspiel. Beginn: 9 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Hebräische Sprachkurse München In die Bibelarbeitsgemeinschaft für Jugendliche, Montag abends 8.15 Uhr, werden noch Teilnehmer aufgenommen. Wochenprogramm der V*J.St. „Jordania“ im K.J.V. Dienstag, 18. XI. 20 Uhr; Jewish-Agency-Veran- Mittwoch, 19. XI. 18.20 Uhr: Fuxenkurs I. Off. Donnerstag, 20. XI. 7 Uhr: Fuxenkurs II. Off. 8.30 Uhr: Burschenkurs. Pressereferat. Off. Freitag, 21. XI. 16.30 Uhr: Kaffee Hag. Hebräisch zu den festgesetzten Zeiten.

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