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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 504

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 504 (sequence 6)
Language
German
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504 Das Jüdische Echo Nr. 36 zen uns in diesem Glauben. Wir dürfen1 nicht so sprechen, daß die Araber es 'so empfinden müssen. wie wenn man uns sagte, wir hätten kein Recht auf Palästina. Wir haben ein Recht und sie haben ein Recht. Beide Völker sind gleichberechtigte staatsbildende Elemente. So müssen wir zusammen arbeiten und wenn wir einmal1 die Majorität werden, dann werden wir sie nicht majorisieren, so wie wir nicht majorisiert werden wollen. Das fst der Sinn des Mandates. Wenn dieser Inhalt des Mandates nicht durchgeführt wird* dann müssen wir dafür kämpfen, aber leider hat man Paßfield und Shiels die Möglichkeit gegeben, zu sagen: wir haben euch keinen Judenstaat versprochen. Es ist nicht leicht für eine politische Leitung, nach so schweren Rückschlägen und angestrengter Arbeit zu den Freunden zu sprechen. Was die Zukunft betrifft, so halte ich es für ganz richtig, daß wir Simpson unser Material vorgelegt haben. Ich weiß nicht, wie sein Bericht ausfallen wird. Vielleicht werden wir gezwungen sein, dagegen zu kämpfen. Vielleicht wird er manche unserer Anschauungen akzeptieren. Ich möchte hier nur eine Möglichkeit erörtern. Gesetzt den Fall, wir könnten in den nächsten zehn Jahren 30 oder 40 000 Familien in Palästina ansiedeln, das ist nicht das Nationalheim, aber ich behaupte, daß, wenn dies gemacht wird, wir einen ganz gewaltigen Schritt weiterkommen und die Arbeit dann vervielfacht werden kann. Es handelt sich nicht darum, irreale Ziele zu setzen, sondern ein praktisches Programm für fünf oder zehn Jahre zu schaffen. Auf diese Rede Weizmanns hin brach eine Kriise im Aktionskomitee aus. Am Donner'stag vormittag fanden Kommissionssitzungen statt. Bei Wiederaufnahme der Plenarverhandlungen im A.C. am Donnerstag Abend1 gab im Namen des Misrachi Rabbi Brodt (Polen) die Erklärung ab, daß sich die Misrachi-Fraktion mit der Auffassung des Präsidenten Weizmann über den Judenstaat nicht einverstanden erklären könne und deshalb ihre Mitglieder aus der Zionistischen Exekutive zurückziehe, daß der Misrachi aber bereit ist, auch weiterhin mit dem Präsidenten Dr. Weizmann und der Exekutive loyal zusammenzuarbeiten. Die Erklärung wirkte sensationell, und man hatte sofort den Eindruck, daß nunmehr eine Führerkrise ausgebrochen sei. Es kam hinzu, daß Herr Joseph Cowen (England) einen Antrag formulierte, der ungefähr lautet: Das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation rückt ab von der Auffassung des Präsidenten. Die Lage wurde dadurch verschärft. daß, während die allgemeinen Zionisten Deutschlands sich mit Dr. Weizmann solidarisch erklärten, ein Teil der allgemeinen Zionisten aus dem Auslande sich mit Weizmanns Erklärung hinsichtlich des Judenstaates nicht ganz identifizieren konnte und dem Wunsche nach einer neuen Formulierung Ausdruck gab. Die Sitzung wurde abgebrochen und die einzelnen Fraktionen* traten zu Beratungen zusammen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gab Dr. Weizmann eine Erklärung ab, die ungefähr besagte, er wolle sich in die Erörterung des Wortes Judenstaat, das überhaupt einen undefinierbaren, schemenhaften Begriff deckt, nicht einlassen. Für ihn bleibe als nächstes Ziel der Bewegung bestehen: Die Schaffung eines konstruktiven entwicklungsfähigen autonomen Gemeinwesens. Diesem Ziele müsse man nach Kräften zustreben. Wenn erst 500 000> Jud'en in Palästina leben, dann werde eine So starke jüdische Gemeinschaft auf die Millionen Juden der ganzen Welt eine stärkere Anziehungskraft ausüben, und die Entwicklung werde mit kräftigeren Schritten weitergehen. Es folgten Erklärungen der Radikalen und der Revisionisten, daß sie für den Antrag Joseph Cowen stimmen werden, während die Vertreter der Arbeiterparteien erklärten, daß sie an der Erörterung über „Judenstaat“ überhaupt kein Interesse hätten. Der Misrachi und die allgemeinen Zionisten zogen sich zurück, um über ihre Stellungnahme zu der neuen Erklärung dejs Präsidenten Weizmann zu beraten. Nach Wiederaufnahme der Plenarsitzung gab Rabbi Brodt im Namen des Misrachi eine Erklärung ab. die ungefähr dahin lautete, daß Misrachi die Erklärung Dr. Weizmanns zur Kenntnis nehme in dem Sinne, daß das erstrebte konstruktive Werk das jüdische Volk auf den Weg zum Judenstaat führen werde. Präsident Dr. Weizmann erhob sich sofort und führte aus, die Deutung des Misrachi entspreche nicht seiner Auffassung, und da er glaube, daß er die Mehrheit nicht hinter sich hat, wolle er nicht mehr der politische Führer der Bewegung sein. Er sei aber bereit, provisorisch die politischen Geschäfte weiter zu führen. Wenn aber das A.C. in der Lage sei, über eine neue Führerschaft zu beschließen, so tsei er bereit, schon jetzt zurückzutreten. Nach Abgabe dieser Erklärung verließ Dr. Weizmann den Sitzungssaal. Diese Erklärung des Präsidenten der Organisation wirkte auf das Haus konsternierend, doch mehrten sich die Stimmen, die glaubten, daß der Konflikt nicht so ernst sei, daß sich nicht vielleicht ischon über Nacht oder in den allernächsten Tagen eine Lösung finden könnte. Das A.C. ging dann, spät nachts, in die Beratung des Budgets ein. Man einigte sich auf ein Budget von 832 000 Pfund und nahm auch sonstige Entschließungen finanzieller und budgetärer Natur an, die dem Administrativkomitee der Jewish Agency zur Erwägung und Beschlußfassung empfohlen werden. Die Aussprache über die Kriise wurde wieder aufgenommen und erwogen, ob nicht das AvC. Dr. Weizmann ersuchen solle, seine Rücktrittserktärung zurückzuziehen. Schließlich wurde mit 24 gegen 2 (Grünbaum und Stricker) Stimmen der Beschluß angenommen, Dr. Weizmann zu ersuchen, die Führerschaft definitiv zu behalten. Am frühen Morgen ging das A.C. auseinander, ohne die politischen Resolutionen in Behandlung gezogen zu haben. Es wurde beschlossen, während der Tagungspause das Administrativkomitee der Jewish Agency die Beratungen forzusetzen. Weizmann bleibt an der Spitze Berlin, 1. September. (JTA.) In der Schlußsitzung des Zionistischen Aktionskomitees, die am Samstag, dem 30. August, 11 Uhr abends, begann und gegen 2 Uhr nachts endete, referierte El. Berligne über die Anträge der Politischen Kommission. Nach längerer Aussprache, an der sich Vertreter verschiedener Fraktionen beteiligten, gelangte eine Reihe von Beschlüssen zur Annahme. Bezüglich des angekündigten Programmes der englichen Regierung erwartet das A.C., daß die englische Regierung da|s von der Exekutive der Jewish Agency gemäß Art. 4 des Palästina-Mandates eingereichte Memorandum über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in

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