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Das jüdische Echo · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 638

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 638 (sequence 10)
Language
German
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638 Das Jüdische Echo Nr. 45 gen. Zu diesem Zweck wird zur. Zeit im Staatsdepartement das englisch-amerikanische Palästina- Abkommen einer eingehenden Prüfung unterzogen, um festzustellen, ob die amerikanische Regierung auf Grund dieses Abkommens berechtigt sei, in Anbetracht der beträchtlichen Erregung unter den amerikanischen Juden über die Einstellung der englischen Regierung, einen Schritt in London zu unternehmen. Das fragliche Abkommen enthält einen Passus, nach dem zu grundlegenden Änderungen in der Verwaltung und Regierung des Mandatgebiets Palästina die Zustimmung der Vereinigten Staaten erforderlich ist. Eine Erklärung Churchills gegen das neue Weißbuch London, 27. Oktober. (JTA.) Der frühere Kolonialminister, Mr. Winston Churchill, während dessen Amtsführung das erste englische Weißbuch über Palästina im Jahre 1922 erschien, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er sich dem von Baldwin, Chamberlain und Amery erhobenen Protest gegen die englische Regierungserklärung über die künftige Palästinapolitik vollinhaltlich anschließt. Bodenkaufs- und Einwanderungsverbot widersprechen dem Mandat General Smuts antwortet auf Mac Donalds Telegramm London, 27. Oktober. (JTA.) General Smuts hat dem englischen Ministerpräsidenten Mac Donald telegraphisch seinen Dank für dessen rasche und ausführliche Beantwortung des ersten von General Smuts an Mac Donald abgesandten Telegramms ausgesprochen. Weiters führt General Smuts u. a. aus: Ich hoffe, daß Ihre Erklärungen einige Mißverständnisse beseitigen werden. Besonders begrüße ich Ihre Zusicherung, daß das jüngste Weißbuch keine endgültige Festlegung der Regierungspolitik in bezug auf das Nationalheim bedeutet,, da ich auch weiterhin den Eindruck habe, daß die Regierungserklärung sowohl hinsichtlich der Bodenerwerbsfrage wie der Einwanderungsfrage der durch die Balfourdeklaration übernommenen Verpflichtung aktiver Unterstützung des Aufbaus eines Jüdischen Nationalheims widerspricht. Ein Schreiben Baron Edmond de Rothschilds an Prof. Weizmann Die Grundsätze des Weißbuchs widersprechen dem Geist und Wortlaut des Mandats London, 30. Oktober. (JTA.) Baron Edmond de Rothschild, der „Vater“ der jüdischen Kolonisation in Palästina., hat an Prof. Weizmann nachstehendes Schreiben gerichtet: „In meiner Eigenschaft als Ehrenpräsident der Jewish Agency und als Gründer der ersten jüdischen Kolonie in Palästina schließe ich mich rückhaltlos dem Proteste an, den Sie gegen die Erklärung der britischen Regierung über die künftige Politik in Palästina erhoben haben. Die in dieser Erklärung niedergelegten Grundsätze widersprechen sowohl dem Geist als auch dem Wortlaut des Palästinamandates, welches auf der Deklaration basiert, die der verstorbene Außenminister Lord Balfour im Namen seiner Regierung erlassen hat. Die Juden der ganzen Welt sind in einem Zustand der Bestürzung,, und ich teile ihren Schmerz. Wer aber eine so große und edle Sache wie die unsere zu verfechten hat, darf mit Recht auf eine bessere Zukunft hoffen.“ Protest der Agudath Jisrael gegen die Regierungserklärung Jerusalem, 28. Oktober. (JTA.) Die Agudath Jisrael hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihrer tiefen Trauer über das englische Weißbuch Ausdruck gibt, das eine Beleidigung der Judenheit darseilt. Die politische Kommission der Weltorganisation Agudath Jisrael wird aufgefordert, zu den letzten Ereignissen in Palästina Stellung zu nehmen. Jüdische Wahlen in Berlin Durch die schwere wirtschaftliche Lage und die verstärkte judenfeindliche Stimmung in Deutschland, die in so erschreckender Weise bei den Reichstagswahlen am 14. September zum Ausdruck kam, fühlten sich viele Faktoren im jüdischen Leben veranlaßt, die seit längerer Zeit auf den 30. November ausgeschriebenen Wahlen für die Berliner Jüdische Gemeinde und den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zu verhindern. Die Anregung, die neue Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung und des. Verbandstages auf dem Wege von Vereinbarungen zwischen den Parteien herbeizuführen, ging, was naturgemäß ist, von Berliner Rabbinern aus, denen sich dann der allgemeine Rabbinerverband anschloß. Sie fand ausnahmslos bei allen Parteien in Berlin einen starken Widerhall. Daß die Liberalen und die kleineren Parteien Friedensbereitschaft bekundeten, war im übrigen kein Wunder. Denn die Position der Liberalen war gerade im Hinblick auf die Entwicklung des politischen Lebens iru Deutschland mit Bezug auf die Juden sehr erschüttert. Dazu kamen die auf allen Seiten anerkannten großartigen Leistungen der Berliner Gemeindeverwaltung in den letzten drei Jahren, während welcher Zeit Zionisten in der Gemeinde den Ton angaben und die Hauptarbeit leisteten. Der Verzicht auf Wahlen war also in dem ersten Stadium der Verhandlungen eigentlich nur ein Opfer für die Jüdische Volkspartei, welche mit gutem Rechte hoffen konnte und auch heute hoffen kann, daß sie auf Grund ihrer Argumente und des erbrachten Befähigungsnachweises in Wahlen große Erfolge erringen werde. Die Verhandlungen zwischen den Parteien wurden eingeleitet und schienen zunächst Aussicht auf eine Einigung zu bieten. Von den Liberalen hatte sich eine jungliberale Richtung abgesplittert; die von Dr. Ismar Freund ins Leben gerufene Überpartei bedeutete eine Zusammenfassung einer großen Anzahl von Wählern, die sonst hauptsächlich für die Liberalen eingetreten waren. Aus diesem Grunde war es damals den Berliner Gemeindeliberalen sehr darum zu tun, um Wahlen herumzukommen und im Verhandlungswege eine große Zahl von Mandaten zu erlangen, die sie im Wahlkampfe zu gewinnen niemals hoffen durften. Selbstverständlich wurde zunächst ein Kampf in programmatischer Beziehung geführt. Die Liberalen, bei denen nach dem Tode Prof. Türks ein radikaler Flügel die Oberhand bekam,, stellten sich auf den Standpunkt, daß gerade der Ausgang der Reichstagswahlen bewiesen habe, daß sich die Jüdische Gemeinde nur auf Wahrnehmung religiöser Interessen beschränken müsse und ihr Hauptaugenmerk auf Anbahnung einer Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden richten solle. In dieser Auffassung kam, ohne daß es offenbar den Liberalen klar geworden wäre, die Behauptung zum Ausdruck, als ob es bei den Jüdischen Gemeinden

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