Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 36 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- Seite 507 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 507 Beziehungen zwischen unseren verschiedenen Büros und Abteilungen weiter und sorgfältiger zu prüfen haben. Drittens wird unser Komitee darüber zu beraten haben, wie unsere Tätigkeit mit den Funktionen und1 der Arbeit anderer wirksam arbeitender Organisationen, die für Palästina tätig sind, in Einklang gebracht werden soll. Soweit es sich um Fragen grundsätzlicher Politik handelt, werden wir bestimmen müssen über unsere Stellungnahme zu den- Beschlüssen der britischen Verwaltung in Palästina, über unser Verhältnis zu der britischen Regierung und zu dem Völkerbund in wichtigen Fragen, über unsere Einstellung zu eventuellen Vorschlägen für die Neuregelung des Verkaufs von Boden und für die Reorganisation auf dem Gebiete der Gesetzgebung und der Verwaltung in Palästina, über das wichtige Problem der Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung auf staatsbürgerlichem, wirtschaftlichem, sozialem Gebiet und anderen Gebieten; und endlich werden wir uns darüber schlüssig werden müssen, wie wir über die schwere Zeit d'er finanziellen Spannung und des politischen Druckes hinwegkommen werden. Es wird für unser Komitee von Interesse sein, zu wissen, daß die Jewish Agency von der Regierung Großbritannienis eine offizielle Mitteilung über die formelle Anerkennung der erweiterten Jewish Agency erhalten hat. Der Palästinabericht der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes und das Memorandum mit den Bemerkungen der britischen Regierung zu diesem Bericht sind soeben von der Presse veröffentlicht worden. Die Kommisision hatte die Mandatsmacht in mancher Beziehung kritisiert und die britische Regierung hatte ihr Vorgehen verteidigt und Gegenkritik an dem Bericht der Mandatskommission geübt. Ich zweifle, ob Kommentare über Details im gegenwärtigen Augenblich nützlich wären. Diese Schriftstücke werden Gegenstand von Erörterungen in der kommenden Versammlung des Völkerbundes sein. Die Jewish Agency hofft, daß eine Regelung zustande kommt, daß weniger wichtige Fragen, die zu Reibungen Anlaß gegeben haben, aus der Welt geschafft werden und daß gutgemeinte Kritik in Betracht gezogen werden wird. Bis zur Versammlung des Völkerbundes sind die zwischen der Ständigen Mandatskommission und der Mandatsmacht schwebenden Fragen gewissermaßen sub judice. Es war der einmütige Wunsch des jüdischen Volkes, daß das Mandat für Palästina Großbritannien anvertraut werden sollte. Die Juden waren der festen Zuversicht, d'aß diese Treuhänder einer großen, gerechten und erfahrenen Nation, die unter der Aufsicht des Vökerbundes ausgeführt wird, eine neue und höhere Verwaltungsform zur Folge haben würde, die nicht nur Palästina, sondern auch anderen Teilen der Welt zugute kommt und die ein ausschließlich auf das Wohl der Bevölkerung des Landeis gerichtetes System schaffen wird. An dieser Hoffnung halten wir noch fest. Nach Beendigung seines Berichtes erteilte Herr Felix Warburg das Wort Herrn Professor Weizmann, dem Präsidenten der Jewish Agency, zu einem politischen Bericht über die Lage. Weizmanns Ausführungen deckten sich im wesentlichen mit seinem Bericht an das Aktionskomitee. Nach Weizmanns Rede erstattete Dr. Artnur Ruppin den Palästinabericht mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchung Sir John Hope Simpsons. Nach Dr. Rupin referiert Bernard Flexner über die Palelstine Economic Corporation und Dr. Hexter über den Palestine Emergency Fund. Sodann wird die Vormittagssitzung um 1.30 Uhr geschlossen. Berlin, 1. September. (JTA.) In der Sitzung vom 31. August vormittags erstattete Direktor Wassermann den Keren-Hajessod-Bericht und leitete gleichzeitig durch bedeutsame Ausführungen die allgemeine Aussprache ein. Charakteristikum der Aussprache war das auf beiden Seiten der Jewish Agency, der nichtzionistischen und der zionistischen Seite, an den Tag gelegte Bestreben, einander zu verstehen. Sogar die Kritiker der erweiterten Agency unter den Zionisten brachten zum Ausdruck, daß das erste Arbeitsjahr, das die erhofften Ergebnisse nicht gebracht hat, kein Kriterium für die Zunkunft Sein dürfe. Erschütternd wirkte der Appell der Vertreter der Palästina-Arbeiterschaft, energisch an eine großzügige Aufbauarbeit heranzugehen,;da der Jischuw unter der Kleinarbeit zermürbt und entmutigt wird, und1 die großen Palästina-Ziele bagatellisiert werden. Der erste Weltkongreß der Schomre Schabbos Berlin, 25. August. (JTA.) Am Sonntag, dem 24. August, 10.30 Uhr vormittags, wurde in der Singakademie zu Berlin der erste Weltkongreß des Verbandes der Schomre Schabbos eröffnet. Es hatten sich zu demselben mehrere hundert Delegierte und Gäste aus fast allen Ländern der Welt eingefunden. Selten waren in den letzten Jahrzehnten eine so große Zahl jüdischer religiöser Führer an einer Stelle versammelt. Seminardozent Dr. Samuel Grünberg, der Präsident des Weltverbandes Schomre Schabbos, rief der Versammlung ein ,,Schalom Aleichem“ zu, begrüßte die Führer des religiösen Judentums, die Vertreter der Reichs-, Staats- und Stadtbehörden, die Vertreter der französischen und der italienischen Botschaft, sowie mehrere Gesandtschaften auswärtiger Regierungen, die Vertreter der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Organisationen des In- und Auslandes und gedachte insbesondere der Jüdischen Gemeinde Berlin, die durch die Gewährung eines namhaften speziellen Kongreßbeitrages sich die Schomre Schabbos zu besonderem Dank verpflichtete. Einen besonders herzlichen Willkomm,engruß bot der Redner den Delegierten aus Erez Israel, denen er den Segensspruch zurief: „Boa^ ehern leschalom malache haschalom!“ (Seid willkommen, Ihr Boten des Friedens!) Präsident Dr. Grünberg entwickelte sodann Idee, Ziele und Organisation der Schomre Schabbos. Er führte u. a. aus: Die Beobachtung des heiligen Ruhetages mit seinen religiösen, ethischen und sozialen Auswirkungen ist eine Grundforderung des sinaitischen Dekalogs, die Innehaltung des Sabbat die kategorische Forderung und Mahnung aller großen Propheten. In ihrer späteren universalistischen Auswirkung bedeute die Sabbat-Idee die größte sozialethische Revolutionierung der Menschheit. Für Israel selbst wurde der Sabbat der Lebensquell seines Daseins, die Seele seines Volkskörpers. In unserer Zeit aber ist der Sabbat in seiner Existenz bedroht, jedem jüdischen Menschen wird es schwer gemacht, dem Sabbat die Treue zu wahren. Die größte Gefahr offenbart sich in