Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 41 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- Seite 577 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 577 Sitande kommen konnte, weil die Zionisten von ihrem Standpunkt, daß eine unabhängige jüdische Politik geführt werden müsse, nicht abweichen konnten. Eine Rekordeinnahme des jüdischen Nationalfonds in Amerika N e u y o r k, 3. Oktober. (JTA.) Das neugewählte Direktorium des J.N.F. in Amerika hat in seiner unter dem Vorsitz von Emanuel Neumann abgehaltenen ersten Sitzung festgestellt, daß die Einnahmen des J.N.F. im abgelaufenen jüdischen* Jahr 430 000 Dollar, um 135 000 Dollar mehr als im Vorjahre, betrugen. Dies ist die höchste jemals in Amerika erzielte Jahressumme. Kleiner Zwischenfall an der Klagemauer am Jom Kippur Jerusalem, 3. Oktober. (JTA.) Der Jom Kippur ist in Jerusalem im allgemeinen in vollster Ruhe und Ordnung verlaufen. Nur an der Klagemauer kam es zu einem unbedeutenden Zwischenfall, als ein junger Jude forderte, daß Schofar geblasen werde, und laut rief, die Regierung habe kein Recht, religiöse Gebräuche zu, verbieten. Ein jüdischer Polizeioffizier bemühte sich zunächst, den jungen Mann durch den Hinweis, daß Rabbi Kook mit der betreffenden Regierungsverfügung einverstanden sei, zu beruhigen, mußte aber schließlich seine Verhaftung anordnen. Eine Stunde später wurde der junge Mann wieder freigelassen. Die Einkommensteuer in Palästina Jerusalem, 22. September. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, plant die Palästinaregierung die Einführung einer Einkommensteuer, in der Höhe von 2% bis 5% des Einkommens. Auch wird der Ersatz der Werkosteuer und des Zehentsystems durch eine einheitliche Grundsteuer erwogen. In der Übergangszeit wird der Zehent von 10 auf 7/4% ermäßigt werden. Unruhen in Tel-Awiw bei Aufführung eines jiddischen Tonfilms Tel-Awiw., 29. September. (JTA.) Bei der Aufführung des Tonfilms in jiddischer Sprache, betitelt „Die jüdische Mutter“, an einem der großen Filmtheater von Tel-Awiw kam es zu sehr schweren Ausschreitungen seitens jugendlicher Kreise, die gegen Jiddisch und für Hebräisch eintreten. Die Demonstranten, die sich meist aus Jugendlichen zusammensetzten, schleuderten Tintenfässer und Stinkbomben gegen die Leinwand, brachen in Zischen und Pfeifen aus, sobald jiddische Textworte von der Leinwand ertönten. Auf Ersuchen des Vizebürgermeisters von Tel-Awiw, Rokeach, hat die Polizei der Ruhe halber die weiteren Vorführungen des Films verboten. Die britische Polizei half den lokalen Behörden bei der Herstellung der Ordnung. Mehrere der Ruhestörer, die während der Skandale von der Polizei verhaftet wurden, sind auf Grund einer persönlichen Garantie des Vizebürgermeisters Rokeach wieder aus der Haft entlasesn worden. Der revisionistische „Doar Hayom“ billigt das Vorgehen der „Verteidiger der hebräischen Sprache gegen die Unverschämtheit einer Jargon-Vorführung“. Die Arbeitertageszeitung „Davar“ wendet sich gegen den Fanatismus gewisser Hebraistenkreise. Beginn der Vermessungsarbeiten für die Bahn Haifa—Bagdad London, 29. September. (JTA.) Das Kolonialamt hat die Kosten der Vermessungs- und Trassierungsarbeiten für die künftige Bahnlinie Haifa- Bagdad bewilligt. Damit ist ein neuer wichtiger Schritt zur Förderung dieses Projektes getan worden. Große jüdische Bodenkäufe in Palästina Jerusalem, 26. September. (JTA.) Nach einer Meldung des „Al Hayat“ hat die Pälestine Jewish Colonisation Association (P. J. C. A.) ein Areal von 4500 Dunam im Dorfe Baraka (Jaffa-Distrikt) aus dem Besitz eines schwer verschuldeten arabischen Kaufmanns erworben. Das Blatt verzeichnet mit Bedauern, daß von jüdischer Seite eine weitere Erwerbung von 35 000 Dunam im Süden des Landes geplant sei. Feuilleton Unsere Sukka Von Meier Chartiner Seit wir im Dorfe wohnen, haben wir nie eine Sukka gehabt und am Sukkothfest haben wir uns immer fremden Leuten anhängen müssen. Fremde Leute sind aber ungefälllig, insbesondere bei Tisch. Erlaubt man sich einen guten Bissen — wird man beneidet; hat man ein bescheidenes Mahl — wird man verachtet. Der einzige Ausweg ist, sagt der Vater, eine eigene Sukka zu machen. Der liebe Vater hat leicht Pläne machen. Unsere Sukka müßten wir in unserem gemieteten Hofraum aufstellen. Und der schwarze Petro, unser Hauswirt, ist ein schlechter hartnäckiger „Bauer“. Er kann es nicht erlauben, sagt er, daß man aus einem Hof eine Judenschul macht. Er sei einmal am jüdischen Hüttenfest vor der Hütte eines Rabbiners im benachbarten Städtchen vorbeigefahren Was war da für ein Lärm, „har-har, har-har-, vielleicht hundert Juden“, und dann ein Händeklatschen und ein Singen, oj waj, tidli bom! Die Juden haben dort eine „Schul“ gemacht. Petro wird in seinem Hause so was nicht erlauben. Diplomatische Verhandlungen begannen. Ein rundes Jahr und ein harter Bauer. Ja, was wird „Väterchen“ (der Pfarrer) dazu sagen? Schon jetzt ist er auf den armen Petro nicht gut zu sprechen. Im Herbst, beim Rundgang durch das Dorf, meidet er sein Haus, nimmt von ihm nichts an. Warum? Weil Petro einen Teil seines Hauses einem Juden vermietet hat. Jetzt wird man sagen, daß Petro schon ganz Jude geworden ist. — Nein, Panie Chajimku!... Wir wissen, daß alles eitel Lüge ist. Der schwarze Petro ist ein bekannter Dieb, und durch Diebereien ist er reich geworden. Den Knechten unseres Pfarrers hat er Jahre lang gestohlenes Gut abgekauft, bis er ertappt wurde und ins Zuchthaus kam. Daher auch das getrübte Verhältnis zu unserem Dorfpfarrer. Wenn aber Petro „nein“ sagt, da kann nur ein Wunder helfen. Das alte, erprobte, jüdische Wundermittel: Draufzahlen! Petro bekam die Miete fürs nächste Jahr mit einer Draufgabe vorausbezahlt, eine alte Schuld wurde aufgeschoben, d. h. aufgehoben, und der „Branntwein“ ergoß sich in starken Strömen. Im Wirtshaus gab Petro eine öffentliche Erklä-