Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 34 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- Seite 480 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Das Jüdische Echo Nr. 34 stina- Politik 'anvertrauen können. Wir werden uns Reserven auferlegen. Das muß man unserem politischen Takt überlassen. Aber nach dem Zusammenbruch der offiziellen Politik behalten wir uns tille jene Schritte vor, die wir im Interesse der zionistischen Sache für notwendig erachten. Kommissionsarbeit >— Die soziale Einstellung des Revisionismus Prag, 13. August. (JTA.) Am Vor- und Nachmittag des 12. August, an dem Vollsitzungen nicht stattfanden, tagten die Kommissionen. Die politische Kommission hat eine Resolution ausgearbeitet, in der das Recht der revisionistischen Union auf die Führung einer eigenen politischen Tätigkeit im Interesse der zionistischen Sache festgestellt und die Prärogative der Exekutive als null und nichtig angesehen wird. In der Frage der „Arbeitspause“ wurde keine Einigung erzielt. Ein Teil der Kommissionsmitglieder ist dafür, daß eine Pause in der praktischen Arbeit in Palästina als eine bewußte Demonstration gegen die Palästinapolitik der britischen Regierung^eintreten solle. Der Vorschlag wird damit begründet, daß die Politik der britischen Regierung sowieso eine solche Pause aufzwingt. Die meisten palästinensischen Delegierten und andere Kreise sprechen sich gegen eine solche Demonstration aus. Eine starke Strömung für die Schaffung einer „United Zionist Organisation“ außerhalb des Rahmens der Zionistischen Organisation macht sich bemerkbar, wobei geltend gemacht wird, daß die bisherige Politik der revisionistischen Leitung nicht genug entschieden war. In der Generaldebatte am Abend sprachen Lippmann (Polen), Caspi (Polen), Mahover (Paris) über politische Arbeit und Organisationsfragen, Dr. Jacob HoffmVm (Riga) sprach über die Stellung der Jugend zur Partei. Als er die Haltung des Rrith Trumpeldor formulieren wollte, wurde er von Jabo tinsky aufgefordert, über diesen Gegenstand nicht zu referieren. Meer Großmann ergriff das Wort zur Erwiderung an Dr. Hoffmann und trat seiner Meinung entgegen, die Exekutive der revisionistischen Union hätte bei den Augustunruhen die ihr zur Verfügung gestellten 5000 Menschen nach Palästina schicken sollen. Es sprachen noch Dr. Goldwasser (Leipzig), Dr. Eitisch (Berlin), Dr. Stern (München) lind Dr. Feldschuh (Warschau). In der Sitzung vom 13. August vormittags referierte R. Weinstein (Palästina) über „Die soziale Einstellung und die Arbeiterpolitik der Union“. Sein Referat gipfelte in der Forderung nach Errichtung unabhängiger revisionistischer Gewerkschaften in Palästina als Ergänzung der Histadruth. Ein gleicher Vorschlag wird der Konferenz in einem durch eine Anzahl revisionistisch gesinnter Arbeiter aus Palästina ihr übermitteltem Memorandum gemacht. Weinstein sprach über die Wiederauflebung eines Trumpeidorschen Chaluzianismus gleichzeitig mit dem Wiederaufleben des politischen Zionismus in der revisionistischen Rewegung. Prinzip einer nationalen Arbeiterorganisation muß das Primat des nationalen Gedankens sein; mit Politik hätte sie sich nicht zu befassen. Die Frage einer sozialen Gesetzgebung des Jischuw soll auf die Tagesordnung der zionistischen Öffentlichkeit in der Welt gesetzt werden. Auf dem nächsten Kongreß wäre die Anerkennung des Verbandes der revisionistischen Arbeiter zu fordern. Der Kampf für die politische Demokratie in der zionistischen Rewegung, schloß Weinstein, ist gleichzeitig ein Kampf für