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Das jüdische Echo · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 632

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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632 Das Jüdische Echo Nr. 45 der Hoffnung, Rosch Pinah, den Eckstein, so trägt das Wort Keren Hajessod für uns und sicherlich noch mehr in ferner Zukunft die Kraft einer Zauberformel in sich. Die vor zehn Jahren ausgegebene Parole ist von den Juden gehört worden. In der ersten Begeisterung gaben die dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Volkes in Palästina verbundenen zionistischen Kreise, was sie geben konnten. Aber so wenig der Palästinagedanke Parteisache ist, so wenig blieb der Keren Hajessod auf Beiträge der Parteigänger beschränkt. In rasch wachsendem Maße warb er sich Freunde unter den nichtzionistischen Juden überall. Besonders in den östlichen Ländern wetteiferten alle Schichten der Bevölkerung miteinander an Opferwiligkeit. Wer kein Geld geben konnte, brachte Stücke alten ererbten Familienschmuckes. Jeder wollte nach seinen Kräften zur Erfüllung alter Hoffnungen beitragen. Es galt, den elementaren Strom jüdischer Begeisterung zu organisieren und für die Dauer nutzbar zu machen. Nach zehn Jahren dürfen wir sagen, daß die Keren-Hajessod-Parole ihre nachhaltige Wirkung bewahrt hat. In unermüdlicher Arbeit wurden von Jahr zu Jahr neue Freunde gewonnen, und die Werbung war um so schwerer, als sie nicht immer von frohen und glücklichen Nachrichten aus Palästina begleitet wurde. Der Keren Hajesod hatte die Aufgabe, dann am stärksten zu sein, wenn die Lage in Palästina besonders schwer erschien. Er mußte wachsen, als es 1921, schon kurz nach seiner Gründung, schwere Unruhen im Lande gab, als in den Jahren 1926 und 1927 eine ernste Wirtschaftskrise entstanden war, von der man damals in den Zeitungen lesen konnte, daß sie notwendig den Untergang unseres Werkes herbeiführen müsse, er mußte da sein und wachsen, als im vorigen Jahre wiederum blutige Zusammenstöße stattfanden, und er wird auch in Zukunft stärker sein müssen als alle Wechselfälle, die mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung notwendig verbunden sind. Die Garantie für seine Unerschütterlichkeit erblickt er in der ursprünglichen und ungebrochenen Zionsliebe der jüdischen Gemeinschaft, die gewohnt war, schwerste Schicksale zu erdulden, ohne jemals den Glanz ihrer Zukunftshoffnungen sich verdunkeln zu lassen. Dem Keren-Hajessod-Gedanken ist es gelungen, die Judenheit zu gemeinsamem Tun zu einen. Unser Fonds war der Vorläufer der Jewish Agency, ist ihr heute eingegliedert als wichtigstes Finanzinstrument. Wie bei der Gründung des Keren Hajessod vertrauen wir auch heute auf die freiwillige Leistung der Juden. Uns stärkt in diesem Augenblick der Gedanke, daß die Einnahme des Keren Hajessod in diesem Jahre, in dem wir uns gleichzeitig mit der Sammlung für einen Hilfsfonds zur Linderung aktueller Not an die Judenheit wenden mußten, gerade in den Ländern gestiegen ist, in denen die jüdischen Massen am meisten unter wirtschaftlicher Not zu leiden haben. Mit dem Gefühl von Glück und auch mit etwas Beschämung empfinden wir die echte Opferwilligkeit der Juden in den östlichen Ländern Europas. Der Idealismus der jüdischen Massen läßt sie geben, auch wenn sie vom Schicksal schwerster eigener Not entgegengeführt werden. Der Keren Hajessod soll alle Juden der Welt lehren, daß nichts sie näher angeht als die Erhaltung und Erneuerung