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Das jüdische Echo · 1930-09-26 · 39 (26.9.1930) · p. Seite 550

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
Seite 550 (sequence 15)
Language
German
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550 Das Jüdische Echo Nr. 39 mondsegen“. Der Dichter beschreibt ein von Armut schwer mitgenommenes jüdischesHeim in einer kleinen russischen Stadt. Es ist Winter. Das Haus ist ungeheizt. Die Kinder liegen auf Strohsäcken und schlummern und träumen von Brot und die kranke Mutter kauert neben ihnen, um sie zu trösten und zu erwärmen. Aber draußen in der klaren eisigen Nacht, steht der Vater, die Augen ängstlich auf die schwindende Mondsichel gerichtet und bittet Gott, den fehlenden Teil wieder zu ergänzen. Er betet so inbrünstig, als ob es keine andere Sorge für ihn gäbe, als daß Gott nicht vergessen möge, den unvollendeten Mond wieder aufzurunden. Und wenn Gott sich nur des hilflosen Mondes erbarmt, wird alles gut sein. Und was entbehrten wirklich die Juden von Swislowitz in jener Yom Kippur- Nacht, wenn sie nach einem Tag des Betens und Fastens mit gereinigter Seele die Synogoge verließen? Sie hatten einander ihre Sünden vergeben und Gott hatte ihnen ihre Sünden gegen ihn verziehen. „Er besprengte sie mit reinem Wasser und vergab ihnen alle Sünden gegen ihn.“ Und das war alles, was sie brauchten. So sahen sie mit klaren Augen auf zum Himmel und ein Gefühl des Mitleids mit dem unvollkommenen Mond überkam sie. Da erhoben sie ihre Hände zum Mond und baten Gott, auch mit ihm Erbarmen zu haben ... War der Vater am Abend nach Hause gekommen, so legte er sein weißes Gewand ab, suchte einen Hammer mit zwei Nägeln hervor und ging hinaus, um die Nägel in jenen Teil der Mauer einzuschlagen, an den sich die Laubhütte beim bevorstehenden Fest anlehnen sollte. Es ist eine Sünde, bei heiligen Pflichten zu hasten. Faste den ganzen Tag, bete den ganzen Tag. Wenn du damit zu Ende bist, bete erst für das Wohlergehen des Mondes. Dann begib dich gemächlich heim, ziehe dein weißes Kleid aus, schlage ein paar Nägel für die Laubhütte ein und dann magst du dich niedersetzen zu einem Glas Tee. Es wird noch Zeit genug bleiben für die wohligen Dinge des Fleisches ... Übersetzt von Dr. Nadja Stein. Zwei Welten Zur Aufführung des Films im „Phöbus-Palast“ Der ehemalige B.Z.-Redakteur E. A. Dupont ist ein Filmregisseur von Berufung. Wenn es, nach meinen erfolgreichen Weltfilmen („Das alte Gesetz“, „Variete“ u. a. m.), noch eines Beweises bedurft hätte — mit diesem Tonfilm ist er erbracht. Der 5-chroffe Gegensatz zwischen ostjüdischem Denken, Handeln, Leiden und feudalaristokratischmilitärischer Mentalität ist mit großer Wucht und Eindringlichkeit abgewandelt. Eine andere Frage ist es, ob dieser, in vielen Einzelheiten krasse und unerhört erregende Stoff gerade in der jetzigen ohnehin mit Hochspannung geladenen Zeit nicht eher das Gegenteil von dem, was dem Autor vorschwebte, erreicht. Denn es wäre m. E. unehrlich, diesen Film unter der Flagge eines Unterhaltungsstückes segeln zu lassen, er i.s t Tendenzfilm (in seiner Schwarz-weiß-Technik streift er manchmal die ^Grenze des Erträglichen) und es drängt sich doch unwillkürlich der Gedanke auf: ist es klug, bestehende Gegensätze zu verschärfen, eine Kluft zu erweitern? Der Film bringt in breiter Form Episoden aus einem österreichisch-russischen Frontabschnitt des Weltkrieges. Ein