Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 616

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 616 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9241528--11257-9223315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

616 Das Jüdische Echo Nr. 44 terhin zugelassen werden, wenn sie die Billigung der von Simpson empfohlenen Landentwicklungskommission finden. Sie John Hope Simpson gibt die Bodenreserve des Jüdischen Nationalfonds mit 155 500 Dunam an. Ein großer Teil dieses Bodens ist noch nicht voll bezahlt, auf einzelne Ländereien besitzen wir erst eine Option. Die Bezahlung dieser Ländereien und deren Amelioration erfordern große Geldsummen. Die Regierungserklärung gibt weder offen noch verhüllt eine Absicht zu erkennen, diese Transaktionen zu verhindern, welche, was immer geschehen mag, der nächste Schritt in unserer künftigen Arbeit sein werden. Eine gemeinsame Proklamation des Waad Leumi und der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Jerusalem: 23. Oktober. (JTA.) Der Waad Leumi und die Exekutive der Jewish Agency in Palästina haben gemeinsam die nachstehende Proklamation erlassen: Die Deklaration der Mandatsregierung ist eine Verletzung des historischen Gelübdes, welches das englische Volk gegenüber den Juden abgelegt hat. Das Statement entbehrt eines konstruktiven Charakters und verleugnet das feierliche Versprechen, das nicht nur dem palästinensischen Jischuw, sondern dem gesamten jüdischen Volk gegeben wurde. Ein Nationalheim ohne Einwanderung und Boden ist ein grausamer Scherz und eine politische Heuchelei. Der Jischuw verwirft die Regierungserklärung und hegt die Hoffnung, daß es nicht der Wille des englischen Volkes ist, den die Regierung in diesem Falle zum Ausdruck gebracht hat. Das Recht des jüdischen Volkes zum Aufbau des jüdischen Nationalheims ist vom Völkerbund und dei> Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt und von allen englischen Regierungen seit der Balfour-Deklaration bekräftigt worden. Die konstruktiven Leistungen der Juden rechtfertigen diesen Anspruch, der stärker ist als irgendeine Macht, die von irgendeiner Regierung mißbraucht wird. Der Jischuw wird an keiner parlamentarischen Institution teilnehmen, die darauf abzielt, die Errichtung des jüdischen Nationalheims zu hemmen. Wohlfart und Entwicklung der arabischen Bevölkerung hängen von der jüdischen Einwanderung und Kolonisation in höherem Maße ab als von allen Maßnahmen der englischen Palästinaverwaltung. Wir erblicken in der Zusammenarbeit mit unseren arabischen Nachbarn die hoffnungsvollste Gewähr für dauernde Wohlfahrt und Frieden im Lande. M ir appellieren an das englische Volk und die ganze zivilisierte Welt, unsere Rechte zu verteidigen, und fordern das jüdische Volk in allen Ländern auf, standhaft zu bleiben. Eine Erklärung der Zionisten Englands London, 24. Oktober. (JTA.) Der Executive Council der English Zionist Federation hat am 21. Oktober nach einem Bericht Dr. Weizmanns über das neue Weißbuch folgende Resolution gefaßt: Der Executive Council der English Zionist Federation stellt mit Bestürzung und tiefem Bedauern fest, daß die Mandatarmacht nunmehr endgültig Steilung genommen hat gegen die weitere Entwicklung des jüdischen Volkes in seinem Nationalhejm, dessen Errichtung die zivilisierte Welt durch den Völkerbund gebilligt und der Regierung dieses Landes anvertraut hat. Der Council, der die Zionisten Großbritanniens und Irlands repräsentiert, bedauert es vom englischen wie vom jüdischen Standpunkt, daß die Regierung dieses Landes nicht nur bei der Erfüllung des dem jüdischen Volk in den historischen Tagen, der Balfour-Deklaration gegebenen feierlichen Versprechens versagt hat, sondern daß sie es nunmehr auch für richtig befunden hat, vor der ganzen Welt zu erklären, daß sie nicht gewillt ist, dieses ihr Versprechen zu verwirklichen. Im besonderen protestiert der Council gegen den Versuch, einen Gegensatz zwischen den Interessen der Juden und denen der arabischen Bevölkerung zu konstruieren. Angesichts der Tatsache, daß Dr. Weizmanns Politik enger und loyaler Cooperation mit den britischen Behörden in London und Jerusalem zu Resultaten geführt hat, die für die künftige Entwicklung des Nationalheims so verhängnisvoll sind, billigt sie uneingeschränkt den Protest Dr. Weizmanns gegen die Handlungsweise der Mandatarmacht, einen Protest, der in seiner Demission als Präsident der zionistischen Organisation und der Jewish Agency zum Ausdruck kommt. Der Council fordert die Exekutive der Jewish Agency auf, Maßnahmen zu treffen, durch die die Interessen des Jüdischen Nationalheims in vollem Umfange gewahrt werden, und verlangt die baldmöglichste Einberufung eines außerordentlichen Kongresses der zionistischen Organisation und einer außerordentlichen Tagung der Jewish Agency, damit die gewählten Vertreter des jüdischen Volkes Gelegenheit haben, zu der gegebenen bedrohlichen Situation und ihren voraussichtlichen Auswirkungen auf das jüdische Schicksal in der Zukunft pflichtgemäß Stellung zu nehmen. Die Arbeit wird fortgeführt! Eine Erklärung Warburgs auf einer Neuyorker Konferenz von Führern der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Neuyork, 23. Oktober. (JTA.) Unmittelbar nach Bekanntwerden des Inhalts der Regierungserklärung über Palästina versammelten sich am 21. Oktober die zionistischen und nichtzionistischen Führer der Jewish Agency zu einer Beratung, die einen vollen Tag in Anspruch nahm. Den Vorsitz führten abwechselnd Robert Szold und Cyrus Adler. Gegen Mittag erschien Felix Warburg und gab seinen Entschluß bekannt, von der Leitung des Administrative Committee zurückzutreten. Gleichzeitig erklärte Warburg, sich auch weiterhin an der Arbeit, die fortgeführt werden müsse, beteiligen zu wollen. Ungeachtet Steines schwer leidenden Zustandes nahm Rabbi Stephen Wise an der Konferenz teil. Er gab der Vermutung Ausdruck, daß der Simpson- Bericht vom Kolonialamt bearbeitet und ungünstig verändert worden sei. Die britische Regierungserklärung bezeichnete Dr. Wise als zynisch und finster. Ein ehrlicher offener Bruch, sagte er, wäre schlimm genug gewesen, aber dieser Bruch hat nicht einmal den Vorzug der Aufrichtigkeit. Die englische Regierungserklärung sei Blut auf Englands Wappenschild. In heftigen Worten verurteilten auch James Marshall, ein Sohn des verstorbenen Louis Marshall, Robert Szold und andere führende jüdische Persönlichkeiten die britische Regierungserklärung. Auf dem Protestmeeting, das anstelle des abgesagten Empfanges für Harry Snell stattfand, riet Rev. Dr. John Haynes Holmes, Prediger an der Commumity Church in Neuyork, der als Vertreter von Nathan Straus das Straus-Gesundheitszentrum in Palästina eröffnet hat, den Juden, gemeinsam

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.