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Das jüdische Echo · 1930-09-26 · 39 (26.9.1930) · p. Seite 545

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
Seite 545 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 545 radezu Erbfolgerecht zu besitzen scheint. Was liegt denn daran, wenn in überschäumender jugendlicher Begeisterung in der schlichten Sprache des einfachen Mannes einmal eine Entgleisung vorkommt, wie es auch bei den anderen, übrigens sogar in unseren eigenen Reihen trotz Alter und Bildung, geschieht? Das wäre gar nicht so schlimm, auf alle Fälle viel besser, als der jetzige Zustand, wo jedes frische Draufgängertum fehlt, wo man zwischen allen möglichen Wenn und Aber, zwischen theoretischen Hemmungen und zurückhaltenden Bindungen sich hindurchwindet, statt kräftig aus- und zuzupacken. „Erneuerung der Führerschaft“ ist die Forderung des Tages auch bei uns, hoffentlich erfüllt man sie nicht zu spät. Schluß folgt. Zum Inkrafttreten des Bayerischen Schächtverbots Ein Aufruf der Bayerischen Rabbiner-Konferenz Nürnberg, 14. September. (JTA.) Die Bayerische Rabbiner-Konferenz veröffentlicht den folgenden Aufruf: „An alle bayerischen Juden! Der 1. Oktober, der Vortag des diesjährigen Versönungsfestes, ist für uns bayerische Juden ein Tag des tiefsten Schmerzes, ein Tag schwerer seelischer Bedrückung. An ihm tritt das vom bayerischen Landtag beschlossene Betäubungsgesetz -in Kraft, das in seiner Auswirkung in Wirklichkeit nichts anderes als ein Verbot des rituellen Schlachtens bedeutet. So hält dieser Tag uns die schmerzliche Tatsache vor Augen, daß in unserem geliebten bayerischen Vaterland — einstmals das Land der Gerechtigkeit und Duldsamkeit, das Land der Gewissensfreiheit und der ungehinderten Religionsübung für alle Bekenntnisse — uns Juden gegenüber ein Angriff auf das Palladium der Gewissensfreiheit, wie auf unsere staatsbürgerlichen Rechte möglich geworden ist. Wir müssen uns leider vor dieser Tatsache beugen, die uns für kürzere oder längere Zeit schwere drückende Notwendigkeiten auferlegt. Unmännliches Klagen vermag uns nicht zu helfen. Es gilt dem Unabänderlichen ins Auge zu schauen, den Schwierigkeiten die Stirne zu bieten, das Schwere und Unbegreifliche würdig zu tragen. In eingehenden Beratungen und treuer, umsichtiger Arbeit haben die religiösen und weltlichen Führer Ides bayerischen Judentums, zusammen mit den Vertretern des jüdischen Metzgergewerbes in Bayern, auf dessen Erhaltung die jüdische Bevölkerung bedacht sein muß, die Voraussetzungen für den Fleischbezug aus außerbayerischen Ländern geschaffen. Die Durchführung wird sich, zumal in der ersten Zeit, nicht leicht gestalten und die Mitglieder unserer Glaubensgemeinschaft werden nicht geringe Opfer bringen müssen. Dennoch zweifeln wir keinen Augenblick, daß das bayerische Judentum mit starkem Willen und mit zähem Opfersinn sich der schwierigen Lage gewachsen zeigen und an der Heiligung seines Lebens im Sinne der religiösen ‘Speisevorschriften festhalten wird. Hat doch zu allen Zeiten, wenn es galt, einen Angriff auf ihre religiösen Heiligtümer abzuwehren, die jüdische Glaubensgemeinschaft einmütig zusammengestanden und, wie die jüdische Geschichte es auf allen ihren Blättern zeigt, rühmenswerte Stärke und leuchtenden Opfersinn bewährt. Wir hegen deshalb zu der Gesamtheit unserer Glaubensbrüder und Glaubensschwestern das feste Vertrauen, daß auch diejenigen, die bisher in der Beachtung der religiösen Speisevorschriften zurückstanden, nicht melr zur Seite stehen, daß sie durch ihre Beteiligung an den zu bringenden Opfern uns im Kampfe um unsere Gewissensfreiheit unterstützen und auf solche Weise ihr Gemeinschaftsgefühl und ihre brüderliche Gesinnung betätigen werden. An alle unsere bayerischen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern richten wir somit die dringende und herzliche Bitte, daß sie der heiligen Sache der Religion die Treue wahren und in richtiger Würdigung der schweren Zeit, in die wir hineingestellt sind, sich als pflichtbewußte Bekenner unseres Glaubens bewähren mögen. Möge das bayerische Judentum in solcher Zeit der Drangsal nicht versagen und nicht enttäuschen! Nürnberg, den 19. Elul 12. September 1930. Bayerische R a b b i n e r k o n f e r e n z Dr. Freudenthal Dr. Stein.“ Goebbels droht mit Pogromen Berlin, 22. September. (JTA.) Die Sonntagsausgabe der Zeitung „Tempo“ veröffentlicht ein Referat über eine im Saal des Kriegervereinshauses in der Chauseestraße am Freitag abend abgehaltene Versammlung von 300 Nationalsozialisten, zu der nur Mitglieder gegen Ausweis Zutritt hatten. Die Türen waren während der Reden geschlossen gehalten, die Eingänge wurden scharf kontrolliert. Das Referat stützt sich auf die stenogiaphische Aufnahme eines Versammlungsteilnehmers. Der neugewählte Abgeordnete Dr. Loepelmann führte u. a. aus: Für die Regierung gibt es drei Wege: 1. Die Große Koalition. Dieser Plan wird scheitern an der Wirtschaftspartei und dem Landvolk. 2. Militärdiktatur unter Herrn v. Seeckt. 3. Eintritt der Nazis in die Regierung. Aber vorher müssen gewisse Bedingungen erfüllt werden: Nazis erhalten das Reichswehrministerium und das Reichsinnenministerium, Auflösung des Preußischen Landtags. Absetzung aller marxistischen Beamten, wie z. B. des Berliner Polizeipräsidenten usw. Nachdem nunmehr 107 Abgeordnete in den Reichstag einziehen, werden Gelder flüssig, da die Abgeordneten einen Teil ihrer Diäten der Parteikasse zuführen. Die Abgeordneten lassen sich von ihrem Dienst beurlauben, um ungestört für die Partei arbeiten zu können. Das System soll und muß uns bezahlen, damit wir es stürzen können. Dr. Goebbels führte aus: Die ganze ausländische Presse ist schon bei uns angetanzt, um sich zu erkundigen, was wir machen wollen. Unser Ziel ist, die Republik schachmatt zu setzen. Haben wir diese Partie gewonnen, so beginnt die Partie mit der Welt. Eine Revolution braucht in diesem Miststaat nicht erst gemacht zu werden. Wir sind verfassungstreu und bereit, jeden Eid zu schwören. In die Regierung gehen wir nur durch offene Türen. Bleiben uns die Türen verschlossen, und dauert es zu lange, dann schlagen wir die Türen ein. Einen Terror, wie er bisher gegen uns angewendet worden ist, lassen wir uns nicht weiter gefallen; wir haben auch dann den Mut, die Republik in ein Chaos zu verwandeln. Mir ist gesagt worden, schloß Goebbels, die Juden haben jetzt nur noch ein Mittel gegen uns,

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