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Das jüdische Echo · 1930-10-17 · 42 (17.10.1930) · p. Seite 589

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
Seite 589 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 589 liehen Bevölkerung. Legen wir der Berechnung die heute schon bestehenden Wirtschaftstypen Palästinas zugrunde, das sind 2 Hektar in der bewässerbaren Zone, 10 Hektar in der nicht bewässerbaren und 30 Hektar im „Negef“, dem südpalästinensischen Ubergangsgebiet zur Steppe, so können wir feststellen, daß sich ohne weitere Intensivierung der palästinensischen Wirtschaft schon heute die landwirtschaftliche Bevölkerung auf 275 000 bis 280 000 Familien, also auf das Doppelte der jetzigen Familienzahl, bringen läßt. Wie groß die städtische Bevölkerung sein wird, welche dieser ländlichen Bewohnerzahl entspricht, läßt sich nicht bestimmt Voraussagen. Es ist aber anzunehmen, daß sie unter Berücksichtigung der günstigen Lage Palästinas und der besonderen Eignung der Juden für Handel und Industrie so groß sein wird, daß man mit der Möglichkeit einer Gesamteinwohnerzahl von 5 bis 7 Millionen in Palästina rechnen kan'n. Uns jüdische Sozialisten läßt der Streit um das Endziel des Zionismus, um die Frage „Kulturzentrum oder Judenstaat“, kalt. In Variierung des Wortes Eduard Bernsteins „Das Ziel ist nichts, die Bewegung alles“, möchte ich sagen, daß wir unsere Aufgabe nicht in der Diskussion um das Endziel des Zionismus, sondern in der Ausnutzung der gegebenen ökonomischen Möglichkeiten erblicken. Bin Gurion hielt ein Referat über „Unsere Beziehungen zum arabischen Volk und zur Mandatarmach t“. Mit dem Zionismus beginnt zum ersten Male nach der Zerstörung des jüdischen Reiches eine jüdische Staatspolitik, die den Erfolg gehabt hat, daß das jüdische Volk als Einheit und sein Anspruch auf Palästina völkerrechtlich anerkannt wurden. Die Möglichkeiten des Mandats sind noch nicht vollkommen praktisch ausgewertet, das Resultat von zehn Jahren ist aber immerhin die Einwanderung eines vollen Achtels der heutigen palästinensischen Bevölkerung. Für die zukünftige Entwicklung des Landes besitzen wir zwei Schlüsselstellungen: die Elektro- und Wasserkraft-Konzession und die Tote-Meer- Konzession. In Palästina gibt es eine Judenfrage, weil die Juden dort als Minorität denselben Gefahren ausgesetzt sind wie in allen anderen Ländern. Es gibt aber auch eine Araberfrage, weil wir nach Palästina mit einer historischen Perspektive kommen. Die Bestrebungen eines Teiles des Brith Schalom sind utopisch, wenn sie den Verzicht auf unsere Aspirationen, ein möglichst großer Jischuw zu werden, aussprechen. Einen solchen Schritt des Brith Schalom wird das jüdische Volk stets desavouieren. Wir müssen den Arabern sagen, daß 17 Millionen Juden freie Einwanderung nach Palästina für ihre Volksgenossen fordern. Wir müssen aber auch den Juden sagen, daß sie mit den 700 000 Arabern Palästinas rechnen müssen. Aus nationalen und international sozialistischen Gründen bestreiten wir das Recht der gegenwärtigen Bevölkeung Palästinas, sich gegen die übrige Welt abzusperren. Selbstbestimmungsrecht ist nicht identisch mit der Anmaßung der Herrschaft über den gesamten Boden eines Landes. Wir fordern, daß die seit unvordenklicher Zeit unausgenützten Bodenflächen Palästinas der jüdischen Einwanderung zugänglich gemacht werden, damit sie zu Quellen der Wohlfahrt ausgestaltet werden können. Es ist notwendig, daß die freie Einwanderung der Juden durch einen außerpalästinensischen Machtfaktor, den Mandatar des Völkerbundes, geschützt wird. Ein kleiner Jischuw würde die