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Das jüdische Echo · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. Seite 558

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
Seite 558 (sequence 4)
Language
German
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558 Das Jüdische Echo Nr. 40 Beruf oder Geschäft sich abgearbeitet hat, abends noch eine anstrengende, Körper und Geist aufreibende nebenamtliche Tätigkeit mit all der Spann- und Tatkraft ausübt, die die Wichtigkeit der Sache verlangt; das kann nur ein hauptamtlich Angestellter tun, der sich ausschließlich dieser einen Aufgabe widmet, ohne anderweitg abgelenkt und ermüdet zu werden. Solche Stellen müßten aber nicht bloß in der Hauptgeschäftsstelle in der Zentrale der Abwehrbewegung, sondern auch auf besonders exponierten Posten wie München und Nürnberg (in München besteht ein Sekretariat des Central-Vereins. D. Red.) geschaffen werden, von da aus könnten ganze Bezirke einheitlich, nach bestimmtem Plan bearbeitet und versorgt und besonders auch den kleineren Landgemeinden, die so viel zu leiden haben, wertvolle Hilfe gebracht werden. Eine ex- und intensiv organisierte propagandistische Aufklärung mangelt bisher. Die Aufklärung selbst muß in richtigem Ton und Stil gehalten sein, nicht hochphilosophisch, sondern auch für den einfachen Mann verständlich, auch nicht immer vornehm zurückhaltend, sondern wenn es sein muß, in kräftigem, derbem Gegenstoß, dann wird sie viel Besseres leisten und andere Erfolge erzielen als unsere ganze bisherige Abwehrliteratur, die überhaupt nicht in die Hände kommt, in die sie eigentlich kommen soll. Wir haben in unseren Reihen genug politisch und journalistisch erfahrene und gewandte Männer, die einen richtigen Aufklärungsfeldzug ausarbeiten können; sie müßten auch einmal die Einstellung der Presse überhaupt zu jüdischen Fragen, und umgekehrt das Verhältnis der Juden zu den Zeitungen prüfen und zu bessern suchen. Denn auch da liegt vieles im Argen und mancherlei Fehler und Unterlassungssünden sind begangen worden, die, wenn überhaupt, nur sehr schwer sich ausgleichen lassen werden. Als Beispiel mögen die bayerischen Verhältnisse dienen. Bis vor einigen Jahrzehnten gab es in Bayern von bürgerlichen Blättern eigentlich nur streng klerikale und mehr oder weniger gemäßigt liberale, von letzteren waren führend die „Münchner Neuesten Nachrichten“ und die „Augsburger Abendzeitung“, beide in Beamten- und Lehrerkreisen und im guten Mittelstand ungeheuer weit verbreitet. Mit ihrer Schwenkung nach rechts werden sie, außer Juden, kaum einen einzigen Abonnenten verloren haben, im Gegenteil, die treue Leserschaft machte ohne viel Nachdenken die Schwenkung ihres Leibblattes mit und heute sind die Leser sicherlich alle ebenso rechts eingestellt, wie das Blatt selbst. Am schlimmsten ist es in Nordbayern. Der in Nürnberg erscheinende, ehemals freisinnigdemokratische „Fränkische Kurier“ sympathisiert heute mehr oder weniger offen mit dem Hakenkreuz, wenn er auch das Wort Jude meistens vermeidet, so trägt er doch ein großes Teil Schuld an der Gehässigkeit gegenAndersdenkende, an derVerhetzung breiter Volksschichten, an der Vergiftung der Volksseele, die ein früher nie für möglich gehaltenes Maß erreicht haben. Leider hat man in jüdischen Kreisen seinerzeit, als das Blatt käuflich war, es nicht fertig gebracht, die Konjunktur auszunützen und sich mindestens einen maßgebenden Einfluß zu sichern, dafür wurde ein neues Blatt von denkbar größter Bedeutungslosigkeit geschaffen, und heute müssen wir alle