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Das jüdische Echo · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 641

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 641 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 641 die wir die Erhaltung und Konsolidierung dieser Gemeinschaft uns zur Pflicht gemacht haben, deren jahrhundertlange Tradition von dem Streben nach einem Dasein in Gerechtigkeit und Vernunft erfüllt ist., von einem Geiste, der in neuerer Zeit Männer wie Spinoza und Karl Marx hervorgebracht hat. Einstein forderte dann die Versammelten auf, an der Arbeit für Ort und Ose mitzuwirken. Im weiteren Verlauf des Abends ergriff auch Sir Herbert Samuel das Wort und benützte die Gelegenheit gegen die Palästinaerklärung der englischen Regierung zu protestieren. Große Demonstrationen in Tel-Awiw gegen die Regierungserklärung Zusammenstöße mit der Polizei Jerusalem, 27. Oktobr. (JTA.) Nach einer am 25. Oktober in Tel-Awiw abgehaltenen Protestversammlung der Revisionisten gegen das neue Weißbuch der englischen Regierung k'arn es. in den Straßen von Tel-Awiw zu heftigen Kundgebungen einer mehr als öOOOköpfigen Menge. Unter Rufen wie „Nieder mit Paßfield“, „Es lebe die Balfour- Deklaration“; „Es lebe die Mandatskommission“; „Hoch Van Rees!“ (der Vizeobmann der Mandatskommission, der die Anschauungen der Kommission in der Palästinafrage vor dem Völkerbundsrat vertrat), „Hoch die freie Einwanderung!“, durchzogen die Demonstranten in geschlossenem Zuge mit einer zionistischen Fahne die Stadt. Es kam zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, die unter dem Kommando des Polizeioffiziers Schiff die Menge zu zerstreuen versuchte. Polizeioffizier Schiff wurde von den Demonstranten ausgepfiffen und vom Perde geworfen. Bei dem Zusammenstoß wurde ein 12jähriger Knabe verletzt, drei Leute, darunter ein Revisionist, namens Zeavi, wurden verhaftet. Zur Verstärkung der Tel-Awiwer Polizei wurde eine Schwadron von britischen Konstablern aus Jaffa berufen, die jedoch keine Gelegenheit mehr hatte, einzugreifen, da sich der Demonstrationszug unterdessen ohne weitere Zwischenfälle aufgelöst hatte. Baurat Alexander Baerwald gestorben Jerusalem, 28. Oktober. (JTA.) Der bekannte Architekt, Baurat Alexander Baerwald, der eine große Reihe öffentlicher Prachtbauten in Berlin und später in Palästina das Haifaer Technikum samt hebräischer Realschule und eine Reihe anderer großer Bauten geschaffen hat, ist heute in Jerusalem im Alter von 53 Jahren verstorben. Gemeinden- und Vereins-Echo München. (Sitzung der gemeindlichen Körperschaften.) Wie bereits berichtet, traten am Mittwoch, 29- Oktober, die gemeindlichen Körperschaften zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung die Angelegenheit der für den Februar 1931 angesetzten Gemeindewahlen und eine Nachbewilligung für den Verein Ohel-Jakob standen. Nach kurzer Aussprache wurde zu Punkt 1 ein Antrag des Gemeindevorstandes einstimmig angenommen, wonach die Amtszeit der gegenwärtig fungierenden gemeindlichen Körperschaften um ein Jahr, bis zum 1. April 1932, verlängert wird1, ein Beschluß, der den allseits gefühlten Schwierigkeiten der augenblicklichen Situation in Deutschland Rechnung trägt. (Für die Verbandswahlen wird eine gleichartige Verschiebung des Wahltermins angestrebt.) Dem Verein Ohel- Jakob wurde auf Antrag der orthodoxen Fraktion gegen 2 Stimmen in der Gemeindevertretung und 3 im Gemeindevorstand; eine Nachbewilligung von 5580 RM. gewährt und damit die weitere Aufrechterhaltung seiner bisher immer sehr umkämpften Schule ermöglicht. Zu einem solchen Entgegenkommen fand sich die liberale Fraktion nur angesichts der Verschiebung der Wahlen bereit, durch die es notwendig wurde, die Frage wenigstens nicht „negativ zu lösen, wenn sie positiv nicht gelöst werden kann“, wie Kommerzienrat Dr. Wassermann von der liberalen Fraktion zugab. Allerdings erklärte die liberale Fraktion, daß sich prinzipiell ihr Standpunkt nicht geändert habe. Die Aussprache zu diesem Punkt brachte auch Klarheit darüber, daß im Etat 1931 die Bedürfnisse von Ohel-Jakob ausreichend bis zum Höchstbetrage von 15000 RM. befriedigt werden. Nach Erledigung der Tagesordnung gab Herr Justizrat Dr. Straus einige Aufklärungen über die Finanzlage der Gemeinde, aus denen sich ergibt, daß gegenüber dem Voranschlag bisher Mindereinnahmen von etwa 37 000 RM. zu verzeichnen sind; Schwierigkeiten dürften daraus infolge der vorsichtigen Finanzgebarung der Gemeinde jedoch nicht erwachsen, wenn sich auch die Aufstellung des neuen Etats, an die der Finanzausschuß jetzt herangehen wird, nicht leicht gestalten wird. In vertraulicher Sitzung wurde die Anstellung eines Wohlfahrtspflegers beschlossen. Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München. Mittwoch, den 12. November, 20 Uhr, im Bibliotheksaal; Dr. Raphael Straus. „Der Nationalismus der Völker und die Juden.“ 2. Abend. Wohlfahrtsbriefmarken Vom 1. November 1930 ab findet der Verkauf der neuen Wohlfahrtsbriefmarken statt. Der Wohlfahrtsaufschlag beträgt wie im Vorjahr durchschnittlich 50 Prozent des Frankierungswertes. Die Erträge der Wohlfahrtsbriefmarken dienen zur Linderung materieller Notstände im Reichsgebiet. Der Ertrag soll in diesem Jahr in erster Linie für Mütter, Kinder und Jugendliche unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge verwendet werden. Die Vertriebsstellen können 80 Prozent des Reinertrages der von ihnen verkauften Marken für ihre eigenen Zwecke einbehalten. Wir bitten darum, Wohlfahrtsbriefmarken zu beziehen durch das Wohlfahrts- und Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde. Herzog-Max-Straße 5/1, Tel. 92 8 83. Der neue Orient Herr Dr. Hans K o h n , der bekannte jüdische Schriftsteller und Orientkenner, war von der Jesaja-Loge für Dienstag, den 28. Oktober, zu einem Vortrag über die moderne Religionsphilosophie und das Judentum eingeladen worden; auf Wunsch des zahlreich erschienenen Publikums sprach er jedoch über den neuen Orient, ein Thema, zu dem der Referent jedenfalls vieles und viel Interessantes vorzutragen wußte. Der Prozeß, der gegenwärtig im Orient vor sich geht und dort in kurzer Zeit eine ungeahnte Umwälzung, entweder schon herbeigeführt hat oder noch herbeiführen wird, läßt sich nach Dr. Kohn charakterisieren als ein Prozeß der Säkularisierung, der Loslösung von der Herrschaft der Religion im Rechtsleben, in der Staatsform, im Unterrichtswesen, kurz und schlagwortmäßig als ein Prozeß der Entwunderung der

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