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Das jüdische Echo · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. Seite 652

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
Seite 652 (sequence 8)
Language
German
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652 Das Jüdische Echo Nr 46 ferner den Wunsch aus, in das Weißbuch Einsicht nehmen zu dürfen, da die Revisionisten beabsichtigen, die Öffentlichkeit zu informieren und eine Mitteilung an die Presse auf Grund der ihm,, Großmann, bereits bekannten Einzelheiten Verlegenheiten schaffen könnte. Am Montag nachmittag erschien auch wirklich ein von den Revisionisten herausgegebenes Kommunique, das einen ungünstigen Eindruck von dem Simpson-Bericht vermittelte. Dies geschah trotz aller Bemühung und eines noch in letzter Stunde an die Revisionisten grichteten Appells Dr. Weizmanns, ihr Statement nicht zu veröffentlichen, da noch Hoffnung bestehe, daß die englische Regierungserklärung geändert und ihre Veröffentlichung verschoben werden würde, um der Jewish Agency Gelegenheit zu weiterer Stellungnahme zu geben. Dr. Weizmann machte Herrn Großmann klar, daß durch eine übereilte Veröffentlichung des revisionistischen Statements eine Verschiebung der Veröffentlichung des Weißbuches unmöglich gemacht werden würde. Auch Felix Warburg, Professor Frankfurter und andere Zionistenführer Amerikas hätten Weizmann dringend gebeten, auf eine Verschiebung der Veröffentlichung des Weißbuches hinzuwirken. Dr. Weizmann besprach dann den Wechsel., der sich in der Haltung der allgemeinen Presse gegenüber dem Weißbuch vollzogen habe. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Regierungserklärung sei fast die gesamte Presse dem Weißbuch entweder neutral oder freundlich gegenübergestanden, bald habe sich aber ein Wandel in dieser Hinsicht bemerkbar gemacht. Es bestehe, fuhr Dr. Weizmann in seinem Bericht fort, die Möglichkeit einer Erörterung der Frage im Unterhaus, doch sei es im gegenwärtigen Augenblick schwer., vorauszusehen, zu welcher Entscheidung das Parlament gelangen werde. Bezüglich der Haltung der Regierung bestehen für die Zukunft zwei Möglichkeiten, entweder werde sie einen Rückzug antreten und ein erläuterndes oder kommentierendes Dokument herausgeben oder an ihrer Politik, wie sie im Weißbuch niedergelegt ist, festhalten. Das Aktions-Komitee möge sich darüber schlüssig werden, welche Schritte in jedem dieser Fälle eingeleitet werden sollen. Die Jewish Agency wendet sich an die eben in Genf tagende Permanente Mandatskommission* des Völkerbundes mit der Bitte, eine etwa in Aussicht genommene Diskussion der Palästina-Frage auf den 17. und 18. November zu vertagen, da ein detailliertes Memorandum der Jewish Agency als Antwort auf den Simpson-Bericht und das Weißbuch in Vorbereitung sei, das auf dem üblichen Wege an die Mandatskommission geleitet werden soll. Es bestehe weiters die Möglichkeit, daß eine konsultative Meinungsäußerung des Haager Internationalen Gerichtshofes, entsprechend dem Vorschlag von Lord Hailsham und Sir John Simson, über die Frage, ob das Weißbuch nicht dem Mandat widerspricht, eingeholt werden wird, und zwar entweder in der Form., daß sich die englische Regierung oder daß sich der Völkerbundsrat an den Haager Gerichtshof wendet. Die Reaktion der britischen Judenheit auf das Weißbuch ist gekennzeichnet durch verstärkte Anstrengungen für Palästina. Nach einer Würdigung der großen Verdienste von Mrs. Dugdale, der Nichte Lord Balfours, um die Verteidigung des Erbes ihres Onkels, sowie des Beistandes, den Baron Edmond de Rothschild dem Zionismus in dieser schwierigen Situation geliehen habe,, erklärte Dr. Weizmann, er wünsche, dem Aktions-Komitee formell seine Demission als Präsident der Zionistischen Organisation zu überreichen. Das Aktions-Komitee nahm einen Antrag der Revisionisten, die Frage der Demission Weizmanns gleichzeitig mit der Erörterung der politischen Lage zu behandeln, an, woraufhin Dr. Weizmann die Erklärung abgab, daß er sich an den weiteren Beratungen des Aktions-Komitees nicht beteiligen werde. Nach dieser Erklärung verließ Dr. Weizmann den Saal. Harry Sacher erklärte, es entspreche den parlamentarischen Gepflogenheiten, daß ein Präsident, der seine Demission eingereicht habe, bei der Debatte über diese Demission nicht anwesend sei. Es wurde jedoch, nachdem Weizmann den Saal verlassen hatte, auf Antrag Dr. Barths beschlossen, an Dr. Weizmann das Ersuchen zu richten, der Debatte beizuwohnen, da bezüglich gewisser politischer Fragen die Notwendigkeit ergänzender Mitteilungen und Erläuterungen von seiner Seite sich ergeben könnte. S. Kaplansky erstattete in Ergänzung der Ausführungen Weizmanns ein politisches Referat. Er befaßte sich hauptsächlich mit der politischen Arbeit der Poale Zion und der Stellungnahme der Labour Party und gab eine gründliche Analyse der in den Kreisen der Arbeiterpartei vorherrschenden Meinung über das Palästinaprobl.em, wie sie in der von der Konferenz in Llandud.no angenommenen Resolution zum Ausdruck kommt. Die freundliche Einstellung einer großen Zahl von Arbeiterabgeordneten und Mitgliedern des Kabinetts zum jüdischen/ Palästinawerk stehe außer Zweifel; er habe den Eindruck,, daß viele Abgeordnete der Arbeiterpartei vor der Veröffentlichung des Weißbuches keine Kenntnis von dessen Inhalt hatten. London, 6. November. (JTA.) In der Sitzung des Aktions-Komitees vom 5. November brachten der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meyer Dizeng o f f, der Führer des polnischen Misrachi,, Deputierter H. Farbstein und das polnische Aktions-Komitee-Mitglied, Dr. M. Hindes, einen Antrag auf sofortigen Rücktritt aller zionistischen Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency und Einsetzung eines provisorischen Komitees zur Fortführung der politischen Arbeit ein. Deputierter F a r b s t e i nerklärte zur Begründung dieses Antrags, der den Forderungen des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Polens Rechnung trägt, es gebe wohl kein einziges Mitglied des Aktions-Komitees, das mit Dr. Weizmanns Rücktritt nicht einverstanden wäre. Die Vertreter der Arbeiterparteien wollten größeres Gewicht auf die Suche nach Mitteln und Wegen zur Verstärkung der Kolonisationsarbeit in Palästina gelegt wissen, statt auf eine Diskussion darüber, wer für die gegenwärtige Krise' im Zionismus verantwortlich zu machen sei. Bürgermeister Dizengoff erklärte, die gegenwärtige Exekutive genieße nicht das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Andere palästinensische Vertreter widersprachen dieser Behauptung, so daß sich Dizengoff genötigt sah. sie zu modifizieren. Dizengoff wies weiter auf die Gefahren von Komplikationen] hin*, die sich ergeben könnten, wenn nicht innerhalb der nächsten Jahre der gesamte in jüdischen Händen befindliche Boden Palästinas kolonisiert werde. Das Tempo der Kolonisation müsse beschleunigt und die Palästina-

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