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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 506

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 506 (sequence 8)
Language
German
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506 Das Jüdische Echo Nr. 36 Ein etwas erfreulicherer Bericht kann über die Tätigkeit des Keren Kajameth erstattet werden, der einen erheblicheren Erfolg aufzuweisen hat. Die politische Entwicklung und die Besprechungen mit der Regierung haben natürlich den Präsidenten der Agency, die Mitglieder der Exekutive und die Vorsitzenden des Administrativkomitees dauernd lebhaft beschäftigt. Eine Sitzung des Political Commitee wurde am 23. Juni nach London. einberufen. Das Protokoll dieser Sitzung bringt das Gefühl der schweren Enttäuschung zum Ausdruck, das alle seine Mitglieder über die Wendung der Dinge empfanden. Es soll nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die Führer der Agency bei jeder Gelegenheit ihre Überzeugung geäußert haben, daß diejenigen, denen es oblag, die heiklen Verhandlungen mit der Regierung zu führen, ihr Bestmögliches unter den schwierigen Verhältnissen getan haben. Dais Problem der Klagemauer und eine richtige Darstellung der jüdischen Auffassung dieses Problems hat die Aufmerksamkeit der Exekutive in Palästina und in London, des Präsidenten der Agency, des Vorsitzenden des Ade ministrativkomitees und ganz besonders des Herrn Dr. Cyrus Adler voll in Anspruch genommen, der mit der Abfassung eines Memorandums für die „Klagemauer-Kommission“ betraut worden war. Der Bericht dieser Kommission dürfte nicht vor Ende Oktober zu erwarten sein. Im Interesse der Gerechtigkeit muß gesagt werden, daß im Laufe der Sehr ernsten Aussprache über das Problem der jüdisch-arabischen Beziehungen gewisse grundlegende Meinungsverschiedenheiten aufgetreten sind und zwar nicht so sehr über die letzten Ziele, als vielmehr darüber, ob es wünschenswert und ob der Zeitpunkt geeignet sei, Besprechungen mit der Regierung über die jüdisch-arabilschen Beziehungen einzuleiten. Wir sind der Meinung, daß der Kernpunkt des ganzen Problems darin besteht, auf dem ökonomischen, landwirtschaftlichen, sozialen und staatsbürgerlichen Gebiete Zusammenarbeit, Toleranz und gegenseitige Hilfsbereitschaft herbeizuführen. Unter den wichtigen Fragen, die in dieser Tagung behandelt werden sollen, ist die gründliche Prüfung und Analyise der Finanzlage der Agency, ihrer Struktur und ihrer Arbeitsmethoden; die Erwägung von Mitteln und Wegen, die geeignet sind, die größtmögliche Leistungsfähigkeit, die sich mit sparsamer Wirtschaft und mit der Verringerung von Verwaltungsausgaben vereinbaren läßt, sicherzustellen und das Budget der Agency dadurch zu entlasten, daß anderen in Palästina tätigen Körperschaften und Organisationen die für sie geeigneten Funktionen übertragen werden, während der Agency die allgemeine Aufsicht Vorbehalten bleibt, so daß auf diese Weise nach einem konsequenten Plan dauernd gearbeitet werden kann. Wir tragen die schwere, erdrückende Last früherer Schulden und Verpflichtungen. Sie werden sich erinnern, daß ungefähr 26 bis 27 Prozent des Budgets für das laufende Finanzjahr zur Dekkung von Schulden verwendet werden mußten. Es wurde der Vor (schlag gemacht, daß einige der Männer, denen Palästina besonders nahesteht und die glauben, daß sie sich von ihrer Tätigkeit zrückziehen müssen, eine Gruppe bilden und sich verpflicht e^n möchten, die Schulden und Verpflichtungen der Agency während einer Anzahl von Jahren zu tilgen — vorausgesetzt, daß eine solche Vereinbarung mit den Gläubigern von Keren Hajessod und Agency getroffen werden kann. Damit würde schon viel getan sein, um die Agency zu entlasten und sie in die Lage zu versetzen, ihren laufenden Verpflichtungen nachzukommen und ihre jährlichen Budetbedürfnisse zu decken. Die vorübergehende Außerkraftsetzung der Zertifikate und die Rückwirkung dieser Maßnahme auf das Weiltjudentum bildet, meiner Meinung nach, den Tiefpunkt in der jüdischen Arbeit in Palästina. Heute haben wir das Recht, mit größerer Zuversicht in die Zukunft zu blicken, denn die letzten paar Monate haben alle Menschen in Palästina und alle, die mit seiner Verwaltung und seiner Wohlfahrt verbunden sind, zur klaren Erkennung der Verhältnisse gebracht. Keine ülertriebenen Wünsche oder Forderungen sind den offiziellen Stellen seitens der Jewish Agency vorgelegt worden. Es freut mich auch, über unseren vor kurzem Lord Paßfield abgestatteten Besuch, zu dem wir ohne Anregung unserer tseits eingeladen worden sind, zu berichten. Lord Paßfield hat uns zwei Stunden gewidmet und überzeugte uns davon, daß es sein voller Ernst gewesen sei, als er uns für die Durchführung des Mandats gewisse Zulsicherungen machte: „We are going to put our back into the job“. Das sind seine eigenen Worte. Er hat ferner Verständnis dafür gezeigt, daß Geldmittel nötig sein werden für den Ankauf von Land zu Siedlungszwecken und daß die Regierung diese Mittel: vielleicht durch eine Art Garantie des Britischen Schatzamtes werde beischaffen müssen. Das wird aber uns nicht der Notwendigkeit entheben, die Mittel der Regierung zu ergänzen, um die vollständige Durchführung dieser Pläne sicherzustellen, und zwar ganz unabhängig von den Mitteln, die wir werden bereitstellen müssen für die Besiedlung des Bodens, der (sich in unseren Händen befindet. Lord Paßfield äußerte sich auch hoffnungsvoll mit Bezug auf die wichtige Erweiterung des Eisenbahnnetzes. Er sagte uns, daß sein Ressort auf Grund sachverständiger Prüfung davon unterrichtet sei. daß Truppen in genügender Stärke und eine vergrößerte Polizeimacht die Sicherheit aller Einwohner Palästinas^ gewährleisten. Er teilte uns ferner die Ansicht der Regierung mit, daß es möglich sei, bessere Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen in Palästina zu fördern und daß die Regierung im Begriff sei, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Unter diesen Umständen glauben wir, daß die mühevollen Anstrengungen von Weizmann und anderen mit Erfolg gekrönt waren und daß unser Schiff wieder flott ist und sicherem Hafen zusteuert. Wenn es zu Plänen für die Zukunft kommen wird, werden das Administrativkomitee und die Unterausschüsse, die gebildet werden sollen, so lebenswichtige Probleme zu erwägen haben, wie die Frage der Finanzen und des Budgets der Agency, und zwar nicht nur für das laufende und nächste Finanzjahr, sondern auch die Frage eines Planes für die Tilgung und Rückzahlung der Schulden und Verpflichtungen der Agency. Zweitens werden wir die Frage der Organisation und des Personals sowie die der Koordinierung der

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