Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. Seite 654

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
Seite 654 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9241531--11297-9223357
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

654 Das Jüdische Echo Nr. 46 Exekutive, erklärte Sokolow, habe den Schritt Dr. Wieizmanns gebilligt und sei nur deshalb nicht sofort zurückgetreten, um ein Chaos in der Zionistischen Organisation für die Zeit bis zum Kongreß zu vermeiden. L oni dorr, 7. Nov. (JTA.) Am 5. November wurde für 10 Uhr abends eine Nachtsitzung des Aktions-Komitees anberaumt, um Richter Julian W. Mack, der als Gast mit beratender Stimme an den Aktions-Komitee-Sitzungen teilnimmt,, Gelegenheit zu geben, vor seiner Abreise nach Amerika seine Stellungnahme zur gegenwärtigen politischen Situation zu präzisieren. Richter Mack erklärte, er wolle nicht behaupten, daß Dr. Weizmann für die augenblickliche Lage verantwortlich zu machen sei. Vielleicht, sagte Mack, trifft die Schuld uns alle, weil wir den Palästina-Aufbau nicht genug energisch durchgeführt haben. Wie Sie wissen, war ich seit 1919/20 Gegner Dr. Weizmanns. Ich habe gegen seine Tätigkeit viel einzuwenden. Meine Freunde und ich waren gegen die Erweiterung der Jewish Agency. Anderseits haben viele Teilnehmer dieser Versammlung Dr. Weizmanns Politik gestützt. Aber ich möchte heute nicht über Vergangenes sprechen. Es erscheint mir in diesem Augenblick gleichgültig, ob Weizmann Fehler begangen hat und in welchem Grade. Ich befasse mich bloß mit der gegenwärtigen Situation und mit der Zukunft. Personen kommen hier nicht in Frage. Wir haben uns bloß zu fragen: Wie können wir unsere Ideale verwirklichen? Ich spreche nicht über den Kongreß und das, was auf den Kongreß folgen wird, sondern nur darüber, wie die gegenwärtige Situation beschaffen ist und welche die besten Methoden für die Fortsetzung unserer Arbeit bis zum Kongreß sind. Auf diese Frage haben meine amerikanischen Freunde, Zionisten und Nichtzionisten, wiewohl sie untereinander duchaus nicht einig sind, und ich selbst nur eine Antwort. Präsident Lincoln hat einmal gesagt: ».Mitten im Sturm wechselt man nicht die Pferde“ und so sage ich, daß mitten in der augenblicklichen tragischen Lage keine Rede von einem Wechsel des Präsidiums sein kann. Wie werden wir vor der Welt dastehen, wenn wir Dr. Weizmanns Demission annehmen, Nicht den Juden hat Dr. Weizmann erklärt, er könne sie nicht länger führen; er hat England erklärt, daß er es unter den gegebenen Umständen ablehnen müsse, die Führung weiterhin innezuhaben. Die Nachmittagssitzung des 6. November war der Diskussion über die Finanzberichte, sowie der Erörterung von Einwanderungs- und Kolonisationsfragen gewidmet. Im Vordergrund der Debatte stand die Frage der Mittelstandsansiealung. Von mehreren Rednern wurde darauf hingewiesen, daß die beschleunigte Ansiedlung von Juden mit kleinem eigenen Kapital auf Nationalfondsboden sich nach zwei Seiten hin günstig auswirken würde. Einerseits würde dadurch die Mittelstandseinwanderung und die Kultivierung des in jüdischen Händen befindlichen Bodens gefördert, anderseits mehr Geld ins Land gebracht werden. Colonel Kisch erklärte, es sei zu erwarten,, daß das Kolonialamt eine bedeutendere Anzahl von Arbeiterzertifikaten, wenn auch nicht in dem von der Exekutive der Jewish Agency vorgeschlagenem Ausmaß, bewilligen werde. London, 10. November. (JTA.) Die Tagung des Aktions-Komitees der Zionistischen Organisation wurde am Sonntag, dem 9. November, abends beendet. Es wurde beschlossen, den XVII. Zionistenkongreß für Anfang Februar einzuberufen, ein Kongreßort wurde jedoch noch nicht bestimmt. Es wird auch erwogen, den Kongreß nach Amerika einzuberufen. Für die Zeit bis zum Kongreß wurde eine aus fünf Mitgliedern bestehende politische Kommission gewählt, die die Bestimmung hat, Weizmann und die Exekutive bei politischen Aktionen zu beraten und zu unterstützen. Zu Mitgliedern dieser Kommission wurden Dr. M. Eder, Leo Motzkin und Nahum Goldmann gewählt, je ein Sitz wurde für Vertreter des Waad Leumi und der amerikanischen Zionisten reserviert. Von den angenommenen Resolutionen1 sind zu erwähnen: Das Aktions-Komitee spricht sich für die Förderung der Mittelstandssiedlung auf Nationalfondsboden aus. Das Aktions-Komitee erhebt Protest gegen das neue Weißbuch der englischen Regierung und billigt die Nichtanerkennung eines Legislative Councils durch die Exekutive der Jewish Agency. Die Einsetzung einer politischen Kommission zur Unterstützung der Exekutive ist das Ergebnis langwieriger Verhandlungen. Die Krise der Leitung hatte am Freitag, dem 7. November, nachmittags, den Höhepunkt erreicht, da sich die Opposition nachdrücklich weigerte, einer Fortführung der Geschäfte durch Weizmann bis zum Kongreß ohne Mitwirkung einer politischen Kommission zuzustimmen. Aus der jüdischen Welt Neue Friedhofschändungen — In Tilsit undTrebnitz Königsberg, 5. November. (JTA.) In der Nacht von 29. zum 30. Oktober drangen bisher unbekannt gebliebene Täter in den Friedhof der jüdischen Gemeinde von Tilsit (Ostpreußen) ein und richteten ungeheure Zerstörungen an. Nicht weniger als 8 Grabsteine wurden umgeworfen. Es kann sich hier nicht um einen leichtsinnigen Streich von Schulkindern handeln, da solche niemals in der Lage gewesen wären, die schweren Steine umzustürzen; man nimmt darum an, daß es sich um durch die andauernde judenfeindliche Agitation der Nationalsozialisten politisch verhetzte Kreise handelt, die zu solchen Untaten angereizt wurden. Die Tilsiter Kriminalpolizei ist eifrig bemüht, die Täter zu ermitteln, für deren Ergreifung eine Belohnung von mehreren hundert Mark ausgesetzt wurde. Es ist dies die 95. Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland in den letzten Jahren. Breslau, 6. November. (JTA.) Der jüdische Friedhof auf dem Pfarrberg zwischen Trebnitz und Obernigk wurde von bisher unbekannten Tätern geschändet. 34 Grabsteine wurden umgeworfen, andere mit Hakenkreuzen bemalt. Die Fenster der Leichenhalle wurden eingeschlagen und die Wälnde m/it Aufschriften „Heil Hitler, Juda verrecke!“ beschmiert. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Einheitsliste in Kassel und Wiesbaden Kassel., 7. November. (JTA.) Nach langen und zum Teil recht schwierigen Verhandlungen ist es gelungen, eine Einheitsliste des 10. Wahlkreises (Kassel und Wiesbaden) für die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden aufzustellen. Als gewählt gelten: 1. Bankier Ballin (liberal). 2. Fabrikant Julius Löwen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.