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Das jüdische Echo · 1930-08-22 · 34 (22.8.1930) · p. Seite 479

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
34 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
Seite 479 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 479 unannehmbar und weist auf die dem Zionismus gefährliche Bodenpolitik der katholischen Kirche hin. Jachimsohn (Rumänien) tritt dafür ein, daß alle Energie auf die Eroberung der Exekutive gerichtet werde. Es sei den revisionistischen Führern vorzuwerfen, daß sie den geeigneten Augenblick zu einem Handstreich nach den Unruhen nicht genützt hätten. Bonfield (Palästina) sagt, bei der ,,Pausen“-Parole habe man an den Jischuw vergessen. Man darf Palästinaprobleme nicht mechanisieren. ln der Nachmittagssitzung vom 11. August erstattete Dr. S. Soskin (Genf) sein Referat über die Landfrage in Palästina. Brodetsky auf der Konferenz P r a;g , 12. August. (JTA.) Im Verlauf der fünften Sitzung der vierten Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten traf der Vertreter der zionistischen Weltexekutive in London, Professor Selig Brodetsky, in Prag ein, begab sich sofort zur Konferenz und ergriff während der Generaldebatte das Wort, um den Standpunkt der Exekutive gegenüber den revisionistischen Forderungen darzulegen. Dieser Teil der Sitzung nahm einen stürmischen Verlauf. Brodetsky wurde wiederholt durch Zwischenrufe der Delegierten sowie durch Beifall der anwesenden nichtrevisionistischen zionistischen Gästen und durch Protestrufe der Konferenzmilglieder gegen diesen Beifall unterbrochen. Ich habe die Ehre, die Konferenz im Namen der Zionistischen Exekutive zu begrüßen und ihr zu wünschen, daß sie in ihrer Arbeit erfolgreich sein möge. Es ist aus begreiflichen Gründen, ein bischen schwer, hier zu sprechen, doch habe ich mich über meine Delegierung hierher gefreut. Wenn eine Bewegung hundertprozentiger nationaler Juden existiert, so gehöre auch ich ihr an und ebenso die große Mehrheit aller Zionisten. Ich halte es nicht für richtig, daß man Unterschiede mache, man muß auch den anderen zugestehen, daß sie gute Nationaljuden und Zionisten sind. Die englischen Zionisten sind ebenso gute Zionisten wie alle anderen. Man soll solche Schwierigkeiten in die Bewegung nicht hineintragen. Der Zionismus hat keinen Sinn, wenn er nicht zur Lösung der jüdischen Frage führt. Man kann darüber diskutieren, ob er die gesamte jüdische Frage lösen kann, aber wenn der Zionismus nicht wenigstens zu einem großen Teil die jüdische Frage löst und dem jüdischen Volke die Möglichkeit eines Fortlehens in der Zukunft gibt, hat er keine Bedeutung. Von dieser Voraussetzung aus betrachten wir heute die ganze politische und ökonomische Lage. Die englische Regierung weiß ebenso gut wir wir, daß Palästina für das jüdische Volk eine Lebensfrage bedeutet. Sie weiß, daß unsere Arbeit nicht von dem guten Willen irgendeines anderen Volkes abhängig sein kann, sondern einzig und allein von unserem Willen, und daß diese Arbeit nicht gehemmt werden darf. Man hat hier von einer Politik der Non Cooperation, von einer Unterbrechung der Arbeft in Palästina gesprochen. Das ist für das jüdische Volk unmöglich. Ob England will oder nicht will, wir werden die Arbeit in Palästina weiterführen. Wir hoffen aber, daß die Partnerschaft, die vor 13 Jahren geschlossen wurde, auch in Zukunft bestehen wird. Und wir hoffen, daß es überhaupt nicht notwendig sein wird, solche Theorien aufzustellen und zu diskutieren. Im Shaw-Bericht wird behauptet, die Unruhen bedeuteten keinen Aufstand gegen England. Diese Behauptung ist eine Verletzung des