Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 40 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- Seite 561 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 561 besonderen Gewinn bedeutete es, daß am letzten Abend Frau Dr. Edinger noch eine Zusammenfassung der in den Referaten und Aussprachen erarbeiteten Fragen und Antworten gab. * * * Im Anschluß an die Sommerschule des Jüdischen Frauenbundes fanden Sitzungen des engeren und erweiterten Vorstandes statt. — Auf der Gesamtvorstandssitzung, die von etwa 50 Mitgliedern beschickt war, stand neben d^r Erörterung der Arbeitsberichte, der verschiedenen Bundeskommissionen, neben Fragen hauswirtschaftlicher Ausbildung und theoretischer Fortbildung ehrenamtlicher Helferinnen, das, Thema „Politische Aktivierung der Frau in Staat und Gemeinde“ im Mittelpunkt der Verhandlungen. Nach einleitenden Referaten von Frau Bial, Breslau, und Frau Schönewald, Bochum, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Der Gesamtvorstand des J. F. B. hat auf seiner Tagung in Bad Dürkheim am 10. September 1930 beschlossen, allen Landesverbänden und Ortsgruppen erneut zu empfehlen, die Schulung und Aktivierung der Frauen für ihre Pflichten als Staatsbürgerinnen und Mitglieder der jüdischen Gemeinden als Bundesaufgabe aufzunehmen. Es wird empfohlen, Einführungskurse in das Arbeitsgebiet der staatlichen und kommunalen Aufgaben und der jüdischen Gemeindeverwaltung einzurichten. Besuche der Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindesitzungen, Besichtigungen der kommunalen und gemeindlichen Einrichtungen und Heime werden als wichtiges Schulungsmittel angesehen. Darüber hinaus betont der J. F. B., daß die Verantwortung für Staat und Gemeinde sich nicht auf die Zeit der Wahlen und auf die in diese Körperschaften gewählten Frauen beschränkt. Das Bewußtsein Staats- und Gemeindebürgerin zu se.h muß jeder Frau innerer Besitz werden.“ Aus der engeren Vorstandsitzung möchten wir zur Kenntnis geben, daß im Anschluß an die im März d. J. erfolgten Angriffe auf den J. F. B. im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden (das Protokoll ist vor kurzem erschienen) der Wunsch ausgesprochen wurde, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, daß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu Unrecht erhoben wurden. Insbesondere möchte der J. F. B. feststellen, daß es ihm völlig fern gelegen hat, den Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde „weil er Zionist sei“ nicht zu seiner Jubiläumstagung einzuladen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde war, wie alle jüdischen Körperschaften, zu der offiziellen Feier geladen und auch durch den Herrn Vorsitzenden vertreten. Zu einem inoffizellen Abendessen war keine einzige Organisation, also auch nicht der Gemeindevorstand geladen worden, sondern lediglich mit der Frauenbundsarbeit direkt verbundene Einzelpersonen. Wir hoffen, daß diese Feststellung zu einer Befriedung und zur Beseitigung etwa noch vorhandener Mißverständnisse beitragen wird. Gründung einer überparteilichen Vereinigung für die Gesamtinter» essen und die Einheit des Juden» tums Berlin, 29. September. (JTA.) Nachdem schon seit Monaten Bestrebungen zur Schaffung eines überparteilichen Zusammenschlusses im Gange waren, hat sich —■ wie der JTA. mitgeteilt wird — am 15. September für Berlin und ganz Deutschland die Überparteiliche Vereinigung für die Gesamtinteressen und die Einheit des Judentums konstituiert. Sie tritt mit dem folgenden Programm an die jüdische Öffentlichkeit: „Die überparteiliche Vereinigung für die Gesamtinteressen und die Einheit des Judentums bezweckt den Zusammenschluß aller derjenigen, die, auf welchem Standpunkt immer sie persönlich stehen mögen, das Überhandnehmen des Parteiwesens in unserem öffentlichen jüdischen Leben als ein Unglück empfinden, weil sie in der dadurch bedingten Verschärfung der Gegensätze eine Gefahr für den Bestand der Gemeinden und, in einer Zeit höchster wirtschaftlicher und politischer Not, eine selbstmörderische Untergrabung unserer Widerstandskraft erblicken. Sie erstrebt eine Entgiftung des öffentlichen jüdischen Lebens durch Verwirklichung des Grundsatzes, daß in der jüdischen Arbeit nicht das Sonderinteresse der Parteien, sondern das Wohl des Ganzen den Maßstab der Dinge zu bilden habe und nicht durch Herausarbeitung des Trennenden die Gegensätze verschärft, sondern durch Betonung und Pflege des Gemeinsamen die Grundlagen für eine Verständigung geschaffen werden müssen. Sie will dieses Ziel dadurch erreichen, daß sie in die Vertretung der Gemeinden und Verbände Persönlichkeiten entsendet, die unbeschadet ihrer eigenen Einstellung, in ihrer öffentlichen jüdischen Tätigkeit sich nur als Vertreter der Gesamtheit fühlen und von der Überzeugung leiten lassen, daß nicht durch Radikalismus und extreme Forderungen von der einen oder der anderen Seite, sondern nur durch eine Politik, die eine Verständigung sucht, der Frieden und die Einheit der Gemeinden und des Judentums erhalten werden können. Sie will dadurch gleichzeitig wertvolle Persönlichkeiten der jüdischen Arbeit gewinnen, die, abgestoßen von der Verwilderung der Sitten und nicht gewillt, sich von einem Parteidiktat Norm und Wegziel weisen zu lassen, bisher von ihr ferngehalten haben, und sie erwartet davon eine gerade in der Gegenwart doppelt notwendige Bereicherung unseres öffentlichen jüdischen Lebens.“ Hierzu wird der JTA. weiter mitgeteilt: Aus den überaus zahlreichen Zustimmungserklärungen, die aus dem ganzen Lande eingelaufen sind und die ersehen lassen, daß in weitesten Kreisen, namentlich unter dem Eindruck der letzten politischen Entwicklung, der Schritt als das Gebot der Stunde und geradezu als erlösende Tat empfunden wird, seien diejenigen hervorragender Berliner Persönlichkeiten genannt, wie: Ministerialrat A. Abramowitz, Prof. Dr. Max Apt, Generaldirektor Felix Benjamin, Prof. Dr. Cora Berliner, Prof. Georg Bernhard, Geheimrat Prof. Dr. Ferdinand Blumenthal, Bankier Otto Carsch, Justizrat Max Chodziesner. Prof. Dr. Albert Einstein, Sanitätsrat Dr. Leopold Feilchenfeld, Dr. Ismar Freund, Prof. Dr. Glaessner, Chefredakteur Fritz Goetz, Univ.-Prof. Dr. Halberstädter, Dr. h. c. Aron Hirsch, Dr. med. Joseph Hirsch. Staatssekretär Prof. Dr. Julius Hirsch, Dr. Herbert Kann, Frau Dr. Erna Magnus, Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Dr. Rieß, Reichsbahndirektor Martin Rosenfeld, Geheimrat Prof. Dr. Rosin, Justizrat Dr. Ph. Salomon, Dr. Hans Schäffer, Geheimer Justizrat Berthold Timendorfer, Stadtrat Dr. Treitel, Syndikus Dr. Leon Zeitlin (M. d. L. und R. W. R.). Die Vereinigung hat auch in namhaften Kreisen der Jugend begeisterte Zustimmung gefunden, die neben dem großen Aktionsausschuß der Vereinigung einen be-