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Das jüdische Echo · 1930-10-24 · 43 (24.10.1930) · p. Seite 603

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
43 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
Seite 603 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 603 so sucht man jetzt die Befriedigung seines persönlichen Geltungsbedürfnisses innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und hat die Bedeutung der gegenseitigen jüdischen Hilfe (interterritoriale jüdische Hilfsaktionen, neue soziale Aufgaben der Gemeinden usw.) zu würdigen gelernt. Diese Entwicklung zur Solidarisierung der gesamten Judenheit macht auch in den Kreisen nicht halt, von denen sie aus einem hartnäckigen und irrigen Festhalten an einer überwundenen Periode, an der „guten alten Zeit“ heftig bekämpft wird; so wenn der Centralverein sich die Einmischung nichtdeutscher Juden in Angelegenheiten der deutschen Juden verbittet oder wenn — als grotesker Höhepunkt — die „nationaldeutschen Juden“ unentwegt am Anspruch ihrer restlosen Gleichartigkeit festhalten und sich zur Propagierung und Durchsetzung dieser Idee in einem jüdischen Verband zusammenschließen). Die tatsächliche Entwicklung hat dem Zionismus recht gegeben: Die Assimilation als Idee hat Schiffbruch gelitten; weder die liberal-individualistische noch die sozialistische und kommunistische (Sowjetrußland!) Assimilation kann eine Lösung der Judenfrage bringen; sie ist aus einer subjektiven zu einer objektiven, zu einer Frage des g e s a m t jüdischen Schicksals geworden. An diesem Punkte der Entwicklung setzt die große Aufgabe des zionistischen Gedankens ein. Er nimmt von den Juden das drückende Bewußtsein des Eingezwängtseins in ein neues, unfreiwilliges Ghetto. Er gibt ihnen Klarheit über ihre wirkliche Stellung in einer neuen Welt und über den Sinn ihres Judeseins. Er befreit sie von dem Gedanken der unabsehbaren Auswegslosigkeit aus der jüdischen Not, die durch solidarische Selbsthilfe nur unwesentlich und vorübergehend gemildert werden kann. Er gibt ihnen Mut und Kraft für die Aufgabe der Selbstbehauptung, indem er ihnen ein Ziel vor Augen stellt, das diese Aufgabe zu einer lohnenden, freiwillig und freudig erfüllten Pflicht macht. Was in kurzer Zeit in Palästina entstanden ist, das ist schon jetzt geeignet, den Juden der ganzen Welt Vorbild für ein jüdisches Leben in Würde und innerer Freiheit zu sein. Der Anblick dieses Lebens einer normal geschichteten jüdischen Volksgemeinschaft und die Aufgabe, an ihrem Aufbau mitzuarbeiten, kann den Juden der Welt Mut und Ausdauer verleihen, diese harte Zeit zu überdauern. Die hier notwendig in knapper Form wiedergegebenen Ausführungen Blumenfelds haben sicher bei allen Zuhörern das Verständnis für die gegenwärtige Lage der Juden und ihre Zukunftsmöglichkeiten vertieft. Dem Redner dankte begeisterter Beifall und der Wunsch des Vorsitzenden, ihn bald wieder bei uns zu begrüßen. Richard Eisen. Beschlüsse des Landesvorstandes der Z.V. f. D. Berlin, 16. Oktober. (JTA.) Der Landesvorstand der Z. V. f. D. trat am Sonntag, dem 12. Oktober, in Berlin zu einer Sitzung mit folgender Tagesordnung zusammen: 1. Die Situation nach den Reichstagswahlen, Wahlen zum Preußischen Landesverband, unsere Beziehungen zu den nichtzionistischen Organisationen. Referenten: R.-A. Max Jacobsohn (Breslau), Alfred Berger (Berlin), Dr. Harry Epstein (Duisburg). 2. Maasser-Ordnung, Referent: Dr. Rosenblüth. 3. Die Versicherungsaktibn des Keren Kajemeth, Referent: Dr. Wöllstein. 4. Die Winterarbeit der Z. V. f’D., Referent: Kurt Blumenfeld. Über den Verlauf der Sitzung und die gefaßten Beschlüsse geht der JTA. das folgende Communiquee zu: Die Sitzung war stark besucht; fast alle Mitglieder des Landesvorstandes und zahlreiche Vertreter von Ortsgruppen aus dem Reich nahmen an ihr teil. Sie war von größter Bedeutung für den Fortgang unserer Arbeit; es herrschte Einmütigkeit, Entschlossenheit und der feste Wille, eine Propaganda größten Stils zu entfalten. Die innerzionistische politische Diskussion soll gegenüber der großen grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem deutschen Judentum in den Hintergrund treten. Folgende Beschlüsse werden veröffentlicht: 1. 1. Unsere Antwort auf die gegenwärtige Situation der Juden in Deutschland ist das Bekenntnis und der Aufruf zum Zionismus. Der bisher übliche Abwehrkampf hat sich abermals als nutzlos erwiesen. Die deutsche Judenheit ist über ihre wahre Situation aufzuklären. Sie kann nur durch tätige Selbsthilfe ihr Schicksal gestalten und muß erkennen, daß ihre Zukunft mit der der Weltjudenheit eng verknüpft ist. 2. An die Gemeinden und Gemeindeverbände stellen wir folgende Forderungen: Gemeinde und Gemeindeverbände haben die Rechte der in Deutschland lebenden Juden zu schützen und die gesamtjüdischen Interessen gegenüber den Organen der Gesetzgebung und Verwaltung wahrzunehmen, sie haben den Wirtschaftsantisemitismus zu bekämpfen und demgemäß die sozialpolitische Arbeit in allen ihren Formen auszubauen und die jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern. Als wirksamste Gesamtvertretung aller in Deutschland lebenden Juden ist der Reichsverband der deutschen Juden auf demokratischer Grundlage schleunigst ins Leben zu rufen. II. Der Landesvorstand beauftragt die Gemeindekommission, baldigst eine Konferenz der zionistischen Gemeindevertreter aus dem ganzen Reiche nach Berlin einzuberufen. Diese Konferenz soll zur Aufgabe haben, nach Anhören von Referaten über unsere Aufgaben auf dem sozialwirtschaftlichen, kulturellen und organisatorischen Gebiet neue Anweisungen für unsere praktische Gemeindearbeit zu geben. III. Der Landesvorstand der Z. V. f. D. anerkennt die Arbeit des Makkabiweltverbandes als wichtigstes Mittel zur Gewinnung und Zionisierung der jüdischen Jugend und empfiehlt die tatkräftige Unterstützung dieser Arbeit durch alle Teile der Zionistischen Organisation. Besondere Aufmerksamkeit soll der Vorbereitung und Durchführung der Makkabiah 1932 — der ersten Jüdischen Olympiade — in Erez Israel gewidmet werden. * Am Sonntag, 19. Oktober, fand in München eine Vorstandssitzung des Zionistischen Gruppenverbandes statt, die sich den Resolutionen des Landesvorstandes, besonders auch hinsichtlich des Reichsverbandes der deutschen Juden vollinhaltlich anschloß. Die nationalsozialistischen Exzesse in der Leipziger Straße Wohlorganisierte Aktion Belohnung von 5000 Mark für Ermittelung weiterer Täter Berlin, 20. Oktober. (JTA.) Der Polizeipräsident teilt mit: Die polizeilichen Ermittlungen über die Ausschreitungen, die am Montag, dem

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