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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 508

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 508 (sequence 15)
Language
German
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508 Das Jüdische Echo Nr. 36 den unsozialen Sonntagsruhe-Gesetzen unserer Länder. So wurde dennn das religiöse Sabbat- Problem; in unserer Zeit zu einem sozial-ökonomischen Problem, und die Lösung ist hauptsächlich auf sozialökonomischem Wege zu suchen. So mußte eine Organisation geschaffen werden, die alle sabbatbejahenden Kräfte für den Abwehrkampf vereinigen soll. Aus dieser Erkenntnis heraus ist der Weltverband für Sabbatschutz, mit seinem absoluten überparteilichen Charakter, entstanden, und zu dem genannten Zwecke ist dieser Sabbat-Weltkongreß einberufen worden. Leider glauben noch viele Regierungen, daß eine Milderung der Sonntagsruhe-Gesetzgebung ihren jüdischen Bürgern gegenüber unangebracht sei, obwohl die Erfüllung unseres Verlangens in dieser Richtung nicht nur für uns, sondern auch für unsere christlichen Nachbarn von Nutzen ist. Drei große Kulturnationen Europas, die in ihrer Großzügigkeit unseren Wünschen entgegengekommen sind, bezeugen dies am besten. Der Weltverband für Sabbatschutz, schloß Dr. Grünberg, richtet von dieser Tribüne aus einen Apell an alle Kulturnationen, in deren Mitte Teile unseres Volkes leben, hierin Wandel zu schaffen. Gebet dem alten jüdischen Volk die Möglichkeit seinen Sabbat zu halten! Was in England, Frankreich und Holland möglich ist, kann und muß auch in anderen Ländern möglich sein. Möge unserer Arbeit für den Sabbatschutz der denkbar größte Erfolg beschieden sein! Nach einer langen Reihe von Begrüßungsansprachen hielt Dr. Paul Sulzberger, Vizepräsident des Weltverbandes der Schomre Schabbos sein Referat über „Sabbat und Wirtschaft“. Das Thema sollte besser: Sabbat gegen Wirtschaft — heißen; denn inmitten des modernen Wirtschaftslebens erscheint die Aufrechterhaltung des Sabbat fast unmöglich. Aber daß Ideen wirtschaftliche Dinge maßgebend beeinflussen können, zeigt die Geschichte. Der Redner gibt eine Betrachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gebiete, in denen die Juden wirtschaftlich betroffen sind. Der Redner setzte auseinader, wie man wirtschaftlich den Schomre Schabbos helfen kann. Wo Kollektivarbeit geleistet wird, in Großbetrieben und Fabriken, ist es schwer, leichter ist es, wo der einzelne für sich oder in kleineren Gruppen Arbeit leistet, am leichtesten in den selbständigen freien Berufen. Stellenvermittlung wird nicht vom Verband, sondern von den ihm angeschlossenen Organisationen geleistet. Schon bei der Erziehung und Berufswahl der jungen Generation, besonders in den östlichen Agrarländern, muß auf die Umschichtung der jüdischen Menschen in eine kleinbäuerliche Schicht in Form geschlossener jüdischer bäuerlicher Siedlungen hingewirkt werden. In zweiter Linie rr-uß die Berufswahl auf das nichtfabrikmäßig betriebene Handwerk gelenkt werden. Wertvolle Vorarbeit ist durch die Berufsvorbereitung der Chaluzim für Erez Israel geleistet, deren Erfahrung und Organisation wir uns zunutze machen können. Ist doch gerade in Palästina der neue Typ des jüdischen Bauers und Arbeiters entstanden. Aus diesem Grunde gehört auch diel Förderung der Palästina-Arbeit zu unserem Programm, weil in Erez Israel der Umschichtungsprozeß überhaupt am Anfang der Arbeit steht und jeder, der dort hingeht, auch Sabbat halten kann. Der Redner machte dann eine Reihe von praktischen Vorschlägen. Das Schlußwort hält Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach aus Altona. Er bezeichnet den Sabbat als das große „schaar hamisrach“, durch das die Gesamtjudenheit den Weg zurückfindet zum Tempel des Judentums, der von den Propheten gemeint ist als der Tempel der Menschheit. Referate über Kalenderreform Mit großer Spannung angehört werden „Referate zur Kalenderreform“: Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln) rückt in den Mittelpunkt seiner Darlegungen die religiöse Bedeutung des stabilen Sabbat-Tages: Das Korreferat hält Rabbiner Dr. Lewenstein (Zürich), zugleich als Vertreter des „Internationalen jüdischen Komitees betr. Kalenderreform“. Der Referent verbreitet sich über die Einzelheiten der einschlägigen Kalenderreformfragen. Sonntagsruhe und Fünf-Tage-Woche Berlin, 26. August. (JTA.) In der Nachtsrtzung des ersten Weltkongresses der Schomre- Schabbos-Bewegung im Berliner Brüdervereinshause vom 27. August erstattete Stadtrat Desider Korein (Budapest) sein Referat über „Sonntagsruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik“. Er setzte die Erfahrungen auseinander, die er in 30jähriger Arbeit zum Schutz der sabbattreuen Juden Ungarns gewonnen hat. Während früher der Sonntag ein ausschließlich kirchlich motivierter Ruhetag war, und sich daher der gesetzliche Zwang zur Arbeitsruhe lediglich auf Christen beschränkte, geht die moderne, für die Sabbathaltung katastrophale Entwicklung der Sonntagsruhegesetzgebung im Wesentlichen darauf zurück, daß zu den kirchlichen Motiven sozialpolitische hinzutreten, wodurch eine kirchlich-sozialistische Einheitsfront für die absolute Sonntagsruhe entstanden ist. Die ausdrückliche Berücksichtigung sabbathaltender Juden in der Sonntagsruhe-Ge'setzgebung nach dem Beispiele Hollands ist unter den gegebenen Verhältnissen nicht zu erwarten. Bei der Bekämpfung der absoluten Sonntagsruhe muß man sich daher auf die sozialpolitischen Argumente beschränken, die aber in der Tat so wirksam sind, daß sie z. B. in Ungarn, nachdrücklich vorgebracht, die gesetzliche Verfügung absoluter Sonntagsruhe verhindert haben. Gute Erfahrungen sind auch mit der Verlegung des Lohnzahltages vom Wochenende in die Mitte der Woche gemacht worden, die Redner für die Budapester städtischen Arbeiter im Stadtrat unter sozialpolitischen Gesichtspunkten durchgesetzt hat. Für die Juden ergibt sich der Vorteil, daß sich der Einkauf der Lohnempfänger nicht auf den Sonnabend konzentriert. So müssen die Schomre Schabbos einerseits die Weekends und Antialkohol-Bewegung unterstützen, anderseits die absolute Sonntagsruhe bekämpfen, was nur äußerlich betrachtet widerspruchsvoll erscheint. In der Vormittagssitzung vom 25. August erstattete Rabbiner Dr. Ansbacher (Wiesbaden) sein Referat über „Sabbat-Idee und Zeitgeist“, in dem er eine ideologische Grundlegung der Sabbat-Bewegung und des Sabbat-Gedankens in dieser Zeit zu geben versuchte. Anschließend referierte Rev. Dr. Bernhard Drachmann (Neuyork) über „Die Fünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des Sabbat-Problems“. Dr. med. Henry Keller (Neuyork) sprach dann über „Die medizinische Bedeutung der Fünf-Tage- Arbeitswoche“. E. E. Ascher (Amsterdam) berichtete über die Bewegung in Holland, die dort bereits seit 35 Jahren besteht. In der Diskussion äußerten sich zu den ange-

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