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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 503

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 503 (sequence 5)
Language
German
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Nr 36 Das Jüdische Echo 503 •stellt haben. Darüber müssen wir jetzt verhandeln. Wenn jemand ein anderes Programm vorzuschlagen hat, dann soll er ‘seine Vorschläge im Aktionskomitee Vorbringen. Die Redner der Opposition haben keine praktischen Vorschläge gemacht mit Ausnahme des einen, man solle ihn'e;n die Leitung übergeben. Ich hätte nichts dagegen, daß die Opposition die Exekutive übernimmt, aber das hängt nicht von mir ab, sondern vom Aktionskomitee oder vom Kongreß. Die Exekutive hat die größten Anstrengungen gemacht, um die öffentliche Meinung für unsere Idee zu gewinnen, und wir haben im. letzten Jahre eine Reihe von Freunden gewonnen. Aber es ist sehr schwer, es dahin zu bringen, daß auch gute Freunde entscheidende Schritte für eine Sache unternehmen, die sie unterstützen wollen, weil stets eine Fülle anderer Interessen und Rücksichten mitspielen, über die wir keine Macht haben. So haben wir gesehen, daß trotz der Bemühungen unserer Freunde, eine Debatte im Unterhaus herbeizuführen, diese immer wieder verschoben wurde. Auch der Vorwurf, wir hätten nicht genügend scharf mit der Regierung gesprochen, i'st unberechtigt. Wir haben unsere Sache mit aller Entschiedenheit vertreten. Viele Redner haben keinen Sinn für die realen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Mit heroischer Geste werden Anschauungen vertreten, die einem mystischen Glauben entspringen. Grünbaum z. B. ruft zum Kampf auf. Ich habe auch gekämpft, aber als verantwortlicher Politiker muß ich wissen, wohin ein Kampf in letzter Linie führen wird. Manchmal kann man die Befürchtung haben, daß das Resultat unseres Kampfes auf unseren eigenen Kopf zurückfallen wird. Manche Herren meinen, wenn man eine geschickte Formel findet, dann existieren die Araber nicht in Wirklichkeit. Und diese Reden werden uns dann vorgehalten und die öffentliche Meinung kehrt sich gegen uns. Wenn Grünbaum von einem System sprach, so hat er in gewissen Sinne recht. Das System bestand darin, solange die Möglichkeit vorhanden ist, Menlschen (nach Palästina zu bringen und Boden zu kaufen und die Menschen auf dem Boden zu verwurzeln. Ich habe immer gesagt, daß wir uns in erster Linie auf unsere eigene Leistung verlassen müssen. Wir mußten verschiedenes Unangenehme über uns iergehen lassen, oft mit Zähneknirschen, damit die Arbeit weitergeführt werden kann. Sieben Jahre hindurch war ich mehr Geldsammler als politischer Leiter, um diese Leistung zu ermöglichen. Die aufgebrachten Mittel kombiniert mit der Begeisterung eines Teiles der jüdischen Jugend haben diese Leistung zustande gebracht. Es ist nicht alles geschehen, was hätte geschehen können. Vielleicht wenn 250 000 Juden in Palästina gewesen wären, wären viele schlimmen Ereignisse nicht eingetreten. Aber wären diese Leistungen nicht da, dann wären wir viel schlechter weggekommen. Das System war, das Maximum der Juden im Minimum der Zeit mit den Mitteln, die wir aufbringen konnten, trotz all den Schwierigkeiten, die man uns gemacht hat. Und in dem Moment, wo ein Attentat auf die Seele dieses Systems unternommen wurde, mußte ich notgedrungen eine Kampfstellung einnehmen. Lichtheim sagte, ich bagatellisiere die Interessengemeinschaft mit England. Ich glaube nicht, daß ich das getan habe. Ich glaube an diese Interessengemeinschaft, aber viele Engländer sind der Ansicht, daß andere Interessen diese Interessengemeinschaft kreuzen, und so kommt es, daß in der praktischen Politik nicht unser Standpunkt allein maßgebend ist. Wir müssen verstehen, daß England auch von ungeheueren Schwierigkeiten belastet ist. Es ist eine gewisse Tragik darin, daß wir gerade mit dieser englischen Regierung, deren führende Perlsönlichkeiten uns stets besonders nahe standen, in Konflikt geraten sind. Es ist auch nicht richtig, wenn Großmann sagt, England könne sich darauf berufen, daß die Exekutive zehn Jahre geschwiegen hat. Wir haben nicht geschwiegen, sondern um jeden Schritt und jede Maßnahme mit ganzer Energie gerungen. Allerdings sind wir nicht in einen öffentlichen Kampf gegangen. Shiels hatte nicht recht, als er in Genf sagte, die Zionisten hätten nichts als Boden gefordert. Ich muß Dr. Shiels verweisen auf die langjährige Korrespondenz mit der Regierung in London und in Jerusalem. Es ist fraglich, ob man einen größeren Eindruck macht, wenn man die ganze Zeit einen lärmenden Kampf führt oder aber, wenn man jahrelang geduldig alles erträgt und dann im entscheidenden Moment sagt, jetzt ist der Moment gekommen, wo wir es nicht tragen können. Die einzige Macht, auf die wir uns in unserem Kampf stützen können, sind die Positionen in Palästina. Stricker und andere haben hier behauptet, wenn wir nicht den Judenstaat ausrufen, läuft uns die Jugend weg. Darauf muß ich im vollen Bewußtsein, mich damit unpopulär zu machen, erwidern: der Judenstaat war nie Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Im Baseler Programm steht nichts über Judenstaat, auch in der Bälfour-Deklaration nichts. Der Inhalt des Zionismus ist: eine Reihe von bedeutenden materiellen Unterlagen in Palästina zu schaffen, auf denen sich ein autonomes, in sich geschlossenes und produktives Gemeinwesen aufbauen kann... Vielleicht haben manche führenden englischen Politiker/ während des Krieges, als die Welt noch im Dunkel lag, an einen Judenstaat gedacht, aber als die Realitäten zum Vorschein kamen, ist das revidiert worden. Im Mandat steht geschrieben, Ziel der Palästina-Politik sei ein Jüdisches Nationalheim in Palästina. Die Jugend kommt zu uns. Vielleicht i'st sie nicht im Aktionskomitee; darum, will ich Platz machen, damit Jüngere kommen können und vielleicht folgen andere meinem Beispiel. Aber das ist nicht nur bei uns so, sondern in der ganzen Welt, weil eine ganze Generation durch den Krieg vernichtet worden ist. Palästina könnte ein Judenstaat werden, wenn es ein leeres Land wäre. Ich behaupte, daß trotzdem die höchsten und besten Kräfte im Judentum durch unsere Idee geweckt werden und daß ‘sie sich für diese große jüdische Schaffensmöglichkeit, auch wenn sie durch die gegebenen Verhältnisse eingeschränkt wird, voll einsetzen werden. Nach meiner tiefen Überzeugung ist überaus schädlich und unpolitisch, wenn Gedanken ausgestreut werden, die Glaubensbekenntnisse isind, aber das Fortschreiten unserer Arbeit in Palästina erschweren. Es ist nicht unsere Schuld, daß das Aufleben des Ostens viel schneller vor sich gegangen ist, als die meisten sich vorgestellt haben. Es gibt heute eine heranwachsende arabische lugend in Palästina, die in ihrem Sinne genau so gut zionistisch ist wie wir, und es wäre lächerlich, zu sagen, wir ignorieren diese Kraft und verschan-

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