die wirtschaftliche Demokratie im Jischuw. In der Abendsitzung am 13. August, die bewegt verlief, wurden die folgenden Fragen behandelt: 1. Welche Konsequenzen werden entstehen, wenn der Kongreß nicht einberufen wird? 2. Welche Konsequenzen werden England gegenüber aus der geschaffenen Lage in bezug auf das Mandat gezogen werden? Jabotinsky nahm zu diesen Fragen eine scharfe Stellung ein. Von manchen Rednern wurden eine politische Aktion gegen England und die Übergabe des Mandates an den Völkerbund gefordert. Zum Referat von Weinstein entwickelte sich eine erregte Aussprache, in der Dongis (Neuyork), Dr. Brutzkus (Berlin) und J. Klinoff (Berlin) sich gegen diese Vorschläge aussprachen. Schlußsitzungen — Resolutionen Prag, 15. August. (JTA.) Die vierte Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten hielt in der Nacht zum 15. August noch zwei Sitzungen ab, und ging erst um 8 Uhr morgens zu Ende. Die erste Sitzung, die um 8 Uhr abends begann, war vertraulich, es wurden in derselben Fragen der revisionistischen Organisation behandelt. In der Frage der Stellung zur Histadruth und der Schaffung einer separaten Arbeiterorganisation in Palästina, kam es abermals zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Weinstein, Jabotinsky, Großman und Schechtmann, die für die revisionistische Histadruth eintraten, und Klinoff und Danzis, die den Plan ablehnten. In der darauffolgenden öffentlichen Sitzung wurde die Resolution Weinstein auf Schaffung einer eigenen revisionistischen Arbeiterorganisation in Palästina außerhalb der bestehenden allgemeinen Arbeiterorganisation (Histadruth klalith) mit 81 gegen 40 Stimmen bei 5 Enthaltungen angeriommeri. Vorher hatte Jabotinsky erklärt, daß er sich auf ein Kompromiß nicht einlasse. Es wurde ferner folgende Erklärung zur innerzionistischen Lage angenommen: Die Konferenz erklärt: 1. Die Ereignisse des letzten Jahres bedeuten einen vollständigen Zusammenbruch der Politik der zionistischen Leitung. 2. Die Leitung hat Jahre lang die Warnungen überhört, die wir im Hinblick auf ihre kurzsichtige und leichtsinnige Politik formuliert und auf den zionistischen Kongressen vorgetragen haben. 3. Trotz der vollständigen Mißerfolge ihres politischen Systems hat die Leitung nach den blutigen Vorfällen in Palästina und nach den darauffolgenden politischen Niederlagen nicht die selbstverständlichen Konsequenzen gezogen, nämlich den Kongreß einzuberufen und ihr Amt niederzulegen. 4. Unsere Vorschläge zu gemeinsamer politischer Aktion hat sie zurückgewiesen ohne ihrerseits Vorschläge zur Verständigung mit der von uns vertretenen politischen Richtung zu machen. 5. Die Konferenz nimmt von der Erklärung der Zionistischen Exekutive Kenntnis, daß die politischen Prärogativen der zionistischen Leitung auf die erweiterte Jewish Agency übergegangen sind. Demgemäß ist der Beschluß der dritten Konferenz der Union bezüglich der politischen Prärogativen so lange suspendiert, bis eine auf demokratischer Grundlage gewählte Jewish Agency geschaffen ist. 6. Angesichts dieser Sachlage und im Hinblick auf die eingetretenen Katastrophen und den Zustand höchster Gefahr bevollmächtigt die Konferenz die Exekutive der Union, alle ihr geeignet erscheinenden Schritte zu ergreifen, um die bereits begonnene politische Aufklärungsarbeit fortzusetzen und in jeder geeignet erscheinenden Weise zu erweitern. 7. Die Konferenz beauftragt ihre Vertreter im A.C., die sofortige Einberufung des Kongresses noch für dieses Jahr zu fordern. Wird dieser Forderung nicht stattgegeben, oder