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Das jüdische Echo · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. Seite 565

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
Seite 565 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 565 in allen Teilen der Welt gesprochenes Hebräisch autorität zusammenhielte. Es wäre eine ebenso dringende wie dankenswerte Aufgabe, die in jiddischer Sprache niedergelegten Werte durch Übertragung ins Hebräische vor dem einstigen Untergang zu retten, da das Jiddische, man möge es bedauern oder begrüßen, wohl ebenso verschwinden wird wie die 16 jüdischen Volkssprachen vor ihm. Stunde mit Bialik: Es waren nur wenige Glückliche, die am Sonntag noch rechtzeitig von der Kunde erreicht wurden, daß sich Bialik auf der Rückreise nach Palästina für einige Stunden in München aufhalte. Man kam ins Restaurant Schwarz und erlebte zunächst eine Überraschung, wenn man Bialik zum ersten Male sah. „So habe ich mir aber den Dichter dieser ernsten, grimmigen, erschütternden Gedichte, die voll sind von den Leiden der Galuth, nicht vorgestellt!“ — Wer in einem solchen Satze etwa seiner Verwunderung darüber Ausdruck gab, sich plötzlich einem lustigen unbeschwerten Bourgeois im besten Sinne, einem hinreißenden Gesellschafter gegenüber zu sehen, der hatte eben bisher nur von einer Seite der Persönlichkeit Bialiks gewußt. Dessen volle geistige Gestalt aber, das wurde hier klar, spiegelt sich in — sagen wir — seinen großartigen Pogromgedichten in viel schwächerem Bilde als in seinen volkstümlichen Werken; und kein Werk überhaupt kann den Bialik des Gesprächs ersetzen. Man kam wirklich keinen Augenblick zur Ruhe vor diesem sprudelnden Geist und Witz. Vor allem war man mit Lachen beschäftigt; ja man mußte sehr aufpassen, um mitzukommen. Mancher, der nicht sofort die hebräischen oder jiddischen Worte verstehen konnte, lachte eben über einen Witz, der ihm glücklich erklärt worden war, während die übrige Gesellschaft schon unter der Wirkung eines neuen Bialikwortes stand. Wiederzugeben ist das alles so schwer, wenn man nicht wenigstens ein kleiner Bialik ist und dazu noch Deutsch spricht. Kein Wunder, daß es schwerfäliger wird und viel an Schlagkraft einbüßt. Zum Verständnis der meisten dieser Geistesblitze gehört nun einmal eine gewisse Kenntnis des Hebräischen und der Bibel; was bleibt an einem Witz, den man erst nach langem Quellenstudium erfaßt? — Kennen Sie den Psalmvers: „.. sabbuni gam s’wawuni b’schem Haschern ki amilam..“? — Kennen Sie das neuhebräische Wort für „Verleger“? — Es heißt: mozi laor, abgekürzt Mol. Nun erzählte Bialik von gewissen Verlegern und wandte diesen Psalmvers auf sie an; „Sie umgaben mich und umringten mich im Namen Gottes, ki amilam (Hifil von mol); deutsch also: dass ich sie zu (meinen) Verlegern mache. — Ich kann nicht verlangen, daß Sie noch lachen. — Ins Gästebuch schrieb Bialik: „Sacharti et hadaga ascher achalti bamünchen.