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Das jüdische Echo · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 634

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 634 (sequence 6)
Language
German
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634 Das Jüdische Echo Nr. 45 Sammlungen in diesem Lande. Die grundlegende Idee aber, unser Glaube, daß die Volksmassen durch ihre Opferwilligkeit den Fonds errichten und auch als Vorbild für die Vermögenden dienen werden, hat sich als richtig herausgestellt. Wenn wir in Rechnung ziehen, was Polen jährlich aufbringt, so werden wir uns überzeugen, daß gerade die Schichten des Volkes, die weder zu den Reichen noch zum Mittelstand gehören, dem Keren Hajessod nicht nur Maasser gegeben haben, sondern weit mehr, als sie eigentlich leisten konnten. In vielen Städten Polens, Rumäniens und Beßarabiens haben die Massen eine tiefe Verbundenheit mit unserer Idee gezeigt; in vielen Fällen ist von armen Juden der Rest ihres Vermögens, sind die abgesparten Groschen dem Volksfonds geopfert worden. Auch das Prinzip der Heranziehung von nichtzionistischen Kräften für die Aufbauarbeit hat sich bewährt. Die Kräfte, die wir jetzt in der Agency besitzen, wurden doch durch den Keren Hajessod für die Arbeit gewonnen. Die Idee der Jewish Agency hat ihren Ursprung im Keren Hajessod; der Unterschied besteht nur darin, daß wir bei der Schaffung der Agency weitere Aspekte des Zionismus im Auge hatten. Beim Keren Hajessod beschlossen wir nämlich, den Nichtzionisten nur ein Mitbestimmungsrecht hinsichtlich ökonomischer Fragen, z. B. in der Verteilung der Gelder zu gewähren; die Agency brachte ihnen auch ein Mitbestimmungsrecht in politischen Fragen. Bei der Festsetzung des einheitlichen Budgets hat der Keren Hajessod viel zur Konzentration der Gelder und ihrer Verteilung durch eine Kasse beigetragen. Dadurch erhielt die Arbeit eine größere Elastizität und wurde es möglich gemacht, jeweils die besonders dringenden Bedürfnisse zu berücksichtigen. Nachdem der Keren Hajessod, mit der Kolonisation im Emek Jesreel und der allgemeinen Entwicklung der Landwirtschaft, den Weg geebnet hatte, ist auch das Privatkapital ins Land gekommen, hat die Privatinitiative sowohl in der Pflanzungswirtschaft als auch auf industriellem Gebiet viel geleistet. Die wunderbare Hingabe unserer Chaluzim, ihre außerordentliche physische und seelische Opferwilligkeit, die freiwillige Bereitstellung von Mitteln für den Aufbau des Landes, haben der ganzen Welt unsere schöpferische Kraft, unsere kolonisatorischen Fähigkeiten offenbart; sie haben uns ferner gezeigt, welche landwirtschaftlichen Möglichkeiten in Erez Israel bestehen, wenn nur die für die Erschließung des Landes notwendigen Summen bereitgestellt werden. Ich habe schon oben erwähnt, daß der Keren Hajessod £ 100 000 fiir das Elektrizitätsunternehmen hergegeben hat, ebenso einen größeren Betrag für die Tote-Meer- Konzession. Große Summen wurden für Sanierungsarbeiten, für Erziehung, landwirtschaftliche Versuchsstation usw. ausgegeben. Wenn aber für den Keren Hajessod jährlich nicht eine halbe Million Pfund aufgebracht worden wäre, sondern viele Millionen, wie wir ursprünglich gedacht haben, so wären die Resultate ganz andere: das Budget für Zwecke des Allgemeinwohls, wie für Erziehung und Gesundheitswesen wäre wohl das gleiche geblieben, aber der Anteil der Kolonisation wäre außerordentlich gestiegen, und wir hätten ein Vielfaches dessen