adeliger Oberleutnant, infolge eines galanten Abenteuers allein in einem Ort zurückgeblieben, aus dem die Österreicher bereits abgerückt sind, fesch, hochnäsig, etwas oberflächlich, würde schwerverwundet in russische Gefangenschaft fallen, wenn er nicht durch die Jüdin Esther gerettet würde. Deren Bruder Nathan ist bei einem von den Österreichern nicht rechtzeitig unterbundenen Pogrom ums Leben gekommen. Der Offizier und Esther verlieben sich, eine Heirat dieser aus extrem verschiedenem Milieu stammenden Menschen wird durch beide Väter verhindert. Darstellung und Foto sind wirklich meisterhaft. In Herrn. V a 11 e n t i n ist uns ein neuer Schildkraut erwachsen. Seine Wiedergabe des jüdischen Uhrmachers Goldscheider läßt keinen, aber auch keinen Wunsch offen. Die große seelische Not beim Tode Nathans, beim erzwungenen Meineid, beim Zusammenbruch der Tochter, wird ergreifend von ihm gebracht; er vermeidet mit reifer Künstlers6haft jede Outrierung — eine hinreißende Leistung. Der Berliner Reinhardtschauspieler Paul G r ä t z verleiht dem Mendel echte Ghettogestalt, echt jede Bewegung, jedes Wort, jeder Blick. Die jugendlche Helene S i e b u r g wird noch von sich reden machen, hier ist ihr schon ein großer Wurf gelungen. Ihre Esther wirkt durch die schlichte Anmut und Zucht der Mimik. Auf der „anderen Seite“ stellt Friedrich K aiy s 1 e r einen wie aus Granit gemeißelten österreichischen Obersten hin. Allerdings zu preußisch — das typisch Österreichische ist ihm dialektmäßig und im Wesen etwas daneben gelungen. Auch der Oberleutnant Stanislaus des Peter V o ß muß mit Auszeichnung erwähnt werden — eine gar nicht leichte Aufgabe, es glaubhaft darzustellen, wie diesen jungen arroganten Adelsoffizier eine tiefe Neigung zum jüdischen Ghetto-Mädchen ergreift. Maria P a u d 1 e r ist, seit wir sie im Deutschen Theater zu München in einer Revuerolle zuletzt sahen, künstlerisch gewachsen. Die Tonwiedergabe ist sehr gut, einige Längen, besonders vor Einsetzen der eigentlichen Handlung und in den allzubreit geratenen Fronttheaterbildern, stören. Am wenigsten gut ist der Fluchtversuch zu Pferd des Oberleutnants gelungen, s o gemütlich ging es 1917 an der Front nicht her. Der Film als Ganzes betrachtet, verdient hohes Lob. Der Regisseur hat offenbar zu seiner eminenten Begabung in England und Kalifornien noch viel dazu gelernt. Er hat die Gattung der tönenden Filme um ein gutes Stück künstlerisch vorwärts gebracht. Wer gute Nerven hat, sehe sich den Film an, wir hätten es lieber gesehen, wenn er vor. zwei Monaten gekommen wäre. R. Gü. Gemeinden- und Vereins-Echo Das Jüdische Jugendheim München Die Münchener jüdische Jugend hat ein Heim! Nach langem Suchen, nach langen Vorbereitungen konnten die von der Israelitischen Kultusgemeinde in ihrem Hause Herzog-Rudolf-Straße zur Verfügung gestellten Räume, vier im ersten Stock, zwei im Dachgeschoß, zwei im Souterrain, die zusammen mit dem Lessingsaal und einem kleineren Saal im ersten Stock des Hinterhauses nun den Komplex des Jugendheimes bilden, so weit fertiggestellt werden, daß die Jugend am Donnerstag, dem 18. September, ihren Einzug halten konnte. Das Jugendheim läßt, wie festgestellt werden muß, noch vieles zu wünschen übrig Es hat zu wenig Räume; die Zimmer sind klein, an der Einrichtung mangelt manches (für jüdische Firmen und Einzelpersonen, die ein Herz für die Jugend

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