des Judentums, daß sie bei allen Nöten des Tages ihre schönste Befriedigung in der vollen Mitarbeit am Palästinawerk finden können. Oskar Wassermann Die Prinzipien des Keren Hajessod (Zum zehnjährigen Bestehen) Zehn Jahre sind seit dem Tage vergangen, an dem die Gründung des Keren Hajessod proklamiert wurde. Es ist also die Jubiläumsfeier einer Deklaration, die Ende 1920 in London proklamiert wurde; denn die eigentliche Vorbereitungsarbeit für die Schaffung dieses Fonds hat bereits im März 1920 begonnen, die tatsächliche Arbeit der Geldsammlung aber wurde erst im Mai 1921 in Amerika eingeleitet. Und von den Nöten und Schmerzen der Entstehung des Fonds möchte ich diesmal ein wenig sprechen. Es war nach der offiziellen Übergabe des Mandats an England auf Grund des Vertrages von San Remo. Die historische Stunde forderte von uns den Beginn großzügiger und breiter kolonisatorischer Arbeit. Sie sollte dem großen Ziel entsprechen, das wir uns gestellt hatten, der furchtbaren Lage unseres Volkes in jener Epoche. Aber die Kasse der Organisation war zu jener Zeit erschöpft und leer. Die Mittel des „Keren Hageula“ gingen schon zu Ende; alle Länder hatten bereits Anstrengungen für diesen Fonds gemacht und waren schon ermüdet. Nachrichten dieser Art kamen aus dem reichsten Lande der Welt, aus Amerika, wie sollte man dann große Summen aus den ruinierten Ländern des Ostens erwarten? So erhob sich vor uns die Frage in ihrer ganzen Schärfe: Wie können wir die Mittel für das große Werk des Aufbaus erhalten, der unserer Zeit als Aufgabe auferlegt ist? Der erste Vorschlag lautete — durch eine Anleihe unter Garntie der britischen Regierung, die es übernommen hat, uns beim Aufbau von Erez Israel zu helfen. Herbert Samuel und Sir Alfred Mond erklärten uns aber, daß von der britischen Regierung keine Mittel zu erwarten sind, da während der Verhandlungen über das Mandat ausdrücklich verabredet wurde, daß uns kein Geld gegeben werden soll, da das jüdische Volk selbst die erforderlichen Summen beizustellen hat. Auch der zweite Vorschlag, der geäußert wurde, Aufnahme einer Anleihe beim jüdischen Volk, ohne jede Garantie der Mandatarmacht, hatte keine konkreten Grundlagen: Wir besaßen in Erez Israel keine unbeweglichen Güter, die als Sicherheit für eine Anleihe hätten dienen können. Schließlich blieb noch ein dritter Vorschlag, nämlich die Errichtung einer großen Kolonisationsbank, die Aktien herausgeben und unter allen Schichten des jüdischen Volkes verbreiten sollte. Aber auch diese Idee war undurchführbar. Denn eine Kolonisationsbank konnte in dem öden und verlassenen Land, das Erez Israel zu jener Zeit war, kein Tätigkeitsfeld finden. Bei der Kolonisation muß viele Jahre gewartet werden, bis die investierten Kapitalien amortisiert werden und selbst nur geringe Zinsen abwerfen können. Es bestand keine Aussicht, den Aktieninhabern in den nächsten Jahren Dividenden zu zahlen, und es ist unmöglich, Aktien, die keine Verzinsung bringen, in größerem Umfang zu verbreiten. Erst dann kam die Idee auf, die Gründung eines öffentlichen Fonds, eines Fonds des Volkes, zu proklamieren, zu dem jeder Jude, der die Erlösung seines Volkes und seines Landes ersehnt, seinen Beitrag beizusteuern hat. Es gab noch nie einen Fonds, der unter so vieler Mühsal, Auseinandersetzungen und so großer Gegnerschaft geschaffen wurde, wie der Keren Hajessod. Und auch dann, als schon in voller Öffentlichkeit auf der Londoner Konferenz die

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