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Das jüdische Echo · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 618

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 618 (sequence 6)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 44 Ht8 sagen, daß ich irregeführt wurde und unschuldigerweise selbst zum Werkzeug der Irreführung meiner Kollegen in der Jewish Agency geworden bin. Ich sagte meinen Kollegen, die Regierung würde Obligationen für die Zwecke der landwirtschaftlichen Entwicklung ausgeben. Jetzt erfahre ich, daß ein vorwiegend die Interessen der arabischen Bevölkerung berücksichtigendes Agrarprogramm durch Steuern finanziert werden soll, die naturgemäß zum größten Teil von den Juden Palästinas aufzubringen sein werden. Die jüdische Einwanderung soll weitestgehend eingeschränkt und der Landkauf so erschwert werden, daß Transaktionen selbst bei Bezahlung hoher Bodenpreise fast unmöglich erscheinen. Gerade diejenigen von uns, welche hinsichtlich des Aufbaus Palästinas einen gemäßigten Standpunkt eingenommen haben, empfinden heute bitterste Enttäuschung. Ich habe alle Welt aufgefordert, Vertrauen zur englischen Regierung zu haben. Ich habe mitgeholfen, die Jewish Agency zu schaffen. Ich habe in der Erwartung, daß andere meinem Beispiel folgen werden, über eine Million Dollar in Palästina investiert. Wir haben unser Bestes getan. Heute ist Dr. Weizmann der Jahre hindurch einen selbstlosen englischen Partiotismus an den Tag gelegt hat, körperlich und seelisch gebrochen und hat demissioniert. Zu meinem tiefem Bedauern muß ich den Vorsitz im Administrative Committee der Jewish Agency niederlegen. Ich habe den Erklärungen, die Lord Paßfield im Namen der englischen Regierung mir gegenüber gemacht hat, vertraut — das jüdische Volk ist dadurch irregeführt worden. Die Aufrechterhaltung jener Beziehungen zur englischen Regierung, die die Stellung eines Vorsitzenden des Administrative Committees bedingt, ist mir weiterhin unmöglich. Ich schlage die Einsetzung eines interimistischen Komittees zur Fortführung der Geschäfte der Jewish Agency vor. Unverändert bleibt meine Ergebenheit für die jüdische Sache und für Palästina. Ich werde weiterhin meine besten Kräfte dem Werke widmen, das unsere tiefsten Interessen berührt. In einem Zeitpunkt voll Hoffnung und Enthusiasmus haben sich Zionisten und Nichtzionisten gefunden, um Palästina aufzubauen. Sie werden noch inniger verbunden bleiben angesichts dieser traurigen Enttäuschung. Wir vertrauen darauf, daß der Sinn des englischen Volkes für Recht und Billigkeit und die verständnisvolle Einsicht der öffentlichen Meinung in allen Ländern es uns ermöglichen wird, die gegenwärtigen Hindernisse zu überwinden. Der deutsche Teil der Jewish Agency will mit verstärkter Energie für das Palästinawerk arbeiten Frankfurt a. M., 27. Oktober. (JTA.) Die in Frankfurt a. M. abgehaltene, glänzend besuchte ßezirkskonferenz der Jewish Agency für Deutschland, die unter dem Vorsitz von Justizrat Dr. Blau stattfand, hat nach Referaten von Direktor Oscar Wassermann und Dr. Friedemann einstimmig den Beschluß angenommen, ungeachtet der schweren Enttäuschung, die die jüngste Erklärung der englischen Regierung über ihre zukünftige Politik in Palästina den Palästinafreunden bereitet hat, das Palästinawerk mit vesrtärkter Energie fortzusetzen. Die Konferenz setzte einen Jewish-Agency-Arbeitsausschuß für Süd- und Westdeutschland ein, dessen Vorsitz Justizrat Dr. Blau, Präsident der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. und Mitglied des Conseil der JCA, innehat. Dieser Arbeitsausschuß erließ einen Appell an alle Freunde Palästinas, die Werbearbeit zu erhöhen und die Opferwilligkeit zu steigern. Die Konferenz sandte ein Telegramm an den Waad Leumi in Jerusalem, dem exekutiven Organ der Knesseth Jisrael, in welchem der Treue und der Opferwilligkeit gegenüber dem Judentum und der jüdischen Arbeit in Palästina Ausdruck gegeben wird. Die Rede Oscar Wassermanns Direktor Oscar Wassermann, dessen Referat über die gegenwärtige Lage der Palästina-Bewegung einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden gemacht hat, übte scharfe Kritik an dem neuen Palästina-Weißbuch der englischen Regierung und beklagte es insbesondere, daß diese Regierungserklärung erlassen wurde, ohne daß vorher ein Versuch gemacht worden war, eine Rücksprache zwischen Vertretern der Juden und der Araber, wie dies Dr. Weizmann vorgeschlagen hatte, herbeizuführen. Sir John Hope Simpson, der Palästinabevollmächtigte der englischen Regierung, besitze wohl bedeutende Qualitäten, aber sein Bericht zeige, daß ihm die Sonderprobleme Palästinas fremd geblieben sind. Als England seinerzeit die Pflicht, das Mandat in Palästina durchzuführen, übernommen hatte, war es sich der Schwierigkeiten der Durchführung der Mandatsziele im wesentlichen bewußt; die jetzige englische Regierung habe also kein Recht, sich unter Hinweis auf die bestehenden Schwierigkeiten ihrer Pflicht zu entziehen. Die Erklärung der englischen Regierung widerspreche auch den Beschlüssen der Mandatskommission. Oscar Wassermann schloß sein Referat mit dem Gelöbnis, daß die Juden weiter an dem Palästinawerk arbeiten werden, und er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß die heutige schwierige politische Konjunktur in nicht allzu langer Zeit überwunden werden wird. Jewish-Agency-Kundgebung in Stuttgart. — Verstärkung des Arbeitswillens in Deutschland Berlin, 23. Oktober. (JTA.) In einer ausgezeichnet besuchten Veranstaltung der Jewish Agency am 18. Oktober in Stuttgart sprachen Dr. Eduard Strauß (Frankfurt a. M.) und Dr. Adolf Friedemann (Amsterdam) über „Das deutsche Judentum und der Palästina-Aufbau“. Ihre Referate fanden stürmischen Beifall und bildeten den Auftakt für eine Werbeaktion zugunsten des Keren Hajessod, die zur Zeit noch durchgeführt wird. Uber den Fortgang der Arbeit erhielt das Zentralbüro des deutschen Keren Hajessod von dem Jewish-Agency-Komitee in Stuttgart einen Bericht, in welchem der folgende Passus für die psychologische Rückwirkung der neuen Situation auf die praktische Werbetätigkeit außerordentlich charakteristisch ist: „... .Bei unserer Werbetätigkeit ist besonders bemerkenswert, daß auf sie die englische Regierungserklärung über Palästina nicht nur nicht lähmend, sondern sogar anfeuernd und fördernd einwirkte. ... Es war sehr interessant, von verschiedenen Seiten zu hören, daß man sich durch die Regierungserklärung in keiner Weise in den Erwartungen mit Bezug auf den Palästina-Aufbau beirren läßt. Diese Tatsache ist psychologisch sehr wichtig und wird Sie sicher interessieren.“ Was nun? Zur britischen Regierungserklärung Die Empörung und Erregung, welche durch die britische Regierungserklärung zur Pal'ästinapolitik nicht nur bei Zionisten und Palästinafreund'en,

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