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Das jüdische Echo · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 615

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 44 31. Oktober 17. Jahrgang Jüdischer Protest in aller Welt Welzmanns Hufruf In ernster Stunde! Die Erklärung der Britischen Regierung über die zukünftige Palästina-Politik hat mich veranlaßt, der Mandats-Regierung mitzuteilen, daß ich von meinem Amt als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zurücktrete. Wenn ich diesen Schritt getan habe, nachdem es mir über ein Jahrzehnt vergönnt war, die politischen Geschicke der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zu leiten, so ist darin bereits meine Beurteilung der Regierungs-Erklärung zum Ausdruck gebracht: mein entschiedener Protest gegen eine einseitige und ungerechte Kritik unseres Werkes und meine Zurückweisung einer Politik, die mit dem feierlichen Versprechen der englischen Nation und dem Inhalt des Mandats im Widerspruch steht. Es wird keine Zeit versäumt werden, um den berufenen Organen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Gelegenheit zu bieten, im Namen des jüdischen Volkes Antwort auf dieses Dokument zu geben, die sie in Ernst und Würde zu geben wissen werden. In dieser Stunde, da ich von der Leitung der Bewegung zurücktrete, fühle ich mich gedrängt, ein Wort zu richten an das jüdische Volk, an die Ungezählten, die in unwandelbarer Treue zu Zion stehen: Gewiß, eine Zeit ernster Prüfung steht uns bevor, eine Zeit des Kampfes mit neuen Widerständen und Schwierigkeiten. Aber sie treffen ein Volk, das widrige Geschicke kennt, das bereit und fähig ist, sie zu besiegen, nud das gelernt hat, sich auf sich selbst zu verlassen. Der Aufbau des Jüdischen Nationalheims — ist er denn etwas anderes als eine neue Phase jenes unvergleichlichen, Jahrtausende alten Kampfes, den das jüdische Volk ohne Zahl, für seine Zukunft, seine Unvergänglichkeit geführt hat? Und wenn wir auf unser Werk in Palästina blicken, ist es nicht unser Stolz, daß wir es waren, die aus eigener Kraft eine Landwirtschaft, aus eigenem Fleiß eine Industrie schufen und aus eigenem Geist eine Universität? An diese schöpferische Kraft des Volkes, an sein Vertrauen zu sich selbst und zu seiner großen geschichtlichen Bestimmung appelliere ich in diesem Augenblick als einer, der aus tiefster Seele an sie glaubt. Ich wende mich zuerst an den Jischuw: Steht fest in erprobter Willensstärke und führet den Bau fort! Unbeirrt und zukunftssicher geht unser Werk weiter! Den. Freunden Zions in allen Ländern aber rufe ich zu: Schließt Euch zusammen! Legt Zeugnis ab für Eure Treue zum jüdischnationalen Heim — in Wort und Tat, durch verstärkte Anstrengung, durch vervielfachte Leistung! Laßt uns der Welt zeigen, was uns Erez-Israel bedeutet und daß wir unerschütterlich zu ihm stehen in Liebe und Hingebung. London, 21. Oktober 1930. Chaim Weizmann Ein Appell Weizmanns an die Mitarbeiter des Keren Kajemeth London, 24. Oktober. (JTA.) In einem Aufruf an die Mitarbeiter des Jüdischen Nationalfonds führt Dr. Chaim Weizmann u. a. aus: Ich bin überzeugt, daß die Logik der Tatsachen für uns sprechen wird, wenn wir vorbereitet sein werden, alle sich bietenden Gelegenheiten, Boden in Palästina zu erwerben, auszunützen. Ich fordere euch auf, der Welt zu zeigen, daß das jüdische Volk bei dem Aufbau seines Nationalheims von dem gleichen Mute beseelt ist, wie andere Völker, wo es gilt, Hindernisse auf ihrem Wege zu überwinden. Damit, daß ihr den Jüdischen Naitonalfonds stärkt, werdet ihr eure Überzeugung von der Gerechtigkeit unserer Sache dartun, denn unsere Sache ist gerecht und wird darum siegen. Die Regierungserklärung ist ein unglückliches Dokument. Weniger wegen ihres Wortlauts im einzelnen als wegen ihres Gesamteindrucks. Ihr Geist im ganzen widerspricht den Traditionen Englands, und daher glaube ich, daß sie früher oder später im Sinne dieser Tradition revidiert werden wird. Die beiden wesentlichen Voraussetzungen für das Jüdische Nationalheim sind Boden und Einwanderung. Der Landkauf wird auch durch die Regierungserklärung nicht vollkommen unmöglich gemacht. Bodentransaktionen werden auch wei-

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