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Das jüdische Echo · 1930-10-24 · 43 (24.10.1930) · p. Seite 607

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
43 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
Seite 607 (sequence 13)
Language
German
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Nr 43 Das Jüdische Echo 007 Aus der jüdischen Well Der Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland für inneren Frieden im deutschen Judentum Berlin, 17. Oktober. (JTA.) Der Vorstand des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes in Deutschland erläßt die folgende Kundgebung: Die jüngsten politischen Geschehnisse machen mehr als je den inneren Frieden im deutschen Judentum notwendig. Die schwere wirtschaftliche Notlage verbietet es zudem, Mittel für Wahlkämpfe zu verausgaben anstatt zu neuem Aufbau. Daher richten wir an alle Juden in Deutschland die dringliche Aufforderung, bei den bevorstehenden Wahlen zu den Landesverbänden und den Gemeindevertretungen Wahlkämpfe zu vermeiden, Zwiespalt nicht zu verschärfen und nach Möglichkeit den Kampf durch ein Wahlkompromiß auszuschalten. Statistik der Kirchenaustritte in Berlin Berlin, 17, Oktober. (JTA.) Auf Grund der bei den Berliner Amtsgerichten abgegebenen Erklärungen vollzogen im Laufe des Jahres 1929 in der Reichshauptstadt 57 640 Personen ihren Austritt aus der Kirche. Davon entfallen. auf die evangelische Kirche 50 491 Personen (28 997 Männer, 21 493 Frauen), auf die römisch-katholische Kirche 6570 (3823 Männer, 2746 Frauen), auf die Jüdische Gemeinde 579 (378 Männer, 201 Frauen), auf die sonstigen Religionsgemeinschaften eine Person. Frau Martha Weltsch gestorben Berlin, 20. Oktober. (JTA.) In der Nacht vom 17. zum 18. Oktober ist Frau Martha Weltsch, geb. Epstein, die Gattin des zionistischen Schriftstellers und Chefredakteurs der „Jüdischen Rundschau“ Dr. Robert Weltsch, nach langem schweren Leiden in Berlin im Alter von 37 Jahren verstorben. Die so früh Verstorbene, eine edle Erscheinung, an allem Geistigen in der Welt zu tiefst interessiert, hat sich auch in der zionistischen Frauenbewegung bewährt. Die Nationalratswahlen in Österreich im Zeichen des Antisemitismus. Der österreichische Justizminister erklärt sich mit den Hitlerleuten solidarisch Wien, 20. Oktober. (JTA.) Justizminister Dr. M. Hueber, einer der beiden Vertreter der Heimwehr im neuen österreichischen Kabinett, hat sich in einer Rede, die er in einer Klagenfurter Versammlung gehalten hat, mit den deutschen Nationalsozialisten solidarisch erklärt. Die Heimwehr habe dieselben Auffassungen und Ziele wie die deutschen Nationalsozialisten, sagte Minister Hueber. Daß zwischen Heimwehr und den österreichischen Nationalsozialisten kein Wahlabkommen zustandegekommen ist, sei nicht auf Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Aufnahme rassenantisemitischer Losungen in das Wahlprogramm zurückzuführen. Nach einer Meldung der „Arbeiterzeitung“-hat Minister Dr. Hueber ähnliche Erklärungen auch in einer Versammlung in Wien abgegeben, wobei er die Schuld für alles Elend im Lande den eingewanderten galizischen und demokratisch gesinnten westeuropäischen Juden zuschob. „Uns Heimwehrleute“, habe Dr. Hueber gesagt, „trennen von Hitler bloß taktische Fragen, nicht aber unsere Auffassung des Judenproblems. Möge es Jedermann wissen, daß wir uns in Bezug auf die Judenfrage^eng an das nationalsozialistische Programm anlehnen, da wir der Meinung sind, daß die Juden die gesellschaftliche Atmosphäre in Österreich vergiften.“ Zum Zeichen des Protestes gegen den neuerdings aufgenommenen scharf antisemitischen Kurs des Heimatblocks ist eine Reihe von jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten, darunter einige Mitlieder der alten Aristokratie, aus dem Heimatblock ausgetreten. Die Christlichsoziale Partei gibt ihr antisemitisches Programm auf Dagegen hat die unter Führung des Bundeskanzlers Dr. Carl Vaugoin und des Außenministers Prälat Dr. Seipel stehende Christlichsoziale Partei ihr antisemitisches Programm, welches sie seit ihrer Gründung durch den antisemitischen Bürgermeister von Wien Dr. Carl Lueger stets verkündet hatte, fallen gelassen. Sie erklärt nunmehr, die Interessen aller Bürger des Staates schützen zu wollen. Aufruf des Wahlkomitees für die „Jüdische Liste“ (Stricker) Wien, 17. Oktober. (JTA.) Das Wahlkomitee für die „Jüdische Liste“ (Listenführer Robert Stricker) veröffentlicht einen Aufruf in welchem es u. a. heißt: „Aus der Erkenntnis heraus, daß das in seiner Sicherheit und Ehre bedrohte Judentum Österreichs nicht stumm bleiben darf und die Möglichkeit haben muß, vor dem österreichischen Volke und vor der ganzen Welt seine Stimme zu erheben, die unverfälschte jüdische Stimme, hat sich eine Vereinigung jüdischer Männer und Frauen dazu entschlossen, mit einer jüdischen Liste in den Wahlkampf einzutreten. Keine der bisher im Parlamente vertretenen und keine der jetzt wahlwerbenden Parteien will und kann Vertreterin bedrohter jüdischer Interessen, „Judenschutztruppe“, sein. Jüdische Vertreter müssen auf dem Platze sein. Nicht auf ihre Zahl kommt es an, sondern auf ihre Ergebenheit im Dienste der jüdischen Sache, auf die Eindringlichkeit ihrer Sprache, auf die Würde ihrer Haltung.“ Einstellung der Tätigkeit des Warschauer Emigrationsbüros Warschau, 20. Oktober. (JTA.) Das Warschauer Emigrationsbüro, welches viele Jahre hindurch auf dem Gebiet der jüdischen Auswanderung eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat, ist infolge plötzlicher Einstellung der Subvention seitens der amerikanischen HIAS nicht in der Lage, seine Arbeit fortzusetzen. Hunderte jüdische Arbeiter, welche nach Westeuropa und Südamerika auszuwandern beabsichtigen, sind nunmel1 den Machinationen gewissenloser Agenten und Schwindler ausgeliefert. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat der Landesrat der jüdischen Handwerkervereine Polens beschlossen, gegen das Vorgehen des amerikanischen Hias energisch Protest einzulegen. Raubmord an einer jüdischen Familie in Sambor Lemberg, 16. Oktober. (JTA.) Der jüdische Schenker Isaak Mates, seine Frau Sarah, seine Tochter Rebekka, und ein Dienstmädchen sind einem Raubmorde zum Opfer gefallen. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. „Revision des Todesurteils gegen jüdische Kommunisten Lemberg, 16. Oktober. (JTA.) Das gegen drei junge jüdische Kommunisten vor wenigen

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