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Das jüdische Echo · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 640

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 640 (sequence 12)
Language
German
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640 Das Jüdische Echo Nr. 45 erklärt, dagegen erklärten sich die Führer der Liberalen außerstande, dem Vorschlag Dr. Baecks zuzustimmen. Somit ist der Wahlkampf in Berlin unvermeidlich geworden. Die 94. Friedhofschändung Berlin, 30. Oktober. (JTA.) Aus Grevenbroich (Niederrhein) wird gemeldet: Auf dem Friedhof der Filialgemeinde Wewelinghoven, wo früher eine stattliche Gemeinde bestand und jetzt nur noch 2 jüdische Familien wohnen, sind mehrere Grabsteine umgestürzt und gänzlich zertrümmert worden. Polizeiliche Ermittlungen sind eingeleitet, jedoch bis jetzt ergebnislos geblieben. Das Initiativkomitee der Jewish Agency tagt am 18. November in Berlin Berlin, 29. Oktober. (JTA.) Der Vorsitzende des Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland, Herr Direktor Oscar Wassermann, hat die Mitglieder des Komitees zu einer Tagung, die am 18. November in Berlin stattfindet, eingeladen. Judenfeindliche Ausschreitungen in Danzig Danzig, 2. November. (JTA.) In den letzten Tagen haben in Danzig und in Zoppot judenfeindliche Ausschreitungen stattgefunden. Jüdische Passanten wurden auf der Straße von Nationalsozialisten überfallen und mißhandelt Hitlerleute drangen in das bekannte Cafe Korso in Zoppot ein und schlugen mit Gummiknüppeln auf die jüdischen Gäste ein., von denen mehrere mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Eine Gruppe polnischer Juden wurde an der Kreuzung Wollweber- und Heilige Geist-Straße in Danzig überfallen, wobei Isaac Roslin und Samuel Rosan lebensgefährlich verletzt wurden. Schalom Asch’s 50. Geburtstag Berlin, 2. November. (JTA.) In diesen Tagen vollendet der große jiddische Erzähler und Dramatiker Schalom Asch sein 50. Lebensjahr. In Kutno (Polen) geboren, hat er schon sehr früh die Aufmerksamkeit der jüdischen literarischen Kreise, so auch des Dichters J. L. Perez, mit seinen kleinen Erzählungen auf sich gelenkt. Aber erst seine Meisternovelle .,A Städtel“, die in alle Kultursprachen übersetzt wurde, begründete seinen dichterischen Ruhm, der durch eine große Reihe Meisterromane und Novellensammlungen, sowie durch seine Dramen „Der Gott der Rache“ (1907 von Reinhardt in Berlin aufgeführt),, „Sabbatei Zwi“, „Familie Großglück“, „Mottke der Dieb“, „Messias’ Zeiten“ immer höher wuchs. Seine zuletzt erschienene Roman-Triologie „Warschau“, „Petersburg“, „Moskau“ hat bei der europäischen und amerikanischen Kritik hohe Anerkennung gefunden. Jacob Rosenheim 60 Jahre Frankfurt a. M„ 2. November. (JTA.) Herr Jacob Rosenheim, einer der hervorragendsten Führer der jüdischen Orthodoxie, Präsident der Weltorganisation Agudäs Jisroel, vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Er ist ein anerkannter Führer der von Samson Raphael Hirsch vor mehr als einem halben Jahrhundert begründeten selbständigen jüdischen Orthodoxie, die in Deutschland in der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“, dem „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands4“ (Halberstädter Verband) organisiert ist. Max Brods „Reubeni“ mit dem tschechoslowakischen Staatspreis ausgezeichnet Prag, 28. Oktober. (JTA.) Der ins Prag lebende jüdische Dichter Max Brod hat bei der Verteilung der Staatspreise für Literatur, Musik und Kunst, die am Staatsfeiertag,, dem 28. Oktober, alljährlich stattfindet, für seinen Roman ,Reubeni“ den Staatspreis erhalten. Außer ihm wurde auch der in tschechischer Sprache schreibende jüdische Dichter Ottokar Fischer für sein Buch „Die Seele und das Wort“ preisgekrönt. Die Klagemauer-Kommission tagt in Stockholm Stockholm, 27. Oktober. (JTA.) Die von der englischen Regierung gewählte und vom Völkerbundsrat bestätigte Kommission zur Beilegung des jüdisch-arabischen Streitfalles mit Bezug auf die Klagemauer in Jerusalem ist heute in Stockholm zu einer Beratung zusammengetreten,, die voraussichtlich eine Woche dauern wird. Den Vorsitz bei der Beratung führt der ehemalige schwedische Außenminister Loefgren, die übrigen Mitglieder der Kommission sind der Präsident des Genfer Appellationsgerichtshofes Charles Barde und der ehemalige Gouverneur von Sumatra, der Holländer C. J. Van Kempen. In der Stockholmer Konferenz sollen nach einem erschöpfenden gegenseitigen Meinungsaustausch zunächst die Grundlagen für den dem Völkerbund zu unterbreitenden Bericht festgelegt werden; der Bericht selbst wird in einer zweiten Sitzung der Kommission endgültig ausgearbeitet werden. Die Veröffentlichung des Berichtes wird erst durch das Völkerbundssekretariat erfolgen. Prof. Carl Landsteiner Nobelpreisträger für Medizin Stockholm, 31. Oktober. (JTA.) Der Nobelpreis für Medizin für das Jahr 1930 ist dem bekannten jüdischen Bakteriologen und Biologen Dr. Carl Landsteiner, Prof, an der Universität Wien und Mitglied des Rockefeller-Instituts für medizinische Forschung in Neuyork. für seine Untersuchungen über die Blutgruppierung verliehen worden. Einstein für Ort und Ose London, 28. Oktober. (JTA.) Die Gesellschaften Ort und Ose gaben am 28. Oktober in London ein Bankett, auf dem eine Sammlung zur Förderung der Ziele dieser Gesellschaften eingeleitet wurde. Unter den Ehrengästen befanden sich Prof. Albert Einstein, Bernard Shaw, H. G. Wells und zahlreiche andere hervorragende Persönlichkeiten. Bernard Shaw begrüßte in längerer Rede Prof. Albert Einstein, den er als den bedeutendsten Geist der Gegenwart feierte. Von stürmischem Beifall begrüßt, hielt sodann Prof. Einstein eine Rede in deutscher Sprache,, die nachher ins Englische übertragen wurde. Er führte ungefähr aus: Nicht leicht fällt es mir, meinen Hang zu einem Leben in stiller Betrachtung zu überwinden, doch dem Rufe der Gesellschaften Ort und Ose durfte ich mich nicht entziehen; es ist sozusagen der Ruf des schwer gedrückten jüdischen Volkes, dem ich Folge leiste. Die jeweilige Situation des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern ist ein Barometer des sittlichen Standards der Völker, unter denen die Juden leben. Was könnte auch einen besseren Maßstab für die Zivilisation einer Gemeinschaft darstellen als ihr Verhalten zu einer wehrlosen Minderheit, die in ihrer Mitte lebt? Dieses Barometer steht tief in dieser Zeit. Dies fühlen wir schmerzlich,

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