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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 502

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 502 (sequence 4)
Language
German
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502 Das Jüdische Echo Nr. 35 soll. Hierbei billigte das Zionistische Aktionskomitee die Ansicht, daß sich die zionistische Politik der nächsten Monate besonders bei der Behandlung des kommenden ProgrammeSv der britischen Regierung, von Extremen fernzuhalten habe. Weder Ablehnung von vornherein, noch Nachgiebigkeit von vornherein! Vorläufig keine Unterbrechung der Protestbewegung gegenüber den Maßnahmen der Mandatarmacht! Aber dieser Protest soll aus Massenversammlungen herausgezogen und in ernste Konferenzen verlegt werden, in denen zum Ausdruck gebracht wird, was die Grundprinzipien sind, die wir für die Fort- und Durchführung unserer Arbeit in Palästina betrachten. Verhandlungen im Zeichen des Protestes! Dieser Zustand kann ats nichts anderes als ein Waffenstillstand zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht betrachtet werden. Man erwartet die Vorschläge der Regierung, ist sich aber dessen bewußt, daß man schließlich zu einem Zustande vertrauensvoller Kooperation mit der Mandatarmacht zurückkehren muß. Man will Punkt für Punkt die Vorschläge der Regierung durchgehen, zäh um jede jüdische Forderung kämpfen und vor allem im Auge behalten, daß das wesentliche die Fortsetzung der Arbeit in Palästina ist. Sollten jedoch die Vorschläge der Regierung Lebensinteressen der Aufbauarbeit berühren, dann wird das jüdische Volk in seiner Gesamtheit aufgerufen werden, seine gerechten Forderungen mit aller Entschiedenheit vor der ganzen Welt und gegenüber der Mandatarmacht zu erheben. Denn schließlich sind wir überzeugt, daß unsere Sache nicht nur unsere Sache, sondern auch die des Rechtes, der menschlichen Gesittung und des Gesamtinteresses der Kulturmenscheit ist. m. w. Eine jüdische Kandidatur auf der Zentrumsliste In der „Jüdischen Rundschau lesen wir: „Die antisemitischen Äußerungen, die in einigen dem Zentrum zugezählten Organen in den letzten Tagen zu lesen waren, haben das Zentralorgan der Zentrumspartei, die ,Germania4, Berlin, veranlaßt, zu diesen Erscheinungen Stellung zu nehmen. Mit anerkennenswerter Entschiedenheit rückt die ,Germania4 von den Eskapaden des ,Deutschen4 und anderer Zeitungen ab, die als Organe des Zentrums betrachtet werden. Die ,Germania4 erklärt, daß der »Deutsche4 in keiner Weise als Willens- und Meinungsausdruck der deutschen Zentrumspartei angesehen werden dürfe. Diese stehe auf der Plattform restloser Gleichberechtigung aller Staatsbürger in Deutschland und lehne jede Gemeinschaft mit Parteien ab, die programmatisch judenfeindlich sind. Die loyale Erklärung der »Germania4 liegt durchaus in der Richtung der vom Zentrum seit der Nationalversammlung in Weimar getriebenen Politik. Daß sich im Zentrum ebenso wie in allen anderen deutschen Parteien, die Sozialdemokratie und die Kommunisten einbegriffen, Antisemiten befinden, ist den Juden nur zu gut bekannt. Im politischen Leben kommt es aber darauf an, wie das Programm einer Partei aussieht und wie die verantwortlichen Führer der Partei dieses Programm handhaben . »Die Welt am Montag4 vom 1. d. M. meldet, daß der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Georg Kareski, auf der Berliner Wahlliste des Zentrums an 10. Stelle kandidiert. Das Blatt meint, daß dieser Platz natürlich aussichtslos ist und fügt hinzu, es sei interessant, daß die im allgemeinen als rein katholisch geltende Zentrumspartei einen hervorragenden Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft auf seine Liste übernimmt. Wir haben vor einiger Zeit erfahren, daß unser Gesinnungsgenosse Kareski Reichstagskandidat des Zentrums werden soll. Dieser Entschluß ist in Georg Kareski gereift, nachdem die Zentrumspartei ihre Zustimmung ausgedrückt hatte, als stärkste Partei der religiösen Minderheiten durch Aufstellung eines Vertreters der jüdischen Minderheit darzutun, daß sie sich als Sachwalterin aller religiösen Minderheiten betrachtet. Durch die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten, wenn auch an aussichtsloser Stelle, soll nach außen dargetan werden, daß die Zentrumspartei in Deutschland es entschieden ablehnt, sich den antisemitischen Parteien oder den Parteien anzuschließen, die bereit sind, Pakte mit den Nationalsozialisten einzugehen. Als »demonstrativer4 jüdischer Kandidat war, wie wir hören, ein im Berliner Wirtschaftsleben bekannter Jude liberaler Richtung ausersehen. Die Berliner Zentrumspartei zog es aber vor, den für die jüdische Gemeinschaft in höherem Grade repräsentativen Georg Kareski als Kandidaten zu akzeptieren. Wir möchten es heute vermeiden, zu der Tatsache einer jüdischen Kandidatur auf der Zentrumsliste Stellung zu nehmen. Georg Kareski, das sei festgestellt, tritt als Reichstagskandidat des Zentrums weder in seiner Eigenschaft als Zionist, noch als Mitglied der Jüdischen Volkspartei auf. Seine Kandidatur ist als eine Handlung eines einzelnen Juden zu bewerten. Allerdings ist Kareski sowohl als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde wie als Führer der Volkspartei und als langjähriger Zionist für alle drei Lager repräsentativ. Auch in der deutschen Volkspartei waren in der letzten Zeit Stimmen zu vernehmen, die sich gegen die antisemitischen Methoden einzelner Ortsgruppen und Landesverbände der Partei wandten. Am deutlichsten äußerte sich in dieser Hinsicht Herr von Kardorff, was bei diesem vornehm und gerecht denkenden Manne nur selbstverständlich ist. Er sprach sich gegen eine Zusammenarbeit der Volkspartei mit den Nationalsozialisten aus. Es verdient, vermerkt zu werden, daß die Volkspartei auf ihrer Reichsliste, allerdings an 19. Stelle, in Arthur Lehmann auch einen jüdischen Kandidaten nominiert hat. Wenn man die Tatsachen aneinandereiht, daß die deutsche Volkspartei in Thüringen Dr. Frick die Stange hält, in Sachsen bereit war, mit den Nationalsozialisten eine Regierung zu bilden, andererseits aber einen Juden als Kandidaten nominiert und durch den Mund eines ihrer hervorragendsten Führer von den Nationalsozialisten abrückt, so ist die Kontur der Partei, vom Standpunkte des jüdischen Wählers gesehen, äußerst vage.44 j. r. Schluß der Ä. C. Sitzung In den Sitzungen vom 26. August wurde die politische Debatte fortgesetzt, wobei Redner aller Richtungen zu Wort kamen. Am Mittwoch, dem 27. August fanden vormittags Kommi'ssionssitzungen statt; in der Nachmittagssitzung wurde die politische Debatte beendet; für die Exekutive antwortete Professor Brodetsky. Auch Weizinann ergriff noch einmal das Wort. Er beschäftigte sich zunächst mit den Ausführungen verschiedener Debattenredner, betreffend die Beziehungen zur Mandatarmacht. Wir haben jetzt der Regierung ein ausführliches Memorandum überreicht, in welchem wir unsere programmatischen Forderungen zusammenge-

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