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Das jüdische Echo · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 617

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Das Jfidische Ecbo 617 mit den Arabern den britischen Imperialismus zu bekämpfen. Warburg begründet seine Demission N e u y o r k 24. Oktober. (J.T.A.) Anläßlich seines Rücktritts als Obmann des Administrative- Committee der Jewish Agency übergab Felix M. Warburg der Jüdischen Telegraphen-Ägentur nachstehende Erklärung zur Veröffentlichung: Durch das Palästina-Mandat wurde England zum Treuhänder eingesetzt für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, die von England selbst, wie aus der während des Krieges erlassenen Balfour- Deklaration hervorgeht, angestrebt wurde. Lord Paßfields Erklärung bedeutet einen grausamen und unfairen Verrat an der England übertragenen Aufgabe. Wir Amerikaner haben England bei der Erfüllung dieser Aufgabe stets nach Kräften unterstützt. Das Palästina-Mandat sieht eine Jewish- Agency als öffentliche Körperschaft für Beratung und Mitarbeit mit der Palästinaregierung in jenen wirtschaftlichen sozialen und sonstigen Fragen vor, die auf die Errichtung des Jüdischen Nationalheims Bezug haben. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat die Mandatarmacht ausdrücklich davor gewarnt, „die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in ihrem jetzigen Stadium erstarren zu lassen“. Das Palästina-Mandat hat an die Zionistische Organisation die Forderung gestellt, sich die Mitarbeit aller jener Juden, die zum Aufbau des Jüdischen Nationalheims beitragen wollen, zu sichern. Nach eifrigen Bemühungen und dank der Führerschaft des verstorbenen Louis Marshall sind Nichtzionisten aller Länder in die im Vorjahr geschaffene erweiterte Jewish Agency eingetreten. Auf Grund unseres Vertrauens zur englischen Regierung haben wir Millionen von Pfund ins Land gebracht und ein gewaltiges Maß von Arbeit für Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse, Aufbau jüdischer Kolonien, Förderung von Landwirtschaft, Industrie und des Erziehungswesens,, das von der Hebräischen Universität gekrönt wird, geleistet. Ausrottung der Malaria, Verbesserung der Lebensverhältnisse, Straßenbau, wissenschaftlich betriebene Landwirtschaft, Entwässerung und Aufforstung, industrielle Entwicklung durch Werkstätten und kleine Fabriken, Ausbau der Elektrizitätskräfte und Verwertung der Naturschätze des Toten Meeres — alle diese Errungenschaften sind zur: Gänze den durch jüdischen* Enthusiasmus aufgebrachten Summen oder den vorwiegend von den Juden Palästinas entrichteten Steuern zu verdanken. Der Fortschritt im Lande ist in hohem Maße der arabischen Bevölkerung zugute gekommen und wir freuen uns darüber, denn es ist uns klar, daß ein Land nicht gedeihen kann, wenn es in ihm nur einem Teil der Bevölkerung wohlergeht. Tatsächlich hat sich der Lebensstandard der Araber: seit dem Beginn des jüdischen Aufbauwerks wesentlich gehoben. Zu den gesamten Kosten der Kolonisation, Bodenverbesserung, Aufforstung und Bewässerung hat der englische Steuerzahler keinen Penny beitragen müssen. England hat das Land bloß als Mandatsterritorium verwaltet. Den bisherigen High Commissioners kann Begünstigung der Juden nicht zum Vorwurf gemacht werden. Sie haben alle verfügbaren Staatsländereien den Arabern gegeben-, den Juden aber nicht einen einzigen Dunam. Sogar die Fürsorge für die unschuldigen Opfer der Unruhen im August 1929 wurde fast ausschließlich der jüdischen Wohltätigkeit überlassen. Die Regierung hat für dieses Hilfswerk einen jämmerlich geringfügigen Beitrag geleistet. Der englische Ministerpräsident hat von der Tribüne des Völkerbundes aus vor aller Welt erklärt, England würde sich durch Mord und Gewalttat nicht von der Erfüllung seiner Verpflichtungen in Palästina abschrecken lassen. Zur Untersuchung der Ursachen der Unruhen wurde die Shaw-Kommission nach Palästina entsandt. Diese Kommission hat einen Bericht erstattet, der vom englischen Ministerpräsidenten im Verlauf einer mit mir geführten Unterredung und von der Mandatskommission des Völkerbundes einer scharfen Kritik unterzogen worden ist, da er Vorschläge enthält, die eine Überschreitung der Befugnisse der Kommission bedeuten und auf Grund unzureichender Untersuchungen unter Vernachlässigung der im englischen und amerikanischen Gerichtsverfahren üblichen Methoden zur Klarstellung des richtigen Sachverhalts erstattet worden sind. Eine neuerliche Untersuchung des palästinensischen Boden- und Wirtschaftsproblems durch den ehemaligen indischen Verwaltungsbeamten Sir John Hope Simpson sollte das Gefühl der Enttäuschung über den Shaw-Bericht mildern. Obwohl wir uns dessen bewußt waren, daß die Betrauung eines Einzelnen mit einer verantwortlichen Untersuchung, von der die künftige Entwicklung des Jüdischen Nationalheims abhängig gemacht werden sollte, eine Gefahr bedeutete, haben wir von der Entsendung Sir John Hoppe Simpsons, den der Ministerpräsident mir gegenüber als einen für diese Aufgabe besonders geeigneten Mann hingestellt hatte,, das Beste erwartet. Es fehlte auch nicht an Protesten und Kundgebungen der Ungeduld und Enttäuschung angesichts der Untätigkeit und des Zögerns des Kolonialamtes. Doch wurde uns auch während dieser Zeit wiederholt versichert, daß die Regierung das Mandat vollinhaltlich auszuführen beabsichtige. Infolge der Suspendierung bereits erteilter Einwanderungsbewilligungen erhielt unser Vertrauen zur Regierung neuerlich einen Stoß, wurde aber durch abermalige Versicherungen der englischen Regierung wiederhergestellt, die mir in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency gegeben wurden. Laut Mandatsbestimmung, und wie die englische Regierung auch im Wege ihrer amerikanischen Vertretung bestätigt hat, ist die Jewish Agency die verantwortliche und bevollmächtigte Repräsentanz des Judentums bei Unterhandlungen mit der Mandatarmacht und hat die Aufgabe, gemeinsam mit der Palästinaregierung an der Entwich lung des Landes mitzuarbeiten. Dessenungeachtet wurde sie stets geflissentlich übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Es. wurde ihr sogar die Einsichtnahme in den Simpson-Bericht und die Regierungserklärung, in der eine völlige. Änderung der bisherigen Palästinapolitik angekündigt wird, vor erfolgter Veröffentlichung verweigert. Der Inhalt der Regierungserklärung steht in krassem Widerspruch zu den Versicherungen, die Lord Paßfield mir am 22. August in einer zweistündigen Unterredung gegeben hat, zu* der ich auf seine persönliche Einladung nach London gekommen war. Er ermächtigte mich damals in seinem Namen vor dem Administrative Committee 'der 'Jewish Agency, das einige Tage später ‘ in Berlin tagte, gewisse Erklärungen abzugeben. Zu meinem Bedauern sehe ich mich auf Grund der von Lord Paßfield jetzt veröffentlichten Dokumente genötigt, zu

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