Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 535 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 535 antisemitischen Kurses ist. Jedenfalls wurde durch Rothschilds Haltung Österreich vor einem Putsch bewahrt. Neuregelung der Flüchtlingsfragen durch den Völkerbund Genf, 8. September. (JTA.) Die interstaatliche Flüchtlingskommission hat in ihrer Sitzung vom 4. September die dem Völkerbundrat zu unterbreitenden Vorschläge über die künftige Organisation des Flüchtlingswerkes endgültig formuliert. In Zukunft soll es dem Generalsekretär des Völkerbundes obliegen, Status und rechtlichen Schutz der Flüchtlinge zu sichern, während die Aufgabe der Flüchtlingshilfe in Form von Erleichterung der Niederlassung und Existenzgründung einem selbständigen Institut zufallen wird, das im Rahmen des Völkerbundes errichtet werden soll. Horia Carp veröffentlicht neue Tatsachen über die Niederbrennung des jüdischen Teils von Borscha Wien, 14. September. (JTA.) Im „Curierul Israelit“ veröffentlicht der frühere Senator Horia Carp einen Artikel, in welchem er auf zwei bisher unbekannt gebliebene Tatsachen im Zusammenhang mit dem Brand in Borscha hinweist, die geeignet sind, ein neues Licht auf diese Affäre zu werfen. Zunächst wird berichtet, daß am Vorabend des Ausbruchs des Brandes, in der Nacht von Donnerstag zum Freitag, vier christliche Einwohner Borschas, deren Häuser im jüdischen Stadtteil lagen, ihre Wohnungen räumten und mit Sack und Pack in den anderen Teil der Ortschaft zogen. Den jüdischen Nachbarn erklärten sie auf deren Frage zögernd, es sei etwas im Anzug und sie wollen sich in Sicherheit bringen. Diese vier Einwohner wurden trotz wiederholtem Verlangen seitens der jüdischen Bevölkerung vom Staatsanwalt nicht vernommen, ihre anderweitig gegebenen Erklärungen wurden nicht protokolliert. Ein anderes Faktum, das ebenso überraschend wie für die Feststellung der Wahrheit über den Brandausbruch von Wert sein könnte. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag bemerkten jüdische, von der Gemeinde aufgestellte Wächter, mehrere Bauern, die Säcke auf dem Rücken trugen. Auf die Frage der Wächter, wohin sie die Säcke trügen, antworteten sie: in den Keller des Ilie. Dieser Transport schien damals nicht weiter verdächtig und wurde dann vergessen. Vor einigen Wochen nun meldete der Postchef von Borscha, ein Freund der antisemitischen Agitatoren, daß ihm während des Brandes 30 Säcke Tabak — in den kleineren Ortschaften ist die Postbehörde auch Vertreterin der „Tabakregie“ — fehlten, die sicherlich von den Juden in der Panik des Brandes entwendet worden waren. Es begann eine Untersuchung, die sehr peinliche Folgen für die Juden hätte haben können, wenn sich nicht einige der jüdischen Wächter an den nächtlichen Transport erinnert hätten. Die untersuchende Behörde wurde in den Keller des Ilie geführt, wo der Tabak tatsächlich vorgefunden wurde. Es scheint auch hieraus hervorzugehen, daß „Eingeweihte“ wohl gewußt hatten, daß eine Brandlegung vorbereitet wurde. Pauline Hift-Herzl, Theodor Herzls älteste Tocher, gestorben London, 10. September. (JTA.) Die Zionistische Exekutive teilt mit, daß Theodor Herzls älteste Tochter, Frau Pauline Hift-Herzl, am Montag, dem 8. September, nach langer Krankheit in Bordeaux gestorben ist. Dem Wunsche der Verstorbenen gemäß, trifft die Exekutive Vorbereitungen, ihre irdischen Überreste nach Wien zu überführen, um sie in der Herzischen Familiengruft zu bestatten. Simpsons Bericht der jüdischen Einwanderung günstig? London, 14. September. (JTA.) Außenminister Henderson hat bekanntlich in der Sitzung des Völkerbundsrates zu Genf erklärt, daß die Regierung bereits im Besitze des Berichtes ihres speziellen Beauftragten für Palästina, Sir John Hope Simpson, ist, und daß sie diesem Bericht große Aufmerksamkeit zuwendet. Die Londoner jiddische Tageszeitung „Cajt“ (The Jewish Times) erklärt, aus sicherer Quelle erfahren zu haben, daß Sir John Simpsons Bericht der jüdischen Einwanderung in Palästina eine gute Prognose stellt. Simpsons Bericht soll nach dieser Quelle die Schlußfolgerung zulassen, daß unter guten Entwicklungsbedingungen Palästina Raum für eine neue Einwanderung von weiteren 30 000 jüdischen Landwirtschaft treibenden Familien bietet, wobei es sich von selbst versteht, daß eine also vergrößerte jüdische Kolonisation auch die Möglichkeit für eine bedeutende Vergrößerung der Handel und Industrie treibenden jüdischen städtischen Bevölkerung bietet. Simpson wünscht aber, daß diese Entwicklung nur stufenweise vor sich gehe, für die unmittelbare Gegenwart sei er gegen eine erhebliche jüdische Einwanderung. Eine Bestätigung dieser Information war bisher nicht zu erlangen. Neue Truppen für Palästina London, 11. September. (JTA.) Wie „Daily Express“ meldet, haben das Aldershoter erste Bataillon des Royal Lancaster Regiment, dessen Inhaber der König ist, und das erste Bataillon der Royal Warwicks Marschorder nach Palästina erhalten. Die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten im abgelaufenen Einwanderungsjahr Washington, 12. September. (JTA.) Im Verlauf des letzten Einwanderungsjahres kamen unter 44 676 Einwanderern 11 526 Juden in die Vereinigten Staaten, Die den Ländern Rußland, Polen, Litauen, Tschechoslowakei, Rumänien, Ungarn, Deutschland und Palästina zugestandene Einwanderungsquote war während des im Juni 1930 abgelaufenen Einwanderungsjahres voll ausgenutzt worden. Einigungsverhandlungen in der Klagemauerfrage gescheitert Jerusalem, 8. September. (JTA.) Die vor etwa einer Woche unter Mitwirkung der Palästinaregierung eröffneten Verhandlungen zwischen Juden und Arabern über eine Einigungsformel im Klagemauerkonflikt wurden nunmehr ergebnislos abgebrochen. Die starre Unnachgiebigkeit des Großmufti von Jerusalem macht eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen unwahrscheinlich. Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde und Mitglied der Exekutive des Waad- Leumi, Josef Meyuchas, hatte sich schon kurz nach der Aufnahme der Verhandlungen dem Vertreter der JTA gegenüber dahin geäußert, daß er an die Möglichkeit einer Verständigung im Klagemauerstreit nicht glaube. Die Juden hätten die äußersten Zugeständnisse gemacht, die Araber aber seien jedem Argument unzugänglich. Zusammenstöße zwischen Arabern und Polizei in Wadi Hawarith Jerusalem, 12. September. (JTA.) Auf den Wadi-Hawarith-Böden ist es zwischen der Polizei