Mandats. Ein Aufstand gegen die Juden ist im Sinne des Mandates gleichzeitig ein Aufstand gegen England. Es gibt zwei Wege für England: Den Juden Bewegungsfreiheit lassen oder ihnen bei ihrer Arbeit behilflich zu sein. Die englische Regierung hat uns aber nicht nur nicht geholfen, sondern sie hat uns sogar in der Freiheit unserer Arbeit gestört. Ich bin aber nicht hierher gekommen, um die englische Regierung oder die Exekutive zu verteidigen. Die Frage ist jetzt: Was soll weiter geschehen? Wir können die Geduld, die wir bisher bewiesen haben, nicht weiter behalten. Wir müssen unseren Druck gegen die englische Regierung fortsetzen. Ich will die Exekutive nicht verteidigen, aber ich frage: Was hätte sie während der letzten zwei Jahre tun sollen? Man wirft uns vor, daß wir die Bildung einer gemeinsamen Front gestört haben, weil wir die Vorschläge der Revisionisten nicht angenommen haben. Aber die Einsetzung einer politischen Kommission hätte faktisch den Sturz der Exekutive bedeutet. (Zustimmender Zwischenruf Jabotinskys.) Der Vorschlag wurde vom Administrativkomitee zweimal abgelehnt. Das Administrativkomitee hat auch den Vorschlag, sofort den Kongreß einzuberufen, abgelehnt, aber die Exekutive hat sich bemüht, den Kongreß vorzubereiten und einzuberufen. Ich persönlich glaube, daß die Einberufung eines Kongresses, jetzt, nicht erst im Dezember, unbedingt notwendig ist. Ich war der Meinung, daß ein Kongreß die bevorstehenden Beschlüsse der englischen Regierung beeinflussen könne, aber ich hin mit dieser Meinung nicht durchgedrungen. Man sagt, die Exekutive tue nichts. Aber das, was die Opposition tut, können wir nicht tun. Die Opposition ist eben dazu da, um das zu sagen, was die Exekutive nicht sagen kann. . Die Prärogative der politischen Arbeit ist tatsächlich auf die Jewish Agency übergegangen, die zionistische Exekutive hat kein Recht, diese Prärogative zu brechen. Es sind uns tatsächlich Schwierigkeiten dadurch entstanden, daß der Revisionismus in England Propaganda unter den Mitgliedern des Parlaments betrieben hat. Ich hoffe, schloß Brodetsky, daß die revisionistische Bewegung, die eine große und wichtige Rolle in der allgemeinen zionistischen Bewegung spielt und noch spielen wird, nicht die politische Front durchbrechen wird. Die Prärogative der Jewish Agency zu wahren, ist eine politische Notwendigkeit. Lichtheim antwortet Prag, 12. August. (JTA.) Bei Beginn der Abendsitzung ergriff Richard Lichtheim das Wort zu einer Entgegnung auf die Ausführungen Brodetskys. Wir möchten ausdrücklich betonen, sagte Lichtheim, daß wir gerade Professor Brodetsky nicht in erster Linie verantwortlich machen*für die von uns seit Jahren bekämpfte Politik der Exekutive; denn er ist das einzige Mitglied der Exekutive, das sich bemüht, einen Kontakt mit dem Wellverband der Revisionisten aufrecht zu erhalten. Aber ich muß Verschiedenes richtigstellen. Nachdem er zu verschiedenen Punkten der Ausführungen Brodetskys Stellung genommen hatte, erklärte er, Brodetsky hat im Ton der Drohung und Warnung von der Prärogative der Exekutive gesprochen. Wir wollen die Zionistische Organisation nicht v e r 1 a s s e n , wir wollen auch auf d e m Kongreß erscheinen und uns seinen Beschlüssen unterwerfen. Daraus abgeleitet rein formelle Verpflichtungen werden wir erfüllen, auch wenn es sich um Fonds handelt, die Gegen uns arbeiten. Aber auf dem eigentlichen Gebiet der Politik ist die Prärogative der Exekutive durch die Entwicklung illusorisch geworden. W i r erkennen die Jewish Agency nicht als K ö r p e r s c h a ft an, der w i r die P a 1 ä -

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