diese Unterlassungssünde von damals büßen. Sollte man es aber für möglich halten, daß in einem solchen offen oder versteckt antisemitischen Blatt auch heute noch jüdische Geschäfte annoncieren? Da müßte doch die Abwehrbewegung einmal eingreifen und jenen Firmen in nicht mißzuverstehender Deutlichkeit klarmachen, daß die Ausrede, durch das Annoncieren werde Schlimmeres verhütet, weiter nichts ist, als Heuchelei und bewußte Selbsttäuschung und daß die finanzielle Unterstützung antisemitischer Blätter durch jüdische Annoncen einen gleichen Hochverrat bedeutet wie wenn Waffen- und Munitionsfabriken während des Kriegs an das feindliche Ausland lieferten. Nur nicht genieren, nur nicht immer mit Glacehandschuhen zugreifen, nur nicht die übliche, üble „Uber-Ästhetik“, die schon oben erwähnt wurde. Kritisieren ist sehr leicht, besser machen sehr schwer; im Leben wird aber alles nach dem Erfolg beurteilt und* wo der Erfolg ausbleibt, wie in der Abwehrbewegung, da stellt sich die Kritik von selbst ein. Am leichtesten freilich tun sich diejenigen, die in ihrer Selbstkritik sich und anderen weißmachen wollen, wie herrlich weit wir es unter ihrer Führung gebracht haben und jegliche andere Meinung, jeden Besserungsvorschlag ohne weiteres zurückweisen. Selbsterkenntnis, Erkenntnis der gemachten Fehler, ist der erste Schritt zur Besserung, und wer sich der Selbsterkenntnis verschließt, muß eben von anderen auf seine Fehler aufmerksam gemacht werden. Mit der Erkenntnis aber, daß es nicht so weitergehen kann, sind schon die ersten Ansätze zur Besserung der unhaltbaren Zustände gegeben; auf diese einmal energisch hingewiesen zu haben, ist das große Verdienst Kreindlers; und seine allgemeinen Ausführungen durch lokale Betrachtungen zu unterstützen, ist der Zweck des vorstehenden Aufsatzes, der nur in Kürze einige wenige, durchaus nicht alle Einzelfragen anschneiden will. Zusammenfassend verlangt er: Übertragung der Führung an die Gemeinden, Erneuerung und Verjüngung der Führerschaft, intensivere Propaganda in verschiedenster Form, u. a. durch Anstellung hautptamtlicher Beamten. Mögen die vorgebrachten Warnungen und Anregungen, trotz Meinungsverschiedenheiten im einzelnen, auf fruchtbaren Boden fallen; die Sache ist erst genug. „Würden wir unsere Rechte leidenschaftlicher wahren, so würde niemand es wagen, uns so zu beschimpfen, wie es heute geschieht“, schreibt die C.V.-Zeitung in auffälliger Schrift auf der ersten Seite ihrer Nummer 37, 1930. Discite moniti! Nürnberg, vor Roschhaschonoh 5691, Sept. 1930. Spectator noricus. Delegierten tag des deutschen Misrachi Berlin, 30. September. (JTA.) Der Delegiertentag des deutschen Misrachi fand am 28. September in Berlin, im Gemeindehaus Rosenstraße 2, statt. Es beteiligten sich an ihm 41 Delegierte aus den deutschen Gruppen sowie 7 Mitglieder der Landeszentrale. Nach der Wahl des aus 'den Herren Hermann Struck, Haifa, Dr. Rabin (Breslau) und Dr. Rudolf Möller (Hamburg) zusammengesetzten Präsidiums wurden Referate gehalten über die misrachistische Arbeit der letzten zwei Jahre von Alexander Adler, über die Waah-Haroschi-Sitzung in Wien von Dr. Arnold Barth und über die letzte Aktionskomiteesitzung und die Haltung des Misrachi auf derselben von Dr. Oskar Wolfsberg. Die außerordentlich lebhafte Debatte, in deren Mittelpunkt die Waad-Haroschi-Sitzung und die Konsequenzen, die der deutsche Misrachi aus ihr ziehen soll, stand, nahm den ganzen Tag in Anspruch. Zur Debatte stand die konkrete Frage, ob der deutsche

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