Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- Seite 655 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 46 Das Jüdische Echo 655 thal (konservativ). 3. Lehrer W. Bacher Jüdische Volkspartei). 4. Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden (liberal). 5. Kaufmann Bamberger, Homburg (konservativ). Die ordentliche Herbstsession der Mandatskommission Die Palästinafrage wird nicht behandelt Genf, 5. November. (JTA.) Die ordentliche Herbstsession der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes wurde am 4. November in Genf eröffnet. Die Palästinafrage steht nicht auf der Tagesordnung. Der Kommissionspräsident Theodoli wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, daß die Mitglieder der Kommission das umfangreiche neue Weißbuch der britischen Regierung noch nicht zu studieren in der Lage gewesen seien, und der Vizepräsident van Rees, der im Völkerbundsrat einen Vorbehalt gemacht hatte bezüglich der Stellungnahme der Kommission zur Antwort der englischen Regierung auf den letzten Palästinabericht der Kommission, äußerte sich dahin, daß dies auch in der nächsten Session (Juni 1931) geschehen könne, in der dann auch der Verwaltungsbericht über Palästina für das laufende Jahr zur Behandlung zu kommen hat. Offenbar will man in der Kommission mit der Behandlung des neuen Palästina-Weißbuches um so weniger drängen, als verschiedene Meldungen der letzten Tage aus London ersehen lassen, daß die englische Regierung selbst dazu nachträglich noch einiges zu sagen wünsche, und man auch die Aussprache im britischen Parlament abwarten möchte, bevor man sich in Genf damit befaßt. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung bilden „die allgemeinen Bedingungen für die Beendigung der Mandatsverwaltung eines Mandatsgebietes“. Die Beratungen der internationalen Klagemauerkommission beendet Stockholm, 4. November. (JTA.) Die auf Verlangen Englands vom Völkerbundsrat ernannte Internationale Klagemauerkommission hat ihre in Stockholm unter dem Vorsitz des ehemaligen schwedischen Außenminister Loefgren abgehaltenen Beratungen beendet. Die Beratungen fanden im Gebäude des schwedischen Außenministeriums statt und waren geheim. Die Kommission hat das ihr in Jerusalem übergebene informative Material verarbeitet und wird vermutlich Ende November ihren Bericht der britischen Regierung zur Weiterleitung an den Völkerbund übergeben. Die Mitglieder der Kommission hegen die Erwartung, daß in der Zwischenzeit doch noch ein freiwilliges Übereinkommen zwischen Juden und Mohammedanern in der Klagemauerfrage erreicht werden wird. Abermals antisemitische Exzesse auf den Bukowinaer Eisenbahne- Czernowitz, 5. November. (JTA.) Am letzten Sonntag ereigneten sich im Eisenbahnzuge Noua Sulitza-Cernowitz Ausschreitungen antisemitischer Natur. Junge Hakenkreuzler, die sich auf der Fahrt von Bessarabien nach Czernowitz befanden, attackierten jüdische Reisende, mißhandeltensie wiederholt und warfen ihre Reisekoffer durch die Kupeefenster hinaus. Schwer mißhandelt wurden u. a. die Czernowitzer Kaufleute Hersch Rosenblatt und Lechtig. Die Exzedenten drängten die jüdischen Mitreisenden von ihren Sitzen weg, schlugen in den Zwischengängen auf sie ein und hinderten sie überdies am Aussteigen in der Station Bojan, weil sie ihre Opfer bis Czernowitz bearbeiten wollten. Die Exzedenten stimmten antisemitische Lieder an, wenn die mißhandelten Reisenden um Hilfe riefen, um die Hilferufe zu übertönen. Sie hinderten ferner die Reisenden daran, die Notbremsen zu ziehen. Der diensthabende Kondukteur, an den sich die bedrohten Reisenden wandten, sagte nur: „Das geht mich nichts an!“ * Wir werden um Veröffentlichung folgender Mitteilung gebeten: An die Revisionisten in Deutschland! Zwecks besserer Durchorganisierung unserer Arbeit und Vorbereitung zum Kongreßwahlkampf, bitten wir alle Revisionisten, die sich in den einzelnen Provinzstädten Deutschlands befinden und die bisher keinen Kontakt mit der Berliner Zentrage hatten, sofort ihre Adressen mitzuteilen. Das Berliner Büro der Revisionistischen Partei befindet sich: Berlin-Charlottenburg, Philippistraße 11. Telephon: Westend 5114. * Berlin, 10. November. (JTA.) Am 15. November 1930 vollendet Herr Jacob Teitel, Präsident des Verbandes der russischen Juden in Deutschland, sein 80. Lebensjahr. London, 7. November. (JTA.) Sir Herbert Samuel, der erste High Commissioner für Palästina, feierte am 6. November seinen 60. Geburtstag. 1 | Feuilleton III lllllll llll llllll lllllll lllllll 1 Schalom Aseh — der Fünfzigjährige Wir berichteten in unserer letzten Nummer, daß Schalom Asch in diesen Tagen sein 50. Lebensjahr vollendet hat. Der F. B.-Mitarbeiter der Prager Selbstwehr hatte vor kurzem Gelegenheit, mit ihm zu sprechen und berichtet über seine Unterredung folgendes: Schalom Asch macht den Eindruck eines Menschen, der aus seinem Volk in die Welt getreten ist; noch ist er vollgesogen vom Volkstum, aber schon steht er fest in der großen Welt, die er erobert hat. Er ist anerkannt und berühmt; seine Werke werden in einer Anzahl von Sprachen gelesen; er ist amerikanischer Staatsbürger — er berichtet das bezeichnender Weise nicht ohne Stolz — er hat eine Villa in Paris und einen vorzüglichen Verleger seiner deutschen Bücher in Wien. Zwei Dinge bemerke ich, die, so unscheinbar sie waren, mir dafür charakteristisch zu sein schienen, wie fest dieser Mann steht. Schalom Asch verlangte vom Kellner eine ganz bestimmte teure Zigarre. Er wurde mißvQrstanden, man brachte ihm eine mindere Zigarre; die gewünschte war nicht zu finden, ausverkauft, nicht zu haben. Schalom Asch verlor während des ganzen Gespräches diese Angelegenheit nicht aus den Augen. Er sprang immer wieder auf, verhandelte mit dem Kellner, Oberkellner, Geschäftsführer, Hoteldirektor; und schließlich — erhielt er sie. Und eine zweite Sache: Wir sprachen von Jabotisky. Schalom Asch äußerte sich sehr abfällig; ich sah ihn fragend an: „das ist wohl