erreicht, was wir bisher erreicht haben. Einwanderung und Kolonisation sind die ersten Faktoren im Aufbauprogramm des Keren Hajessod. Und auch jetzt in dieser schweren und gefahrvollen Stunde müssen wir eingedenk sein, daß der politische Faktor bei all seiner Bedeutung nicht entscheidend für die Verwirklichung unserer Bestrebungen ist. Auch jetzt kann unsere Arbeit fortgesetzt werden, wenn genug Mittel vorhanden sein werden. Ein Beweis für die wirkliche Kraft der Aufbauidee in Erez Israel besteht darin, daß auch unsere Gegner zugeben mußten, daß das jüdische Volk Großes für die Entwicklung von Erez Israel geleistet hat. Können wir uns denn vorstellen, in welcher Lage wir uns befunden hätten, wenn wir nicht die große Kolonisation im Emek Jesreel vor uns hätten! Dieses Werk existiert doch wirklich als Beispiel unserer Kraft, unserer Hingabe und unserer Bestrebungen. Es dient doch als Symbol für unsere Arbeitsmethoden, für unseren Weg des Friedens, des Aufbaus und der Arbeit. Trotz der ernsten Stunde müssen wir daran denken, daß wir nicht durch Schwäche, nicht durch Warten auf bessere Zeiten oder mit Indifferenz unser Ziel erreichen werden, sondern nur durch Sammlung von Energien, durch Stärkung der Möglichkeiten. Und für das neue Jahrzehnt in der Keren-Hajessod-Arbeit muß die Parole sein: Nicht 5 Millionen, sondern das Zehnfache dessen! „Selbstbefreiung“, so schrieb Pinsker als Titel seiner Broschüre. Auch uns soll dieser Gedanke als Grundlage unserer zukünftigen Arbeit dienen. Von uns selbst hängt unsere Erlösung ab! Diese vornehmste Idee des Keren Hajessod soll uns Wegweiser auch für die künftigen Tage sein. J. Naiditsch Keren Hajessod in München Es ist die Idee der jüdischen Selbstbefreiung, die in der Arbeit des Keren Hajessod ihren stärksten und ihren konkretesten Ausdruck findet. Darum ist die Leistung für den Keren Hajessod das sichtbare Zeichen, das Maß für die Kraft dieser Idee und das Maß für die Stärke jüdischer Lebensbejahung. Verantwortung für die jüdische Zukunft nicht nur empfinden, sondern auch praktisch betätigen, heißt sich am Keren Hajessod beteiligen. Zehn Jahre nach Beginn der Tätigkeit des Keren Hajessod ist eine Prüfung möglich, wie weit dieses Verantwortungsgefühl vorhanden ist und wie es sich auswirkt. Das Judentum in seiner Gesamtheit hat diese Prüfung nicht zu scheuen. In stets steigender Zahl und in seltener Opferwilligkeit haben die Juden in allen Ländern sich durch freiwillige Selbstbesteuerung am Keren Hajessod beteiligt und damit ihrem Vertrauen in die Zukunft des jüdischen Palästina werktätigen Ausdruck gegeben. Wo der Keren Hajessod eine Arbeitsstätte, wo er Mitarbeiter gefunden hat, da ist jüdisches Verantwortungsgefühl lebendig und da weiß man auch, daß Stärkung des Keren Hajessod das Mittel ist, unvermeidliche politische Rückschläge zu überwinden. Im Dienste des Keren Hajessod müssen von neuem und immer wieder große Opfer gebracht werden, neue Kräfte mobilisiert, neue Energien müssen in jeder jüdischen Gemeinde fruchtbar gemacht werden. In den verflossenen zehn Jahren haben sich auch in München zahlreiche Freunde des Palästina-Aufbaus im Dienste für den Keren Hajessod zusammengefunden und auch die israelitische Kultusgemeinde hat an diesem Werk Anteil genommen, was gerade in diesem Augenblick mit Dank festgestellt sei. Aber noch stehen viele beiseite und noch sind die Leistungen nicht groß genug. Noch hat man

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