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Das jüdische Echo · 1930-09-26 · 39 (26.9.1930) · p. Seite 551

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
Seite 551 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 551 haben, ist noch ein weites Feld der Betätigung vorhanden, Einrichtungsgegenstände aller Art werden noch gebraucht); man sieht jetzt schon voraus, daß bei der großen Zahl der in Betracht kommenden Vereine, die nun ihre Arbeit im Jugendheim konzentrieren wollen: Kadimah, Kameraden, Esra, Mädchenklub. Jungzionistischer Arbeitskreis, Jugendverein, Jüdisches Kammerorchester, Turnverein „Bar-Kochba“, Jüdischer Kulturverein Perez, V.J.St. ,.Jordania“ im K.J.V., u. a. m., die Raumeinteilung große Schwierigkeiten machen wird — trotzdem das Heim, das man so lange ersehnte, ist da, und wenn es auch klein ist, so ist es doch so groß, daß man mit der Arbeit im und am Jugendheim beginnen kann. Am Jugendheim! Denn das Jugendheim soll mehr sein als eine Anzahl von Räumen; es ist auch eine Idee; die Idee nämlich, daß trotz aller Differenzierungen die jüdische Jugend zusammengehört. daß sie trotz aller verschiedenen Auffassungen gemeinsame Aufgaben hat und zwar einer Art, die sich gerade in einem Zentrum der jüdischen Jugend am ehesten erfüllen lassen. Gesehen werden diese Aufgaben einstweilen nur von der in Bünden und Vereinen organisierten Jugend, aber nicht für sie allein ist das Heim bestimmt. Sie kann sich als Sachwalter der Aufgabe und als Verwalter des Heims empfinden; sie wird aber in gemeinsamer Arbeit versuchen müssen, alle heute noch Abseitsstehenden in den Kreis des Heimes einzubeziehen. In diesem Sinne ist der Jugendausschuß der Kultusgemeinde an die Schaffung des Heims herangegangen, in diesem Sinne hat auch Frau Dr. Gertrude Weil mit außerordentlicher Hingabe gearbeitet, der, wie es allseits anerkannt wird, das Hauptverdienst an der Durchführung des Gedankens gebührt und der die Münchener jüdische Jugend deshalb besonderen Dank schuldet. Nachdem am Vormittag eine Führung,für Vorstand und Gemeindevertretung stattgefunden hatte, bei der das Heim seiner Bestimmung übergeben wurde, sah das Heim am Abend zum erstenmal die Jugend. So voll war der Lessingsaal bestimmt noch' nie! Kadimah und Kameraden in Kluft (oder muß man sagen in Uniform?), Angehörige aller anderen Jugendvereine und (hoffentlich!) auch Nichtorganisierte drängten und stauten sich; viele, wohl die meisten, mußten stehen. Trotzdem hörte man mit größter Ruhe und Aufmerksamkeit das einleitende Konzert des Jüdischen Kammerorchesters, das unter Leitung von Heinrich Lamm das Concerto grosso X von Händel aufführte und viel Beifall fand. In einer kleinen Ansprache dankte dann Max Schwarz von den Kameraden den Schöpfern des Heims, der Israelitischen Kultusgemeinde und Frau Dr. Gertrude Weil und gab den Wünschen und Hoffnungen Ausdruck, mit denen die Jugend das Heim übernimmt. Herr Oberstlandesgerichsrat Dr. Neumeyer sprach dann für die Gemeinde zur Jugend: er erkannte an, daß das Heim den vorhandenen Bedürfnissen kaum genüge und bedauerte, daß die Verhältnisse die Ausführung größerer Pläne nicht zugelassen hätten, an dem Gedanken eines Gemeindehauses, das letztlich zu erstreben sei, halte die Gemeinde jedoch fest. Immerhin könne die Jugend sich auch in nicht so glänzenden Räumen wohlfühlen, er hoffe, daß