Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 532 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das .lüdische Echo Nr. 38 332 kabinett Brüning in loser Verbidung mit der Sozialdemokratie. Manche demokratische Zeitungen bezeichnen Hitlers Sieg als einen Pyrrhussieg und meinen, daß nach dieser Kulmination der nationalsozialistischen Bewegung der Abstieg erfolgen müsse. Das Volk werde jetzt von den Nationalsozialisten Taten verlangen, zu positiver Arbeit seien aber die Hitlerleute nicht fähig, da sie einerseits kein Programm haben, anderseits, in ihrer Aktionsfähigkeit durch ihre Bindung an kapitalistische Gönner gehemmt, wohl nicht daran gehen können, ihre nebelhaften sozialen Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Demgegenüber erwartet man, daß sie — eben um diese Programm- und Tatenlosigkeit zu kaschieren — ihren Radikalismus im Parlament steigern und das Schwergewicht auf ihre antisemitische Politik legen werden. Bodenerwerb heute und morgen Rückblick und Ausblick zu Rosch Haschanah 5691 „Man kann sich Boden ohne Menschen vorstellen, aber nicht /Menschen ohne Boden“, sagte Ussischkin auf der eben beendeten Tagung der Jewish Agency in Berlin. „Ohne Boden würde auch in Palästina ein neues Ghetto entstehen, nicht das freie Land eines freien Volkes.“ Diese schönen Worte zeigen klar, was der Sinn unserer Arbeit für den Keren Kajemeth ist. Hat sie im abgelaufenen Jahr Früchte getragen? Palästina blickt auf ein außerordentlich schweres Jahr zurück, in dem das Aufbauwerk einer harten Prüfung unterzogen war. Der Jischuw hat sich indessen nicht beirren lassen und ist seinem Entschluß, die Positionen zu halten, treu geblieben. Ja er ist moralisch gestärkt aus diesen Prüfungen hervorgegangen und hat einmütig beschlossen, das Werk mit allen Kräften fortzusetzen. Es hat ungewöhnlicher Anstrengungen bedurft, um das Bestehende zu erhalten. Unter diesen Umständen muß es als besonders hohe Leistung verzeichnet werden, daß der Keren Kajemeth gerade in dieser Zeit auf eine ganze Reihe von neuen, wichtigen Unternehmungen hinweisen kann. Besonders, wenn man berücksichtigt, daß die finanzielle Lage unseres Fonds infolge der Verpflichtungen, die er aus seinen früheren Bodenkäufen noch zu erfüllen hat, eine ungeheuer angespannte ist. Sobald nur die ersten Erschütterungen nach den Ereignissen des Aw 5689 überwunden waren, wurde an die Fortsetzung der Arbeit gedacht, ln diesem schweren Jahr hat der KKL doch 12 620 Dunam landwirtschaftlichen Bodens in seinen Besitz gebracht, darunter einige besonders wichtige Gebiete für intensive Kulturen (z. B. in der Gegend von Beisan 3 600 Dunam, in der Ebene Scharon 2 280 Dunam), die ersten Käufe aus den 15 000 Dunam, zu deren Auslösung die südafrikanischen Zionisten sich verpflichtet haben. In der für uns so bedeutungsvollen Pflanzungszone von Judea hat der KKL 2 927 Dunam erworben, bei Rechoboth, Kfar Saba, Petach Tikwah und Kfar Mlal. Der Erwerb einer Fläche von 1 500 Dunam vergrößert unseren Boden-Besitz, im Haifa-Bay- Gelände. Schließlich ist der Kauf einer Fläche von 2 287 Dunam im Emek Jesreel zu erwähnen, die eine Lücke im jüdischen Bodenkomplex im westlichen Emek ausfüllt. Ferner wurden in der gleichen Zeit eine Reihe von städtischen Grundstücken auf den Namen des KKL