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Das jüdische Echo · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. Seite 564

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
Seite 564 (sequence 15)
Language
German
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564 Üas Jüdische Echo Nr. 40 sich so leicht mit der Nichtteilnahme der Juden an den Arbeiten der Munizipalität abgefunden habe, als ob dies ein normaler Zustand wäre. Die Juden seien mit der Untätigkeit der Regierung in diesem Belange sehr unzufrieden, und dies führe dazu, daß so extreme Vorschläge wie Errichtung eines gesonderten jüdischen Stadtrates in Betracht gezogen werden. Man verstehe es nicht, weshalb die Regierung sich beeilt habe, den Rücktritt der jüdischen Stadträte zu akzeptieren und diese akute Krise mit einem formalen Dank an die jüdischen Stadträte für ihren geleisteten Dienst zu erledigen. (Die jüdischen Mitglieder des Stadtrates waren von ihren Ämtern zurückgetreten, als der Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, sich der vom Mufti geführten arabischen London-Delegation anschloß. Sie waren der Meinung, daß der Bürgermeister die Interessen der Gesamtbevölkerung zu vertreten habe, aber als Mitglied einer Delegation zur Bekämpfung der jüdischen Rechte und Interessen nicht länger Stadtoberhaupt bleiben könne.) Amtsantritt des neuen Chefsekretärs Mark Aitchinson Young Jerusalem, 28. September. (JTA.) Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency trafen mit dem neuen Chefsekretär der Palästinaregierung, Mark Aitchinson Young, der bereits sein Amt angetreten hat, zusammen. Sir Stewart Davis, der bisher als stellvertretender High Commissoner fungierte, übergab diese Würde dem neuen Chefsekretär und übernahm nun wieder sein Amt als Schatzmeister der Regierung. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß Sir Stewart Davis die Regierungsgeschäfte während dreier Monate zur Zufriedenheit aller Parteien geleitet und durch seine besonnene und intensive Hingabe an die delikate Aufgabe der Versöhnung der verschiedenen Bevölkerungsteile, sowie durch sein unermüdliches Bestreben, besonders in der Klagemauerfrage, eine Verständigung zwischen den Arabern und Juden zustandezubringen, sich den Dank der Bevölkerung erworben hat. »III HUT | | Feuilleton || | II iilllllll INI 111.. II! Palästina, Galuth und die Sprachenfrage Ein Vortrag Chaim Nachman Bialiks Berlin, 22. September. (JTA.) Der große hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik hielt auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung und des Beth Am Ibrith in den Spichernsälen vor einer gespannt und ehrerbietig lauschenden Zuhörerschaft einen Vortrag über das Problem Jiddisch- Hebräisch. Er führte ungefähr aus: Die Frage des gegenseitigen Verhältnisses der hebräischen und jiddischen Sprache wurde bisher wenig objektiv behandelt. Sie soll aber nicht Gegenstand einer leidenschaftlich erregten, von Sympathien oder Antipathien beeinflußten oder gar durch politische Momente verfälschten Auseinandersetzung sein. Eine Stellungnahme zu dieser Frage ist nur auf Grund wissenschaftlich historischer Betrachtung möglich. Die Juden haben sich im Verlauf ihrer Geschichte vieler Sprachen bedient, so z. B. des Aramäischen, Griechischen, Lateinischen, Arabischen, Französischen u. a. m.; sie haben diese Sprachen ihren eigenen Bedürfnissen angepaßt und ein „Jiddisch“ daraus gemacht. Auch heute ist die jiddische Sprache nicht die einzige lebende Judensprache. Große Teile des Judentums bedienen sich des Spaniolischen, einige Tausend in Vorderasien verstreut lebende Juden sprechen noch heute einen syrisch-aramäischen Dialekt, die grusisischen Kaukasus-Juden haben ein tatarisches, andere ein persisches Jiddisch. In Italien gibt es einige Gemeinden, welche einen spezifisch italienischen Jargon sprechen. Es gibt 12 bis 16 solcher Judensprachen. In der jüdischen Vergangenheit hat das Aramäische, das 1200 Jahre lang Volkssprache war, die größte Bedeutung. Aber auch in der aramäischen Sprachperiode galt hebräisch als die offizielle Sprache des Gebets und des Thorastudiums, wenn auch manche Gebete ins Aramäische für das Volk übersetzt wurden. Der Talmud ist in aramäischer Sprache verfaßt. Die Gaonim bis auf Sadja Gaon, der schon arabisch schreibt, haben sich des Aramäischen bedient. Beim Übergang zur arabischen Volkssprache wurden die aramäischen Teile der Literatur ins Hebräische übertragen. Eine auf dem Arabischen fußende Judensprache ist nicht mehr nachzuweisen. Die meisten Judensprachen der Diaspora hatten sich ans Hebräische angelehnt. In diesen Sprachen geschaffene Werke wurden für das spätere Judentum dadurch gerettet, daß sie ins Hebräische übertragen wurden. So ist die hebräische Sprache das Reservoir der jüdischen Geistesschätze. Das Hebräische selbst wurde aus einem tiefen Instinkt heraus nicht als Umgangssprache gebraucht. Es hätte sonst in verschiedenen Ländern fremde Elemente aufgenommen, wäre in Dialekte zersplittert worden und damit untergegangen. Bei anderen Sprachen gibt es einen zentralen Dialekt, dessen dominierende Stellung ein völliges Zersplittern der Sprache hintanhält. Das Hebräische hätte eines solchen dominierenden Dialekts entbehrt und wäre ebenso untergegangen wie z. B. das Syrische, das sich ohne Zentralsprache in Dialekte zersplitterte. Andererseits wäre das Hebräische ohne die Befruchtung durch eine lebende Judensprache versteinert worden. So hat die Parallelität von Hebräisch und der jeweiligen Volkssprache beiden genützt. Während das Hebräische dazu diente, die Geistesschätze, die in der Volkssprache niedergelegt waren, aufzunehmen und der Nachwelt zu überliefern, wurde es durch Beeinflussung seitens der Volkssprache lebendig und bildungsfähig erhalten. Auch heute wird das Neuhebräische vielfach mit Hilfe des Aramäischen weiterentwickelt. Wo aber die Volkssprache ohne Zusammenhang mit dem Hebräischen war, wie das Griechische der alexandrinischen Epoche oder das Arabische der kabbalistischen Literatur, sind die in ihr geschaffenen Kulturgüter dem Judentum verloren gegangen. Auch das heute gesprochene Jiddisch begleitet das Hebräische, wird von ihm beeinflußt und trägt anderseits zu dessen Belebung bei. Löst aber das Jiddische den Zusammenhang mit dem Hebräischen, so verliert es seine Bedeutung für die jüdische Kultur. Während manche leidenschaftlich für das Jiddische als Nationalsprache eintreten, beginnt es vielfach seine Verbindung mit dem Leben zu lösen und sich auf literarische Zirkel zurückzuziehen. Gleichzeitig verbindet sich das als „literarisch“ verschriene Hebräisch in Palästina mit dem Leben des Volkes. Heute könnte man schon beanspruchen, daß Hebräisch zur Volkssprache wird; ist es doch dadurch vor Zersplitterung bewahrt, daß Palästina jenes dominierende Zentrum darstellt, welches ein 999999999999

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