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Das jüdische Echo · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. Seite 559

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
Seite 559 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 559 Misrachi sofort aus der Weltorganisation austreten solle, oder ob noch ein letzter Versuch zu unternehmen sei, eine Neuorientierung der Weltorganisation in politischer, organisatorischer und finanzieller Hinsicht im Sinne der seit Jahren von der deutschen Landsmannschaft angestrebten Weise herbeizuführen. Mit 33 gegen 9 Stimmen bei einer Stimmenthaltung wurde eine Resolution angenommen, in der eingangs die unverbrüchliche Treue der deutschen Misrachisten zur Idee des Misrachi ausgesprochen wurde. Die Resolution rückt alsdann ab von der Methode der Arbeit in der Weltorganisation auf allen Gebieten und billigt die Haltung der deutschen Vertreter auf der Waad-Haroschi-Sitzung in Wien. Dem in Wien wiedergewählten Merkas wird mit Ausnahme des Organisationsbeitrages jede moralische und finanzielle Unterstützung versagt, die gleichgesinnten Misrachisten aller Länder sollen zu einer konstruktiven Aktion gesammelt werden, deren Sinn Erhaltung der misrachistischen Idee in ihrer Reinheit und Schaffung von organisatorischen Bedingungen, die die Durchführung des misrachistischen Programms ermöglichen, ist. Die Landeszentrale wird beauftragt, falls sie auf der kommenden Weidah Olamith mit umfassenden Sanierungsforderungen nicht durchdringt, den Austritt der deutschen Organisation aus der Weltorganisation zu erklären. Bis dahin sind schon alle Schritte zu unternehmen, um die Schaffung einer neuen Organisation zu ermöglichen, falls der Austritt unumgänglich wird. In weiteren Resolutionen wird die Landeszentrale beauftragt, Mittel und Wege zu selbständiger Arbeit für misrachistische Zwecke in Erez Israel zu finden und Organe zur Durchführung solcher Arbeit zu schaffen, ferner für Publizität der gefaßten Beschlüsse zu sorgen und den Kampf gegen den im Weltmisrachi herrschenden Kurs in der Öffentlichkeit zu führen. Der Tagung lagen Zustimmungserklärungen zu schärfster Opposition gegenüber den Weltmisrachi von seiten der Landeszentrale des holländischen Misrachi und von den maßgebenden Führern des Schweizer Misrachi vor. Der von der Landeszentrale vorgelegte Budgetentwurf wurde angenommen. In die Landeszentrale wurden gewählt die Herren Alexander Adler, Isi Eisner, Max J. Kober, Edmund Lewy, Prof. Hermann Pick, Dr. Werner Silberstein, Dr. Paul Sulzberger, Dr. Oskar Wolfsberg. Beginn des Weltkongresses für das arbeitende Palästina in Berlin Berlin , 29. September. (JTA.) Am Sonnabend, dem 27. September abends, wurde im .Sitzungssaale des ehemaligen Herrenhauses zu Berlin der erste Weltkongreß für das arbeitende Palästina in Anwesenheit von mehr als 200 Delegierten der verschiedensten Richtungen der jüdischen Arbeiterschaft aller Länder und etwa 1000 Gästen, unter ihnen hervorragende Persönlichkeiten des internationalen Sozialismus und des jüdischen Lebens eröffnet. Die Eröffnungsansprache hielt der Vorsitzende der allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth klalith), D. Ben-Gurion, in Hebräisch. Nach den ersten Worten des Redners erscholl von den Bänken der Fraktion der Linken Poale Zion stürmischer Protest; ununterbrochen wurde gerufen: „jiddisch reden, jiddisch reden!“, während der Kongreß dem Redne%r Beifall spendete und ihn ermutigte, hebräisch fortzufahren. Etwa eine Viertelstunde dauerte der Lärm, schließlich trat Ruhe ein und der Redner konnte hebräisch fortfahren, um dann den zweiten Teil seiner Ansprache in jiddischer Sprache zu halten. In den fünfundzwanzig Jahren revolutionären Aufbaus in Palästina, führte Ben Gurion aus, wurde dem gesamten Jischuw der Stempel jüdischer Arbeit aufgedrückt. Histadruth fragt nicht nach politischer Vergangenheit und Einstellung ihrer Genossen, ihr ist jeder willkommen, der arbeitet und fremde Arbeitskraft nicht ausbeutet. Histadruth ist keine Partei, aber auch nicht eine bloße gewerkschaftliche Organisation, sie hat staatsbildende Ziele, aber ihre Staatsidee ist nicht im heutigen Sinne, sie erstrebt einen Staat der Arbeitenden, den stufenweisen Aufbau einer großen Gemeinschaft, die berufen sein soll, das Problem des jüdischen Volkstums zu lösen. Wir erweitern die Grenzen Palästinas durch Erhöhung seiner Produktivität. Wenn wir einen Dunam Boden auf hundertfachen Ertrag bringen, so bedeutet das einen Gewinn von 99 Dunam. Wir brauchen darum niemanden aus dem Lande zu drängen. Unser Endziel: Territoriale und staatliche Unabhängigkeit für alle Bewohner; unsere Aufgabe: alle erfaßbaren Kräfte auf dieses Endziel hin zu konzentrieren. Palästina wird so jüdsch sein, wie das jüdische Volk es machen wird. Das jüdische Erez Israel kann nur ein Land der Arbeit und des Friedens sein; mit den arabischen Kindern des Landes wollen wir uns zusammenschließen. Arbeiter, Intellektuelle, Chaluzim — scharen wir uns um die palästinensische Arbeiterklasse, die zu einem Arbeitervolk werden will! Die erste Begrüßungsansprache hielt, vom Kongreß stürmisch akklamiert, Eduard Bernstein, der ausführte, es könne keine Meinungsverschiedenheiten darüber geben, daß ein nationales Heim für die Juden zu schaffen sei, höchstens darüber, in welcher Form dies geschehen solle. Durch seine mehr als siebzigjährige Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie habe er ein gesteigertes Empfinden für die Tendenz der Verbrüderung der Menschen in allen Ländern. Die Spezialanwendung dieser Tendenz in Palästina sei das Streben nach Gemeinschaft mit den Arabern. Professor Einstein, dem der gesamte Kongreß stürmisch huldigte, bemerkte, er sei zwar ein alter Schulmeister, heute aber sei er nicht hergekommen, um zu lehren, sondern um zu lernen. Die Juden seien eine Kulturgemeinschaft, sie wären als Volk untergegangen, wenn sie nicht eine Kulturgemeinschaft gewesen wären. Es komme nicht darauf an, wieviele Juden in Palästina sind, sondern darauf, daß das palästinensische Werk so beschaffen sei, daß alle Juden darauf stolz sein können. Generalsekretär Sassenbach überbrachte dem Kongreß die Glückwünsche des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der ihm angeschlossenen Organisationen. Als nun dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow das Wort erteilt wird, verlassen die Linken Poale Zion den Saal, während der Kongreß Sokolow eine langdauernde Ovation bereitete. Sokolow, der hebräisch sprach, begrüßte den Kongreß im Namen der Zionistischen Weltexekutive. In diesem Kongreß der Arbeit wolle er an das Herzl-Wort erinnern, daß Zion durch Arbeit erlöst werden wird. Die Zionistische Exekutive bringe die meisten Opfer für die Arbeiterkolonisation, sie sei an dem Gelingen des Arbeiterwerks interessiert und wünsche dem Kongreß besten Erfolg. Jean Longuet bemerkte, zur Linken gewendet, er hoffe, daß seine französische Ansprache — ob-

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