Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 45 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- Seite 637 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 637 landlose arabische Anbauer ein Recht hat, auf dem Lande als Farmer angesiedelt zu werden, bevor Juden Boden für dichte Ansiedlung erwerben dürfen, sogar wenn er niemals Land besessen bzw. niemals Land als Folge jüdischer Siedlungstätigkeit verloren hat. Aber während das Weißbuch diesen Anspruch anerkennt, vermeidet es sorgfältig, die Regierung an seine Befriedigung zu binden. Das revolutionäre Prinzip verfolgt keinen anderen klaren Zweck, als ein Argument zu schaffen, mit welchem den Juden das Recht auf den Erwerb weiteren Landes bestritten werden kann. Der wichtigste Teil des Berichtes von Sir John Hope Simpson ist ein sonstruktiver Plan für landwirtschaftliche Ansiedlung, der die Förderung sowohl jüdischer wie arabischer Siedlung im Auge hat, und (in viel definitiverer Form als das Weißbuch) als selbstverständlich davon ausgeht, daß die Förderung jüdischer Ansiedlung auf dem Lande eine positive und zwingende der Mandatarmacht obliegende Verpflichtung ist. Es ist mir nicht gelungen, dieses Projekt in dem Weißbuch zu entdecken. Was allein klar aus dem Weißbuch hervorgeht, ist die Absicht, jüdische Bodenkäufe für eine Periode, deren Ende nicht absehbar ist, ernstlich zu beschränken, wenn nicht völlig zu unterbinden. Ich habe mich lediglich mit zwei besonders wichtigen Teilen des Weißbuches beschäftigt, die jedoch ein genügender Beweis dafür sind, daß zwischen der alten und der neuen Politik der britischen Regierung in bezug auf das Jüdische Nationalheim ein Bruch besteht. Ich habe das Weißbuch wieder und wieder gelesen und habe nach einer Interpretation gesucht, die eine Basis schaffen könnte für die Fortführung jener engen Zusammenarbeit mit der britischen Regierung, die während so vieler Jahre mein Programm war. Es war für mich ganz unmöglich, eine solche Interpretation zu finden. Sie waren so freundlich, darauf hinzuweisen, daß in dem Wortlaut des Weißbuches in Verfolg von Vorstellungen, die ich gemacht hätte, Änderungen eingetreten wären. Diese Vorstellungen waren lediglich von allgemeiner Natur und konnten sich nicht auf den Inhalt der Regierungserklärung beziehen, von der ich damals keine Kenntnis hatte. Wenn ich auf die Entwicklung der Dinge zurückblicke, so bedauere ich es mehr denn je, daß meine dringende Bitte um ein letztes Interview, die ich am Sonnabend, dem 18. Oktober machte, die Antwort erfuhr, es stünde nicht in Ihrer Macht, in dem Wortlaut der Erklärung, deren Veröffentlichung bevorstand, Änderungen vorzunehmen. Konkrete Vorstellungen hätten nur nach Kenntnisnahme des Inhalts des Dokumentes gemacht werden können, und ich kann daher nicht zugeben, daß ich, wie Ihr Brief andeutet, tatsächlich im Vorhinein um meinen Rat befragt worden war. Indem ich von Ihrer freundlichen Erlaubnis Gebrauch mache, übergebe ich Ihr Schreiben vom 25. Oktober mit diesem Brief der Presse. Ihr ganz ergebener Chaim Weizmann. Eine zweite beruhigende Erklärung der britischen Regierung über Paläistina? London, 4 November. (JTA.) „News Chronicle“ meldet, die Regierung sei über die in jüdischen Kreisen der ganzen Welt hervorgerufene Feindseligkeit ernstlich beunruhigt,, da die von Paßfield über die künftige Palästinapolitik der Regierung veröffentlichte Erklärung dem Kabinett vorher nicht unterbreitet worden war, soll jetzt einer erläuternde Erklärung herausgegeben werden, von der eine beruhigende Wirkung erhofft wird. Da eine Ersatzwahl in Whitechapel bevorstehe, wo mindestens ein Drittel der Wähler jüdisch sind, werde, so fügt das Blatt hinzu,, diese Auslegung so bald wie möglich gegeben werden. Das Palästina-Problem vor dem englischen Parlament Eine Anfrage Baldwins im Unterhaus Lord Readings Kritik im Oberhaus London, 28. Oktober. (JTA.) Am Nachmittag des 28. Oktober begann im Unterhaus die allgemeine Aussprache über die Thronrede, die entgegen manchen Erwartungen auf die Palästinafrage nicht Bezug nahm. In der Diplomatenloge wohnte Prof. Einstein der Sitzung bei; er wurde dorthin von seinem Gastgeber Sir Herbert Samuel geleitet. Der ehemalige konservative Ministerpräsident Baldwin stellte an die Regierung die Frage, ob sie die bisher von England befolgte Palästinapolitik zu revidieren beabsichtige. Ministerpräsident Mac Donald gab ein ausführliches politisches Expose, in dessen Verlauf er auch auf die Anfrage Baldwins zurückkam. Er erklärte, das Weißbuch der Regierung bringe nur die bisherigen Unstimmigkeiten zwischen einzelnen einander widersprechenden Teilen gewisser früherer Erklärungen in Ordnung, die Regierung halte auch weiterhin an dem Wortlaut des Mandats fest. Im Oberhause behandelte der ehemalige Vizekönig von Indien, Lord Reading, in längerer Rede das Palästinaproblem und wies darauf hin, daß die Regierungserklärung über Palästina in der ganzen Welt mit Entrüstung aufgenommen worden sei. Die Welt Sei der Auffassung, daß diese Erklärung erkennen lasse, daß die Regierung das den Juden von England feierlich gegebene Versprechen nicht einhalten wolle. Lord Parmoor erwiderte namens der Regierung, die Beschuldigung, daß die Regierung in der Behandlung der Juden und Araber nicht ihr Bestes getan habe, sei vollkommen unberechtigt. Lloyd George verlangt die Eröffnung der Palästinadebatte im Unterhaus London, 29. Oktober. (JTA.) In der am Nachmittag des 29. Oktober abgehaltenen Sitzung des englischen Unterhauses forderte Lloyd George im Verlauf der Aussprache über die Thronrede des Königs die baldmöglichste Eröffnung einer Debatte über das Palästinaproblem. Solange die Situation nicht in befriedigender Weise aufgehellt sei, erklärte Lloyd George, bestehe die Möglichkeit schwerwiegender Konsequenzen für England: einerseits im Hinblick auf die im Weißbuch den Arabern gemachten Zusagen hinsichtlich finanziellen Beistandes bei der Entwicklung Palästinas und anderseits angesichts der internationalen Erörterung der Palästinafrage und der damit im Zusammenhang stehenden tiefgehenden Bewegung in vielen Ländern. Will die amerikanische Regierung in London intervenieren? Washington, 1. November. (JTA.) Eine von „United Press“ verbreitete Mitteilung besagt: Im Zusammenhang mit dem englischen Weißbuch über Palästina, das bekanntlich in zionistischen Kreisen eine Reihe von Protestkundgebungen hervorgerufen hat, wird von der amerikanischen Regierung die Erhebung von Vorstellungen in London erwo-