das gemeinsame Heim die Jugend aller Richtungen zur gemeinsamen Arbeit vereinen werde. „Der junge David“, den dann Manfred Sturmann selbst las, begreift im Bilde Davids, auch das Sein und das Sollen jüdischer Jugend. Historisches Element und jugendliches jüdisches Erleben verschmelzen zu einer höheren Einheit, wie im „Fliegerpsalm“, dem zweiten Gedicht, das Sturmann las, Religiosität und das Erleben moderner Technik, und so legen gerade diese beiden mit Geschick gewählten Gedichte Zeugnis ab für ein Lebensgefühl, das man in gleicher Intensität, Reinheit und Selbstsicherheit der ganzen jüdischen Jugend wünschen möchte. Von der „Rosenschlacht“, einem Fragment, das Sturmann zum Schlüsse las, kann man das weniger behaupten. Die innere Auflehnung gegen das allzustarre Regiment des Vaters, gegen das allzuharte, unergründliche und unerweichliche Dasein des Gärtners. das einen kleinen Jungen dazu treibt, die von beiden geliebte Rosenzucht aus Rachsucht zu zerstören, ist gewiß gut gesehen und gut geschildert, das Fragment verrät nicht nur Verständnis für die Kinderpsyche, sondern auch die Fähigkeit sie darzustellen — man hätte sich trotz all dieser Vorzüge für die Eröffnung des Heims einen optimistischeren Ton gewünscht. — Bei Tee und Kuchen, die es dann in den Räumen des Vorderhauses gab, wird man ohnehin nicht allzu lang des Zerstörers aus Hunger nach Liebe und Gemeinschaft gedacht haben und man durfte es im sicheren Besitz dessen, was Liebe zur Jugend und gemeinschaftliche Arbeit für die Jugend zustande gebracht hatten; die göttlich heiteren Klänge von Mozarts kleiner Nachtmusik, die das Kammerorchester im Hofe noch aufführte, und schließlich Schuberts Menuett Nr. 3 gaben dem Abend einen freudigen und hoffnungsfrohen Ausklang. Wenn etwas an der Veranstaltung auffiel, man kann vielleicht nicht einmal sagen auszusetzen war, so dies, daß man nicht gemeinsam gesungen hat. Zu sehr war offenbar die Jugend Publikum, das kam, um t hinzunehmen, was ihm geboten wurde und zu wenig selbst aktiv — daß dies anders wird, gehört zu den ersten Aufgaben des ,. Jugendheims“. I. E. München. Kadimah E. V. — Kameraden im Jüdischen Jugendheim, München, Herzog-Rudolf- Straße 1, haben Herrn Dr. Max Mayer (Berlin) eingeladen, am Montag, dem 29. September, abends 8 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf- Straße 1, über „Die Schule der jüdischen Jugend in Berlin“, deren Leiter er ist, zu sprechen. Wir glauben aus seinen Erfahrungen und Berichten für den inneren Aufbau lernen zu können und laden alle Mitglieder des Jüdischen Jugendheims und die nichtbündische Jugend hierzu herzlichst ein. Hebräische Sprachkurse München. Montag, den 8. September, hat der hebräische Unterricht begonnen. In sämtlichen bestehenden Kursen, wie auch im Grammatik- und Bibelkurs werden neue Schüler aufgenommen. Nach den Feiertagen beginnt ein Anfänger- und ein Mütterkurs, der es den Müttern ermöglicht, den hebräischen, sowie den Religionsunterricht ihrer Kinder zu überwachen. Vorderhand bleibt der bisherige Stundenplan: 1 Mo 8-10 Uhr abends Anfängerk. - - - Di 7—8 Uhr morgens Kurs II 7.30—9X0 Kurs V - - Mi 4.00—5.15 Kinderkurs III 5.15-6.15 abends Kinderkürs II 7—8.15 Uhr abends Kurs III/IV abends Jesaia- Vorlesung Do 1.30-3 Uhr Kurs I 7.15-8.15 Kurs II 8.15-9.15 Grammatikkurs -

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