Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 41 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- Seite 576 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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576 Das Jüdische Echo Nr. 41 verlorengegangene Gefühl des gegenseitigen Vertrauens wiederzugeben, die Gemeinde zu stärken und auch unseren Widersachern zu zeigen: Die einigende Kraft des Hauses Israel ist unzerstörbar! Das Kollegium wünscht, daß eine Einheitsliste zu den Wahlen aufgestellt wird, und hält sich bereit, ausgewählte Kollegen zu einer Vermittlungstätigkeit zur Verfügung zu stellen. Die religiöse Mittelpartei gegen innerjüdischen Wahlkampf B e r 1 i n , 3. Oktober. (JTA.) In einer Sitzung des Berliner Vorstandes der Religiösen Mittelpartei für Frieden und Freiheit in der Gemeinde, die in Anwesenheit des Ehrenvorsitzenden Rabbiner Dr. S. Weisse unter Leitung des Legationsrates Prof. Dr. M. Sobernheim als Vertreters des erkrankten Vorsitzenden Kommerzienrat Gerson Simon stattfand, wurde festgestellt, daß das entschiedene und planmäßige Vorgehen der Mittelpartei zur Vermeidung des Wahlkampfes bisher überall auf Verständnis der Parteien und außergewöhnliche Zustimmung der erdrückenden Mehrheit der deutschen Judenheit gestoßen ist. Die sich aus der Reichstagswahl vom 14. September ergebende politische Lage hat — so wurde ferner festgestellt — die Richtigkeit des Vorgehens der Mittelpartei bestätigt und macht es ihr zur Pflicht, bis zum Letzten alles daran zu setzen, die jüdischen Parteien zu einer friedlichen Einigung zu bringen. Die Mittelpartei glaubt, um so eher zum Ziele zu kommen, als ihre bewährte überparteiliche Haltung und ihre Arbeit für Frieden und Einheit in der Gemeinde die Gewähr dafür bieten, daß sie bei ihrem Vorgehen keine Sonderzwecke, sondern nur das Interesse der Gesamtheit des deutschen Judentums im Auge hat. Sie wird in der nächsten Zeit noch weitere Schritte im Sinne einer Verständigung der Parteien unternehmen und rechnet hierbei mit der bereitwilligen Unterstützung aller verantwortungsbewußten Kreise der deutschen Judenheit. Die Krise in der Jüdischen Gemeinde Dresden durch friedliche Übereinkunft beendigt Gleiches Wahlrecht für In- und Ausländer. — Gemeinsame Wahlliste der Liberalen und der Volkspartei Dresden, 3. Oktober. (JTA.) Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird mitgeteilt: Der Jom Kippur bringt der Gemeinde Dresden und allen denen, welche an der Beendigung der dort seit ■zwei Monaten herrschenden Krise interessiert sind, die frohe Botschaft, daß die bestehenden Differenzen restlos beigeiegt sind und daß ein wirklicher Verständigungsfrieden zustande gekommen ist, bei dem es keinen Sieger und keinen Besiegten gibt. Die wochenlangen Verhandlungen waren trotz tiefgehender Meinungsverschiedenheiten von dem ernsten und festen Willen getragen, durch gegenseitiges Entgegenkommen eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Man einigte sich dahin, daß allen Mitgliedern der Gemeinde — inländischen wie ausländischen — das gleiche Wahlrecht zuerkannt und gleichzeitig den von den Liberalen vertretenen Interessen in vollem Umfang Rechnung getragen wird. Die Einigung und das gegenseitige Verstehen sind so vollständig, daß für die Neuwahlen eine gemeinsame Liste aufgestellt und zwischen Liberalen und Jüdischer Volkspartei also keinesfalls ein Wahlkampf geführt