Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 40 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- Seite 562 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9239757--11193-9223255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
562 Das Jüdische Echo Nr. 40 sonderen Ausschuß zur Durchsetzung der Idee gebildet hat. (Wir werden zu dieser Neugründung Stellung nehmen, sobald mehr von ihr bekannt ist, als dieses reichlich verworrene Programm. Es läßt sich doch nicht bestreiten, daß jede Partei programmatisch das Wohl des Ganzen erstrebt und nur über Maßstäbe und Methoden bestehen große Verschiedenheiten, die auch dadurch noch nicht aus der Welt geschaffen sind, daß jetzt eine neue Partei auftritt, die eben auch nur das Wohl des Ganzen so erstreben kann, wie sie es versteht. D. Red.) Aus der jüdischen Welt Räumliche Ausdehnung des Wirkungskreises der Berliner Jüdischen Gemeinde Berlin, 25. September. (JTA.) Die Berliner Jüdische Gemeinde, die im letzten Jahre ihren Wirkungskreis über die nördlichen Vororte bis Oranienburg und über die östlichen Vororte bis Köpenick ausgedehnt hat, feierte in Oranienburg die Übernahme dieser Gemeinde und ihrer Institutionen. In der festlich geschmückten Synagoge übergab der bisherige 1. Vorsitzende des Oranienburger Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Dr. Bärwald, den Berliner Gemeindebehörden das Gotteshaus. Im Namen des Berliner Gemeindevorstandes dankte Direktor Kareski für den Willen zu brüderlichem Anschluß, versprach weitgehendste Berücksichtigung aller Wünsche der neu in die Gemeinde Eintretenden und wies auf die besondere Notwendigkeit des engen Zusammenschlusses in diesen ernsten Zeiten hin. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, der im Namen der Repräsentantenversammlung sprach, ging auf das Problem der kleinen Gemeinden ein, die den Großgemeinden an Menschen und jüdischen Werten unsagbar viel gegeben hatten, jetzt aber leider im Absterben begriffen sind. Herr Rabbiner Dr. Emil Levy hielt eine tief ergreifende Festpredigt. Der feierliche Akt wurde von Sologesängen des Herrn Oberkantor Ahlbeck eingerahmt. Es folgte ein gemütliches Beisammensein der gesamten Oranienburger Gemeinde mit den Berliner Gemeindebehörden, bei dem eine Reihe von Wünschen geäußert wurde, deren Erfüllung zugesagt wurde. Ussischkin in Berlin Berlin, 28. September. (JTA.) M. M. Ussischkin weilte in den letzten Tagen in Berlin, wo er die Vorbereitungen für die von ihm angeregten Landeskonferenzen des Keren Kajemeth Lejisrael traf. Anläßlich seiner Anwesenheit veranstalteten Herr und Frau Blumenfeld am 18. September in ihrer Wohnung einen festlichen Empfang, an dem sich die führenden Zionisten Berlins beteiligten. Nach Begrüßungsworten von Kurt Blumenfeld und Dr. Albert Baer mahnte Ussischkin die deutschen Zionisten an ihre Pflicht gegenüber dem Keren Kajemeth Lejisrael. Nach einer Erklärung Blumenfelds, daß die Arbeit für den Keren Kajemeth Lejisrael in Verbindung mit der gesamtzionistischen Arbeit energisch fortgesetzt werden wird, und nach einer zwanglosen Aussprache unter den Gästen über die prinzipiellen Fragen der Keren-Kajemeth-Lejisrael-Arbeit feierte Dr. Alfred Klee Ussischkin als eine aktive kämpferische Natur, die immer wieder Gegner gesucht und niemals Feinde gefunden habe. Am Sonntag, dem 21. September, fand eine Sitzung der Keren-Kajemeth-Lejisrael-Kommission statt. Dr. Albert Baer erstattete einen ausführlichen Jahresbericht; Dr. Mechner sprach über die künftige Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael, worauf Ussischkin ein Referat über die Aufgaben des Nationalfonds hielt. An der Aussprache beteiligten sich u. a. Salman Schocken und Kurt Blumenfeld. Feier des 70. Geburtstages Prof. S. Dubnows in Berlin Berlin, 26. September. (JTA.) Mittwoch, den 24. September, feierte Professor Dr. S. Dubnow, der berühmte jüdische Historiker, im engsten Freundeskreis seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hatte sich jede offizielle Ehrung an diesem Tage verbeten, so daß die zahlreichen Deputationen öffentlicher und privater Körperschaften, deren Entsendung für diesen Tag vorgesehen war, von einer Vorsprache Abstand nehmen mußten. So hatte man sich notgedrnugen darauf beschränkt, Dubnow zwei Luxusexemplare des ihm gewidmeten Sammelbuches zu übersenden, deren eines mit einem besonderen Widmungsaufdruck der Jüdischen Gemeinde Berlin versehen war. Hunderte von Glückwunschtelegrammen und Begrüßungsschreiben waren eingelangt. Aus Warschau war die Nachricht eingelangt, daß der Jüdische Pen-Club Dubnow zu seinem Ehrenmitglied gewählt hat. Die jüdische und allgemeine Presse hatte die Geburtstagsfeier zum Anlaß einer ausführlichen Würdigung von Dubnows Wirken und Schaffen genommen. Die „Literarischen Blätter“ in Warschau, „Frimorgn“ in Riga und „Folksblat“ in Kowno hatten Sonderausgaben veranstaltet. Der Abend vereinigte die nächsten Freunde Dubnows zu einem gemütlichen Beisammensein in seinem Hause. ■Moses Salomons 100. Geburtstag Berlin, 25. September. (JTA.) Während des jüdischen Neujahrsfestes vollendete der Berliner Bürger Herr Moses Salomon (in der Cuno-Fischerstraße 19 zu Charlottenburg) sein 100. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß fand am Tage vorher im Heim des Jubilars eine offizielle Feier statt, die Rabbiner Dr. Salomon, der Sohn des Hundertjährigen, einleitete. Im Aufträge des Ministerpräsidenten Dr. Braun und gleichzeitig im Namen der preußischen Staatsregierung überbrachte Polizeipräsident Zörgiebel die Glückwünsche und überreichte eine Hundertjährigentasse der Berliner Porzellanmanufaktur. Für die städtischen Behörden, das Bezirksamt Charlottenburg und den Bürgermeister sprach Stadtrat Dr. Sußmann, für den Vorstand der jüdischen Gemeinde Direktor Kareski, sowie Rabbiner Dr. Emil Levy, die dem Jubilar ebenfalls herzliche Glückwünsche und Geschenke darbrachten. Der Chor der Synagoge Schulstraße umrahmte die Feier mit gesanglichen Darbietungen. Die bayerische Regierung annulliert einen antisemitischen Beschluß des Koburger Stadtverordnetenkollegiums München, 29. September. (JTA.) In Koburg, wo die Nationalsozialisten die absolute Mehrheit im Stadtverordnetenkollegium besitzen, war der Beschluß angenommen worden, die israelitischen Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses als nicht gewählt zu betrachten. Auf die Beschwerde der israelitischen Kultusgemeinde hat die bayerische Regierung den Stadtratsbeschluß als ungesetzlich kassiert. Fricks antisemitische Schulgebete werden amtlich zurückgezogen Weimar, 25. September. (JTA.) Im Amtsblatt des thüringischen Volksbildungsministeriums wird