übertragen, und zwar in Jerusalem, Tel Awiw und Haifa, insgesamt 64 400 Pic. Viel größer sind die Flächen, deren Kauf in der genannten Periode durch Verträge entriert wurde: 62 300 Dunam! Wadi el Chawarith wird nach langwierigen Verhandlungen in der nächsten Zeit in den Besitz des KKL übergehen. Aus den Spenden der südafrikanischen Zionisten wurden Verträge über 12 700 Dunam in Scharon abgeschlossen, in Judea 3 000 Dunam, darunter bei Petach Tikwah Land zur Ansiedlung einer großen Anzahl von Arbeiterfamilien. Im Beisangebiet wurden weitere 4 200 Dunam abgeschlossen, an zwei Stellen im Emek weitere 7 200 Dunam. Schließlich sei erwähnt, daß der KKL etwa 20 000 Dunam Böden der American Commonwealth übernimmt. Um der ernsten Gefahr des Rückfalls dieser Böden an die arabischen Grundbesitzer vorzubeugen, hat der KKL mit dem Keren Hajessod eine Vereinbarung getroffen, wonach er die Böden zu einem angemessenen Preis übernimmt. Die Summierung der aufgezählten Flächen ergibt, daß der KKL in den letzten 9 Monaten Transaktionen im Umfang von etwa 80 000 Dunam gemacht hat. Der Besitz des KKL wird damit bis Ende des Jahres um 28 Prozent vergrößert sein. Wir haben Geld und wir haben Zeit und Arbeit geopfert. Aber hat es sich nicht gelohnt? 28 Prozent Zuwachs — unser Werk! Wir haben auch auf unseren anderen Arbeitsgebieten, Vorbereitung des Bodens und Aufforstung, unsere Arbeit nicht verringert. Nach den vorjährigen Ereignissen waren die Arbeiten im Haifa-Bay-Gelände für eine kurze Zeit unterbrochen, dann aber mit unverminderter! Intensität wieder aufgenommen worden. Der größere Teil dieser Arbeiten ist nun beendet, so die Verschüttung des Flusses Fuwara, durch die das ganze Gebiet trokken gelegt wird. Es wurde ein 5—6 Kilometer langer Kanal gebaut, 3 bis 10 Meter breit, der das Wasser in den Kischon und von dort ins Meer leitet. Außerdem wurde die Amelioration im Gebiete von Kubebe, wo jetzt eine Reihe neuer Siedlungen errichtet wird, in Angriff genommen. Für Wasserinstallationen an sicheren Orten von Judea wurde LP 5 963 verausgabt. Aus den Mitteln einer besonderen Zuwendung wurden in Kfar Marmorek (bei Rechoboth) 10 Jemenitenhäuser für den Betrag von LP 1 327 errichtet. Eine Freude ist es auch, über unsere Aufforstungsarbeiten zu berichten. In neun Monaten dieses Jahles wurden 233 476 Bäume gepflanzt, der Bestand unserer Wälder wird bald eine Million Bäume erreichen. Die Angebote der arabischen Grundbesitzer häufen sich bei uns von Tag zu Tag. Es ist eine Tatsache, daß wir gerade jetzt Verträge über sehr bedeutende Bodenflächen abschließen könnten, wenn wir nur über genügend Mittel verfügten. Die politische Situation wird sich nach dem Bericht Sir John Hope Simpsons klären. Wir müssen aber darauf gefaßt sein, daß in Zukunft viel größere Anstrengungen als bisher erforderlich sein werden. Der Shaw-Bericht, welchen die englische Regierung zur Grundlage ihrer weiteren Palästina- Politik machen wollte, hat in der Bodenfrage eine wichtige Feststellung gemacht, mit der gewissen Behauptungen der Araber deutlich entgegengetreten wird: „Zwischen 1921 und 1929 gab es große Bodenkäufe, in deren Folge Gruppen von Arabern, ohne daß ihnen anderer Boden beschafft wurde, entsetzt wurden. In einigen Fällen erhielten die depossedierten Araber Barent-