Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- Seite 653 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. -46 653 Das Jüdische Echo Kampagne im kommenden Winter verstärkt werden. Auch J.Naiditsch trat für die Einsetzung einer politischen Kommission ein. Er wandte sich gegen die bei einzelnen Mitgliedern der zionistischen Exekutive bestehenden Meinung, Unterschiede zwischen dem Weißbuch und dem Simpson-Bericht zu konstruieren und in dem Simpson- Bericht eine geeignete Basis für Verhandlungen zu sehen. Meer Großmann erklärte, die Herausgabe des Statements der Revisionisten, von der Dr. Weizmann tags vorher gesprochen habe, sei eine im richtigen Augenblick getroffene richtige Maßnahme gewesen. Die Frage der neuen Exekutive sei keine rein akademische. Das bisherige System sei nicht nur auf politischem Gebiet, sondern auch auf dem der kolonisatorischen, finanziellen und organisatorischen Arbeit völlig zusammengebrochen. Ein Wechsel der Zionistischen Exekutive wäre eine Demonstration der Entschlossenheit des jüdischen Volkes, den Kampf um sein Recht fortzusetzen. Sodann verlas Großmann eine Resolution,, in der erklärt wird, das Weißbuch sei nicht überraschend gekommen, es sei das Ergebnis einer langen Entwicklung auf Grund der Politik der früheren Regierungen. Die Zionistische Exekutive habe diese Politik systematisch gedeckt, die gegenwärtige Krise bedeute den vollständigen Zusammenbruch des Systems Weizmanns. Dr. Weizmanns Demission sei das Eingeständnis dieses Zusammenbruchs. Das Aktions-Komitee müsse daher die Demission annehmen, aber auch die gesamte Zionistische Exekutive, die für diesen Zusammenbruch und die offizielle zionistische Politik verantwortlch sei, müsse zurücktreten. Bis zum nächsten Kongreß, der spätestens im Februar abgehalten werden müsse, solle ein internationales Komitee die Leitung übernehmen. Ein Wahlkomitee aus Vertretern aller Parteien und Gruppen solle mit der Durchführung der Kongreßwahlen betraut werden. Falls kein Wechsel in der zionistischen Leitung eintritt, werden sich die Revisionisten genötigt sehen,, ihre Position zu revidieren. Bei der Antwort auf das Weißbuch seien folgende Richtlinien festzuhalten: erstens habe die Zionistische Organisation das Weißbuch abzulehnen, da es mit dem Mandat in Widerspruch steht und seine Veröffentlichung daher als illegaler Akt der Regierung anzusehen sei: zweitens habe die Zionistische Organisation jede Beteiligung der Juden am Legislative Council abzulehnen, diese Ablehnung müsse auch für die Jewish Agency bindend sein; drittens müsse beim Völkerbund Protest erhoben werden. Namens des Arbeiterflügels bedauerte es Dr. Ch. Arlosoroff, daß im Verlauf der letzten 12 Jahre nicht eine Viertel Million, sondern nur 100 000 Juden in Palästina angesiedelt wurden. Der Zionismus stünde vor einer völlig anderen Situation, wenn das Kolonisationstempo ein schnelleres gewesen wäre. Berl Katzenelson wies darauf hin, daß auch die früheren Palästinaverwaltungen dem Zionismus nicht freundlich gegenüberstanden. Als letzter Diskussionsredner erklärte Dr. N a - hum Goldmann (radikal), daß kolonisatorische Arbeit und politische Arbeit in hohem Maße voneinander abhängig seien und daher nicht getrennt werden könnten. Niemand denke an einen Bruch mit England, doch müsse auf die Gefahr hingewiesen werden, die daraus erwachsen könnte, wenn man sich mit geringen Zugeständnissen der Regierung zufrieden gäbe. Es müsse ein Kampf um die vollständige Verwerfung des Weißbuches geführt werden. Es sei unverständlich, daß die Zionistische Exekutive nach den Demissionen Weizmanns, Warburgs und Lord Melchetts noch im Amt sei. Namens der Exekutive erklärte Harry Sacher, so sehr er ursprünglich entschlossen gewesen sei., sein Amt niederzulegen, so sehr sei er jetzt entschlossen, dies nicht zu tun. Die Exekutive könne nicht zurücktreten, solange sie nicht wisse, wer ihr im Amt folgen werde und welchen Arbeitsplan ihre Nachfolge durchzuführen beabsichtige. Es wäre ein Fehler, Dr. Weizmann aufzufordern, seine Demission zurückzuziehen, aber eine noch größere Gefahr wäre es, seine Demission von einem innerzionistischen Standpunkt aus gutzuheißen. S. Kaplan sky stellte in Abrede, daß die Exekutive die Entsendung John Hope Simpsons begrüßt habe. Sie habe bloß erklärt, daß sie seine Untersuchungen erleichtern werde, da sie eine Prüfung ihrer Arbeit nicht zu scheuen hatte. Er, Kaplansky, sei nie für einen Legislative Council in der vorgeschlagenen Form eingetreten, er habe im Gegenteil seit dem Erscheinen des Churchill- Weißbuches im Jahre 1922 gegen einen solchen Council gekämpft. Er sei für die Einsetzung eines Councils eingetreten, der zur Hälfte aus Juden und zur Hälfte aus Arabern bestehen sollte, und auch nur unter der Voraussetzung., daß die Araber die Balfour-Deklaration anerkennen. Prof. Brodetsky erklärte, er sei niemals für ein Kompromiß auf der Basis des Weißbuches eingetreten. Er teile in dieser Hinsicht vollkommen den Standpunkt Dr. Goldmanns. Eine vollständige Zurückziehung des Weißbuches sei unwahrscheinlich. Dr. Weizmanns Demission erfolgte im richtigen Augenblick und hatte die gewünschte Wirkung. Ich zweifle daran, daß Dr. Weizmanns Demission dieselbe Wirkung gehabt hätte, wenn sie sofort nach den Unruhen in Palästina oder nach der Veröffentlichung des Shaw-Berichtes erfolgt wäre. In Ergänzung des politischen Berichtes Dr. Weizmanns gab Dr. Brodetsky eine Darstellung seiner Unterredungen mit Lord Paßfield und Dr. Shiels. Die Haltung des Kolonialamtes sei seit der Sitzung der Mandatskommission alles eher als freundlich gewesen. Im allgemeinen habe man den Eindruck, daß die Regierung einsehe,, sie sei zu weit gegangen, und daß sie sich bemühe, irgendwelche Amendements zu machen. In der Nachmittagssitzung des 5. November gab Colonel Kisch eine ausführliche Darstellung der Situation in Palästina. Vor Veröffentlichung des Weißbuches sei die allgemeine Lage in Palästina zufriedenstellend gewesen, der Jischuw war auf dem besten Wege, sich von den Folgen der Augustunruhen von 1929 zu erholen. Man habe zwar in Palästina erwartet, daß der Inhalt des Weißbuches für die Juden nicht zufriedenstellend sein werde, doch habe der feindselige Geist dieses Dokuments und die darin ausgesprochene fundamentale Änderung der Palästinapolitik überrascht. Der Jischuw hat die Veröffentlichung des Weißbuches mit Selbstbeherrschung und Würde aufgenommen. Nahum Sokolow brachte eine Resolution ein, in der sich das Aktions-Komitee mit den Motiven, die Weizmann zu seiner Resignation veranlaßt haben, solidarisch erklärt. Die Zionistische