wird. Die Delegierten beider Parteien haben im Verlaufe der — zeitweise recht schwierigen — Verhandlungen mehr und mehr die Überzeugung gewonnen, daß ein friedliches und ersprießliches Zusammenarbeiten im Dienste der Gemeinde nicht nur erwünscht, sondern durchaus möglich sei, und es ist daher nicht bloß ein frommer Wunsch, sondern die feste Überzeugung aller Beteiligten, daß diese Verständigung den Anfang einer neuen friedlichen und erfolgreichen Ära der Dresdner — und wie wir zuversichtlich hoffen und wünschen — auch der anderen sächsischen Gemeinden einleitet. Kommunistische Provokationen in Polen anläßlich des Jom Kippur Warschau, 3. Oktober. (JTA.) Die Versuche von kommunistischer Seite, anläßlich des Jom Kippur in Warschau und Lodz antireligiöse Demonstrationen zu veranstalten, sind gescheitert. Die Küche des „Bund“ in der Nähe der „Tlomazki- Synagoge“ in Warschau war am Jom Kippur geöffnet, ebenso die Klubküchen von „Bund“ und linken „Poale Zion“. Zur Zeit des Kol-Nidre-Gebetes wurden Arbeiterversammlungen abgehalten. In dem Städtchen Gura-Kalvarja, der Residenz des „Gerer Rebbe“, einem großen chassidischen Zentrum, hißten Kommunisten auf dem Beth Hamidrasch des „Gerer Rebbe“ eine rote Fahne,, die dann von der Polizei entfernt wurde. Sodann hielten die Kommunisten eine Versammlung auf einem Platze zwischen dem Beth Hamidrasch und der Synagoge ab. Während des Knieens beim Gebete (Korim) drangen zwei unbekannte junge Leute in das Beth Hamidrasch ein und versuchten, photographische Aufnahmen zu machen. Die Chassidim wollten dies nicht zulassen, es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Eindringlinge Revolverschüsse abgaben, wodurch Panik entstand. Schließlich konnten die Chassidim die Eindringlinge überwältigen und der Polizei übergeben. Der Warschauer jüdische Friedhof am Vorabend des Jom Kippur beschossen — Zwei Schwerverletzte Warschau, 3. Oktober. (JTA.) Am Vorabend des Jom Kippur, während Tausende Andächtige nach jüdischer Tradition die Gräber ihrer Angehörigen auf dem Warschauer jüdischen Friedhof im Gensza-Viertel besuchten, wurde der Friedhof einige Minuten lang von draußen beschossen» Der 58jährige Kaufmann Jacob Lewinsky wurde in die Hüfte, die 21jährige Salia Rotstein ins Bein getroffen. Es entstand eine ungeheuere Panik, die Andächtigen verbargen sich hinter den Grabsteinen, wodurch weiteres Unheil vermieden wurde. Zahlreiche Grabsteine wurden durch die Gewehrkugeln beschädigt. Als die Schießerei aufhörte, traf Polizei ein, konnte aber nicht mehr feststellen, wer die Schützen waren, eines aber steht fest, daß es sich nicht um verirrte Kugeln, sondern um ein verbrecherisches Attentat handelt. Keine jüdische Einheitsfront bei den Wahlen zum polnischen Sejm Warschau, 3. Oktober. (JTA.) Der vor kurzem zustande gekommene zionistische Wahlblock hat beschlossen, mit der Agudas Jisroel kein Bündnis anläßlich der kommenden Wahlen zum Sejm zu schließen. Somit werden die Zionisten und die Agudisten getrennt zur Wahl marschieren, wobei jede der beiden Gruppen je einige wirtschaftliche Organisationen hinter sich haben wird. Das Wahlkomitee der Agudah macht in einem Aufruf die Zio* nisten für das Nichtzustandekommen der jüdischen Einheitsfront verantwortlich, während der Führer der radikalen Zionisten, Grünbaum, und der Misrachiführer Farbstein in einer Pressekonferenz darlegten, daß die Einheitsfront darum nicht zu-