Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- Seite 650 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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650 Nr. 46 Das Jüdische Echo Arbeitsgemeinschaft ostjüdischer Organisationen 1. In den Vorstand sollen gewählt werden: Liberale 6, Volkspartei 2, Konservative 2, Mittelpartei 1, Wirtschaftspartei 1. Die Liberalen stellen sowohl den Vorsitzenden der Gemeindevertretung als auch des Gemeindevorstandes, die übrigen Parteien stellen stellvertretende Vorsitzende. Die Liberale Partei erklärt sich bereit, einen angemessenen Betrag für den Religionsunterricht an den höheren jüdischen Schulen aus Gemeindemitteln zu bewilligen und die etwaige Übernahme der Jüdischen Schule durch die Stadt zu fördern, behalten sich aber die Prüfung unter pädagogischen, schultechnischen und finanziellen Gesichtspunkten vor. Anträge auf Unterstützung palästinensischer Zwecke gehen an den Ausschuß, welcher den Namen „Ausschuß zur Prüfung von Anträgen betreffend Aufwendungen für Palästina“ führen soll. Diesem Ausschuß gehören von den Liberalen ebenso viele Gemeindevertreter an wie von allen übrigen Parteien zusammen. Der Anspruch der Ostjüdischen Organisation auf Berücksichtigung bei der Zusammensetzung der Ausschüsse wird von allen Parteien anerkannt. Die Vereinbarung hat Geltung bis zum 31. Dezember 1931. Als Abgeordnete zum Verbandstag des Preußischen Landesverbandes werden gewählt: Liberale 4, Volkspartei 2, Konservative 1, Mittelpartei 1. Die jüdische Welt protestiert! Der Balfourtag in Amerika 50 000 Juden demonstrieren in Neuyork gegen die englische Palästinapolitik — Julius Rosenwald und Bürgermeister Walker unter den Rednern — Massenversammlungen in allen Teilen der Vereinigten Staaten Neuyork, 3. November. (JTA.) Am 2. November, dem Balfourtage, fanden in diesem Jahre in ganz Amerika statt der üblichen Balfourfeiern Protestversammlungen gegen die neue englische Palästinapolitik statt. In Madison Square Garden in Neuyork wurde die größte jüdische Kundgebung abgehalten, die Neuyork jemals gesehen hat. Über 50 000 Personen waren vor dem Versammlungslokal erschienen, aber nur etwa die Hälfte konnte Einlaß finden. Rings um Madison Square Garden wurden improvisierte Versammlungen veranstaltet. Eine Sensation bildete das Erscheinen des Chicagoer Milliardärs und bekannten Philantropen Julius Rosenwald auf der Rednertribüne. Rosenwald hat sich bekanntlich bisher standhaft geweigert, sich in irgendeiner Form an der Palästinaarbeit zu beteiligen. Auch hat man noch nie von so gemäßigten jüdischen Führern wie Professor Felix Frankfurter, dem Gouverneurstellvertreter des Staates New York Herbert H. Lehman und Felix M. Warburg so flammende Ansprachen gehört wie auf diesem Meeting. Auch die nichtjüdischen Redner wie der Bürgermeister von Neuyork James Walker, das Mitglied des Kongresses Hamilton Fish und Senator Wagner führten eine sehr scharfe Sprache und bezeichneten den Inhalt des englischen Weißbuches als einen Bruch geheiligter Versprechungen an die Juden durch England. Weitere Ansprachen wurden von dem Präsidenten der Palästine Economic Corporation Bernard Flexner, dem Präsidenten des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses Bernard Deutsch, dem bekannten jüdischen Dramatiker David Pinski, Rabbi Wolf Gold und Chaim Greenberg gehalten. Alle Redner stimmten darin überein, daß Lord Paßfield, der die Balfourdeklaration ihrer Bedeutung entkleidete, nicht als Repräsentant des britischen Volkes angesehen werden könne, und daß die Judenheit auf diesen Verrat durch Fortsetzung des Aufbauwerkes mit verstärkter Energie antworten müsse. Der Vorsitzende, Professor Felix Frankfurter, führte aus, daß das englische Weißbuch weniger eine Erklärung der englischen Regierung darstelle, als vielmehr eine Enthüllung der tiefsitzenden Voreingenommenheit Lord Paßfields. Der Präsident des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Bernhard S. Deutsch, der Hauptredner, sprach die Hoffnung aus, daß England die Entscheidung Lord Paßfields ändern werde, die einen ungeheuren Verrat an der Balfourerklärung bedeute. Palästina sei keine Kronkolonie, sondern ein Mandatsgebiet. England müsse die Frage beantworten, ob es seine Versprechungen erfüllen wolle, die es unter Zustimmung des Völkerbundes und der Vereinigten Staaten abgegeben habe. Eine scharfe Protestresolution wurde durch Zuruf angenommen. Unter den verlesenen Begrüßungsschreiben waren solche vom Gouverneur des Staates New York Roosevelt, vom Präsidenten der American Federation of Labour William Green und Rabbi Dr. Stephen S. Wise. Protest der jüdischen Legionäre gegen das englische Weißbuch Jerusalem, 4. Novemebr. (JTA.) In einer Versammlung ehemaliger jüdischer Legionäre wurde eine Resolution angenommen, in der der englischen Regierung vorgeworfen wird, daß sie ihr den Juden gegebenes heiliges Versprechen gebrochen habe. Durch ihre verräterische Handlungsweise habe die Regierung Zehntausende ehemalige jüdische Soldaten, die an der Seite der britischen Streitkräfte im Weltkriege in Palästina gefochten haben, bitter enttäuscht. Die jüdische Legion im Weltkrieg, die in einem Augenblick aufgestellt worden war, in dem das englische Heer an Truppenmangel litt, sei der Ausdruck der Dankbarkeit der Juden gegenüber England für die Balfourdeklaration gewesen. Die Resolution schließt: Gegen die Entscheidung einer Regierung, die uns verraten hat, appellieren wir an das englische Volk. 4000 Menschen protestieren in Paris gegen Englands Palästinapolitik — Ansprachen von Painleve, de Monzie, Godard, Miliukoff und Longuet Paris, 6. November. (JTA.) Auf dem von der französischen Pro-Palätstina-Liga einberufenen Massenprotestmeeting gegen die neue englische Palästinapolitik, das von über 4000 Personen besucht war, sprachen unter anderen Rednern der ehemalige Ministerpräsident Paul Painleve, der im Jahre 1917 im Namen Frankreichs der Balfourerklärung zustimmte, der Senator und ehemalige Minister Justin Godard, der ehemalige Minister für öffentliche Arbeiten M. de Monzie, der frühere russische Außenminister Professor Paul Miliukoff und der Sozialistenführer Jean Longuet. Painleve erklärte, das durch die Balfourdeklaration gegebene Versprechen müsse erfüllt werden. Die Juden seien ihren Verpflichtungen nachgekommen und hätten das Land bereichert, die Kulturwelt dürfe es nicht zulassen, daß die Araber den Juden jene mit großer Mühe fruchtbar gemachten Ländereien gewaltsam entreißen, die sie ihnen seinerzeit in wüstem Zustande verkauft haben. Senator Justin Godard wiederholte seine schon bei anderer Gelegenheit erhobene Forderung, daß der Haager Internationale Gerichtshof darüber entscheiden soll, ob das englische Weißbuch mit den Mandatsbestimmungen vereinbar sei. — Es wurde eine