“ Wenn Sie nicht sofort an Bamidbar 11,5 denken, werden Sie nie darüber lachen. Dieser Vers ist überhaupt ein Rätsel. Da steht: Sacharnu et hadaga ascher nochal bemizrajim chinnam. Warum die weibliche Form daga? Warum nochal, das in die Zukunft weist, während dem Zusammenhänge nach eine Vergangenheit stehen müßte? Uns hat Bialik diese Probleme gelöst. Das feminine daga bezieht sich auf das Weibchen des Livjathan, das Gott getötet hat, um eine Vermehrung dieser Riesenfische zu verhüten. Der tote Fisch wurde eingesalzen und für die Speisung der Frommen im Paradies auf bewahrt. Darum heißt es auch: hadaga ascher nochal, der Fisch, den wir essen werden, nämlich im Paradies. Kommt nun ein ganz Kluger und findet, daß ja nun wieder das Wort „bemizrajim“ keine Erklärung findet, so gibt ihm der Vers selbst recht: „bemizrajim chinnam“ — „bemizrajim“ steht umsonst da. Vielleicht haben Sie auch das schon gekannt und keinen Bialik dazu gebraucht, wie Sie meinen. — Ja, aber mein Lieber, aus Bialiks Mund hatte alles einen besonderen „rFaam“. Die zweite Berlinei* Premiere der Ha bi «nah Gutzkows „Uriel Acosta“ Berlin, 26. September. (JTA.) Am Mittwoch, den 24. September, führte das hebräische Theater „Habimah“ im Theater am Nollendorfplatz zum ersten Male „Uriel Acosta“, frei nach Gutzkow bearbeitet von M. Liwschitz (Regie: Alexis Granowski), auf. Auch diese neueste Leistung des weltberühmten Ensembles hat das tiefste Interesse der Kunstkenner und der Theaterfreunde erregt und auch beim Publikum starken Beifall gefunden. Der Kritiker der „Vossischen Zeitung“, Monty Jacobs, rühmt die königliche Würde der „ersten Künstlerin der Habimah A. Rowina und stellt dann fest: „Das Ganze, auf der sparsamsten Szene gespielt, in einem steinernen Rondell mit wechselndem Prospekt, strotzt von dramatischem Leben, von bunter Theaterfreude, von Laune und Temperament. Es wird mit jenem furor judaicus heruntergefegt, der aus dem Spiel der Habimah so mitreißend ins Publikum dringt.“ — Der Musikkritiker der „Vossischen Zeitung“ würdigt im besonderen die Bühnenmusik von Karol Rathaus und schließt: „Am innigsten verflochten mit Dichtung und Stil sind die Chöre der synagogalen Liturgie, die in gedämpfter zarter Wiedergabe harmonisch zum Bühnenbild erklingen.“ Im „Berliner Tageblatt“ schreibt Leo Hirsch: „Man erlebt mehr eine szenische Ballade als ein Drama, eine traurig schöne Ballade, eine Ketzerlegende ... Granowski und seine Mitarbeiter haben in der Inszenierung die glücklichste Hand. Da läuft, tanzt und schnuppert ein Synagogendiener Baratz herum, ein Traum aus Tausend und eine Nacht. Da spielt Ben Chaim den Akiba, den hebräischen Inquisitor, und macht einen Menschen daraus, daß man den Atem anhält. Die beiden Rabbiner wie aus den Hagadah-Bildern geschnitten. Und dieser Wirbel von Masken und Menschen, die hebräisch singen und europäisch-höfisch bezaubernd tanzen zu einer sich unterordnenden, manchmal archaisierenden, aber dennoch lebendigen Musik von Karol Rathaus. Zuerst und zuletzt aber die Rowina, die Heroine des Schmerzes, eine menschgewordene traurig schöne Melodie.“ Gemeinden- und Vereins-Echo Schule der jüdischen Jugend Über die Schule der jüdischen Jugend in Berlin berichtete auf Einladung der Kameraden und des Kadimah Herr Dr. Max Mayer am Montag, dem 29. September im Lessingsaal vor .einem zahlreichen und recht interessierten jugendlichen Publikum. Aus den gemeinsam gefühlten Nöten der hündischen jüdischen Jugend, dem überall vorhandenen Bedürfnis nach einer Verstärkung der jüdischen Substanz, einer jüdischen Verinhaltlichung hervorgegangen, erfaßt diese „Schule“, die eigentlich ganz zu Unrecht diesen Namen trägt, zwar keinen großen, aber doch einen ausgewählten und immerhin auch nicht unwesent-

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