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Das jüdische Echo · 1930-10-24 · 43 (24.10.1930) · p. Seite 601

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
43 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
Seite 601 (sequence 5)
Language
German
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Das Jüdische Echo 601 Nr. 43 des jüdischen Nationalheims unrätlich sei. Dasselbe Blatt bemüht sich aber auf der anderen Seite, sich in die Lage der Araber hineinzudenken, und äußert Befriedigung darüber, daß dieser Teil der palästinensischen Bevölkerung nun größere Entwicklungsmöglichkeiten erhalte, besom ders durch die gesetzgebende Versammlung und dieübrigen Selbstverwaltungselemente, die übrigens von den gleichen Arabern als nicht weitgehend genug zurückgewiesen worden waren, während die Zionisten sie damals nicht so annehmbar fanden wie heute. Einen gefährlichen Standpunkt nimmt die „Morning Post“ ein, wenn sie den Inhalt des Mandatsauftrags selbst, der auf Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina laute, als gefährlich, unbefriedigend und unausführbar kritisiert. Denn Dr. Weizmann wirft den Engländern ja gerade vor, daß sie nicht nur die Balfour-Erklärung und sonstige frühere Regierungsäußerungen verletzen, sondern vor allem auch den Mandatsauftrag, ein Vorwurf, gegen den sich die englische Regierung schon im voraus dadurch verteidigt hat, daß sie erklärte, die Entwicklung der jüdischen Heimstätte dürfe im Sinne des Mandatsgedankens unter keinen Umständen auf Kosten der arabischen Bevölkerung erfolgen. Die Konservativen gegen Macdonalds Palästinapolitik London, 23. Oktober. Die „Times“ veröffentlicht heute einen Bericht der früheren Kabinettsmitglieder Baldwin, Sir Austen Chamberlain und Amery, der sich in vielen Punkten zum Standpunkt der Regierung in Widerspruch setzt. Der Brief der Konservativen bringt zum Ausdruck, düß das Mandat eine Doppelverpflichtung im Verhältnis zu den Arabern, wie zu den Juden enthalte, daß die Regierung jetzt aber diesen Standpunkt aufgegeben habe. Der Brief der Konservativen gelangt zu dem Schluß, daß der völlig negative Charakter der heutigen Politik nicht nur mit der Auffassung des Völkerbundsrats, sondern auch mit dem Geiste der Balfourdeklaration im Widerspruch stehe. Es sei nur zu verständlich, daß das Weißbuch beim amerikanischen Judentum und bei anderen ein Gefühl des Mißtrauens in die britische Vertragstreue schaffen würde. (Nach Schluß der Redaktion eingegangen.) Die amerikanischen Juden gegen die neue Palästina-Politik Washington, 21. Oktober. (United Preß.) Das ständige Organ der amerikanischen Juden, der „Jüdische Rat“, veröffentlicht eine Erklärung, in der er in scharfer Form gegen die beiden gestern veröffentlichten englischen Palästinadokumente wendet. Der „Rat“ erklälrt, es liege darin eine Verleugnung der Balfour-Erklärung und ein schwerer Bruch der Mandatsverpflichtungen Englands. Felix M. Warburgs Protest Er legt den Vorsitz im Administrative Committee der Jewish Agency nieder N e u y o r k , 22. Oktober. (JTA.) Herr Felix M, Warburg, Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency, hat zum Proteste gegen die neue Palästina-Deklaration der britischen Regierung den Vorsitz im Administrative Committee niedergelegt und diesen Schritt in einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegebenen Erklärung wie folgt begründet: Die Deklaration der britischen Regierung über ihre neue Politik in Palästina bedeutet einen grausam wirkenden Verrat des Vertrauens, das ihr vom jüdischen Volk entgegengebracht wurde. Der britische Kolonienminister, Lord Paßfield, habe ihm, Warburg, gegenüber eine Erklärung abgegeben, die sich nun als falsch erwies und durch welche das jüdische Volk irregeführt wurde. Dadurch sei es ihm, Warburg, unmöglich geworden, als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency auch weiterhin Beziehungen zu der englischen Regierung aufrecht zu erhalten. Protest in Warschau Warschau, 22. Oktober. Die Veröffentlichung des neuen englischen Arbeitsprogramms für Palästina, das die zionistische Einwanderung bedeutend erschwert, hat unter den Zionisten Polens starke Erregung hervorgerufen. Die polnischen Zionisten stellten ein bedeutendes Kontingent der bisherigen Einwanderung nach Palästina. Gestern aber kam es sogar zu Demonstrationen vor der englischen Botschaft in Warschau, wobei einige Scheiben eingeschlagen wurden. -Die zionistische Presse erklärt, daß nunmehr eine entschiedene Änderung der bisherigen England-Politik unbedingt vorgenommen werden müsse. Alle Brücken seien abgebrochen und ein schwerer und rücksichtsloser Kampf müsse beginnen. Die Hoffnung aller Zionisten der Welt sei auf Amerika gerichtet, das dem englischen Protektorat über Palästina seinerzeit nur unter dem Vorbehalt der Wahrung der zionistischen Interessen zugestimmt habe. * Die englische Regierungserklärung über die in Palästina zu befolgende Politik, die in diesem Stadium der Ereignisse sachlich allerdings noch nicht in allen Einzelheiten bewertet werden kann, schafft jedenfalls Klarheit über die Beziehungen der zionistischen Bewegung zur englischen Regierung: Mit ihr und dem durch sie hervorgerufenen Rücktritt Dr. Weizmanns von seinem Amt als Präsident der Jewish Agency schließt eine Periode ab, die man als die einer vertrauensvollen Zusammenarbeit bezeichnen möchte, wenn nicht schon seit mindestens einem Jahr deutliche Anstrengungen der englischen Instanzen erkennbar gewesen wären, die Bestimmungen des Palästina- Mandats und die darin enthaltenen offenbaren Verpflichtungen durch die merkwürdigsten Auslegungen und Maßnahmen in ihr Gegenteil umzukehren und die allmähliche Liquidation der früheren Palästinapolitik herbeizuführen. Freilich hat die englische Regierung nie zugegeben, daß dies das Ziel ihrer Bestrebungen sei; sie wird das auch in Zukunft nicht tun und wird sich im Gegenteil immer darauf berufen; daß sie das Mandat voll und ganz anerkenne und es zu verwirklichen suche — der einmütige Protest nicht nur der zionistischen Bewegung, sondern der gesamten Judenheit, dem der Rücktritt Dr. Weizmanns schon weithin beachteten Ausdruck gegeben hat, wird sie jedoch darüber belehren, daß es ihr nicht gelingen wird, durch eine verschleiernde Redseligkeit und eine an den Haaren herbeigezogene Interpretation einzelner Mandatsartikel noch irgend jemanden darüber zu täuschen, daß sie sich den ihr auferlegten Verpflichtungen systematisch zu entziehen beabsichtigt und in Wirklichkeit das Mandat als einen Fetzen Papier behandelt. Ob der Völkerbund, dessen permanente Mandatskommission noch un-

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