Galuth-Mentalität mit nach Palästina verpflanzen. Eine große Einwanderung aber gewährleistet freie nationale Entwicklung. Die gesonderte Organisierung von jüdischen und arabischen Arbeitern ist notwendig, damit beide Elemente sich ihrer Eigenart entsprechend ausleben können. Das Manifest des Weltkongresses für das arbeitende Palästina Berlin, 6. Oktober. (JTA.) Das vom1 ersten Kongreß für das arbeitende Palästina erlassene Manifest an die jüdischen Arbeiter,,, die jüdische Jugend und die jüdischen Vollksmassen lautet: „Zum ersten Male in der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung, zum ersten Male in der Geschichte des jüdischen Aufbauwerks in Palästina ist auf den Ruf der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina ein Weltkongreß zusammengetreten, der eine Viertelmillion jüdischer arbeitender Menschen repräsentiert und das Ziel verfolgt, die Kraft des organisierten jüdischen Arbeiters in Palästina zu stärken, seinen Kampf mitzukämpfen und ihm zu helfen,, seine historische Mission zu erfüllen und die freie jüdische Gesellschaft der Arbeitenden in Palästina aufzubauen. Aus verschiedenen Weltteilen und aus verschiedenen ideologischen Richtungen kommen die Kongreßteilnehmer: Vertreter Zehntausender jüdischer Arbeiter in Polen, Tausender Wähler in Litauen und Lettland, Deutschland und der Tschechosolwakei, England, Belgien und Rumänien — aus 24 Ländern traten Angehörige aller Arbeiterrichtungen im Zionismus und außerhalb des Zionismus, Vertreter von Jugendverbänden und Hechaluz-Organisationen, zusammen; solche, die sich als die Reserve-Armee der Palästina-Arbeiterschaft betrachen, und solche, die eben erst in die Reihen der Palästinafreunde getreten sind; Sozialisten, die die gesellschaftserneuernde sozialistiche Tätigkeit des jüdischen Arbeiters, in Palästina bewundern, und Volksmänner, die die Aufgabe der nationalen Befreiung und der Vollksgesundung., deren Verwirklichung der jüdische Arbeiter Palästinas sich zum Ziele gesetzt hat, richtig einzuschätzen wissen. Alle diese Elemente vereinigen sich, ungeachtet der Verschiedenheit ihrer politischen Anschauungen, in einem einigenden Pflichtbewußtsein zu dem Ziele, in der ganzen Welt eine vereinigte Kraft zu schaffen, um den jüdischen Arbeiter in Palästina zu schützen, seine Position zu festigen und seine Basis zu verbreitern. Indem der Kongreß gegenüber der ganzen Welt seine Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert, diesen Willen in die Tat umzusetzen, legt er die Grundlage für eine die jüdische Arbeiterschaft in Palästina und die Histadruth einrahmende Vo(lksorganisation und proklamiert die Schaffung einer Weltliga für das arbeitende Palästina. Die Liga wird es als ihre Aufgabe ansehen, gegenüber dem in der Histadruth organisierten Palästina-Arbeiter ihre Treue und ihre Schicksalsgemeinschaft mit ihm, sowie ihre Entschllosesnheit zu bekunden, sich in die Front des Kampfes zu stellen und sein Recht auf Arbeit, auf Autonomie, auf wirtschaftliche und kulturelle Betätigung, auf Schutz und Gleichberechtigung seiner neugeschaffenen Lebensformen (Kwuzah, Kibuz, Moschaw). Die Liga wird es als ihre Pflicht ansehen, die Front des jüdischen Arbeiters zu stärken und Angriffe gegen ihn, kommen sie von welcher Seite immer,, abzuwehren und ihm volle moralische, politische und finanzielle Genossen-Hilfe zu gewähren. Nicht allein als Träger einer Freiheitsidee tritt der Palästina-Arbeiter an seine Freunde in der Welt heran, sondern auch als Vollbringer eines großen Werkes; nicht weil er schwach ist, braucht er

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