Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 34 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- Seite 478 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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478 Das Jüdische Echo Nr. 34 Das „Mitglied“ wird in letzter Zeit sehr „verhätschelt“. Man nimmt ihm viele Lasten, man fordert kaum, daß die Abteilungen sich selbst tragen. Diese Politik muß sich rächen. Wir müssen von unseren Mitgliedern zunächst das eine verlangen, daß sie die eigene Bewegung tragen. Abteilungen, die dieser Anforderung nicht nachkommen, sind prinzipiell aufzulösen. Wir dürften auch nicht solche unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Kreisarbeit und' des Weltverbandes haben. Dies ist nur der organisatorische Teil der Erziehung, der eine Selbstverständlichkeit ist. Die jüdische Erziehungsarbeit ist nur in wenigen Gruppen zufriedenstellend. Auch hier haben wir noch vieles, fast alles zu tun. Nun zu unserem „Politikern“. Eine bedauerliche Verwirrung hat hier Platz gegriffen. Man muß in dieser Frage gerade gegen Führer polemisieren, die sich um die Sache sehr verdient gemacht haben, und das macht natürlich keiner gern. Aber gerade hier ist „gesündigt“ worden. Es sei hier ganz unzweideutig feistgestellt: Wir haben mit keinerlei Politik etwas zu t u n. Wir haben der Idee zu dienen, nicht zu herrschen. Wir brauchen als „Makkabi“ keine Vertretung in irgendeinem zionistischen Gremium, wir brauchen als „Makkabi“ keinen Sitz in irgendeiner jüdischen politischen Institution. Das Streben, in einer zionistischen Ortsgruppe unsere Vertreter durchzusetzen ist verkehrt. Welche Prinzipien haben wir dort zu vertreten? Wir brauchen keine Delegierte in der Z.V.f.D. und keine auf dem Kongreß. Ich habe noch kein Argument gehört, das die Notwendigkeit hierzu beweist. Aber selbst, wenn wir irgendein Prinzip zu vertreten hätten, würden wir abweichen von den Grundsätzen einer erzieherischen Jugendgemeinschaft. Wir treiben den Sport nicht als „Professionals“ und unsere jüdische Arbeit darf nicht durch „Äquivalente“ erzieherisch entwertet werden. Wir brauchen keine Belohnung für sie. Es tut auch nicht not, daß unsere aktivsten Führer sich in anderer Arbeit aufreiben. Wir können auf sie nicht verzichten. Wir wollen auch nicht der Spielball politischer Interessen werden, 'sondern haben wichtigere elementare Aufgaben.* An dem Beispiel von Kareski können wir sehen, daß es viel wichtiger ist, daß unsere Führerpersönlichk’eifen auf sich' selbst gestellt im politischen Leben sich durchsetzen, als daß eis auf den Schultern einer Gemeinschaft geschieht, die ihrer ganzen Art nach nie ein politisches Forum werden kann und werden darf. Die 'Wirkung solcher Einzelpersönlichkeiten ist darum nicht geringer. Vierte Weltkonferenz der Revisionisten Hauptaussprache und Referat Lichtheims ln der Hauptaussprache über die Referate Jabotinskys und Großmanns und über den Bericht des Zentralbüros befaßte sich Dr. Brutzkus (Berlin) mit der Lage der russischen Zionisten, der einzigen Gruppe in Rußland, die ihre politische Freiheit verteidigt. Dr. Martin Lichtner verlas eine Kundgebung der tschechoslowakischen Revisionisten, die den Weltverband zur Übernahme der Geschäfte der Exekutive auffordert. Dr. Schechtmann (Paris) wendet sich gegen einen billigen Radikalismus und gegen die Losvon-England-Bewegung. Die Politik der Zionistischen Organisation muß sich gerade in der nächsten Zukunft auf England konzentrieren, um auf England einen Druck auszuüben, daß es seine politischen Pflichten erfüllt. In der Palästina-Arbeit soll eine Atempause eintreten. Die Palästina-Administration wird schon im ersten Jahre an ihrem Defizit entdecken, welcher Faktor die zionistische Bewegung ist. Man müsse der praktischen Arbeit im Zusammenhang mit Transjordanien mehr Aufmerksamkeit widmen. Die Generaldebatte wird unterbrochen, um Richard Lichtheim (Berlin) Gelegenheit zu geben, sein Referat über „Das Verhältnis der revisionistischen Union zur Zionistischen Organisation, ihren Institutionen und zur Jewish Agency“ zu halten. Geschichtlich gesehen, führte Lichtheim aus, sei der Revisionismus eine Kritik der Zustände in der zionistischen Bewegung, eine Kritik der Ideologie und der Praxis der Bewegung, der Politik, Wirtschaft und Organisation unter der vorhandenen Leitung. Das Ziel war: Eroberung der Organisation von innen her. Der Revisionismus war ein Teil der Zionistischen Organisation, gehörte seiner Herkunft nach zur Masse der. allgemeinen Zionisten und wollte sie durch seine Idee für sich erobern. Die Entwicklung habe es mit sich gebracht, daß eine besondere Organisation gebildet wurde. Das hat auch innere Gründe. Ein Faktor sei die allgemeine Degeneration der zionistischen Ideologie, besonders unter dem Einfluß Weizmanns und seines Kreises. Die Schuld liege an der zionistischen Leitung in London. Dort entstand ein apolitischer Zionismus, eine Stimmung des Verzichtes. Der Kulturzionismus wurde die beste Ausrede für die Beamtenschaft, um nichts zu tun. Wir müssen uns als Sonderverband deklarieren. Wenn die zionistischen Fonds verwendet werden, den Revisionismus zu bekämpfen, dann dürfe man sich nicht wundem, wenn der Revisionismus sie nicht in einem Maße unterstützt, wie erwartet werden dürfe. Deshalb besteht der Tel-Chaj-Fonds. Was die Frage der politischen Prärogative anlangt, so besteht eine Bindung an die Beschlüsse der zionistischen Leitung, aber nicht an jene der Jewish Agency. Deshalb müsse sich der Revisionismus die Freiheit der politischen Aktionen je nach Erfordernis Vorbehalten. Dr. Paul Arnsberg (Frankfurt) befaßt sich mit der englischen Politik in Transjordanien, die er einer scharfen Kritik unterzieht. Weinstein (Palästina) wirft die Frage auf, ob man nicht nur die Politik, sondern auch den Sitz der Exekutive nach Paris verlegen sollte. J. Klinoff (Berlin) führt aus: Die Konferenz hatte drei wichtige Momente dargelegt: Die Idee der Arbeitspausen wurde zur Diskussion gestellt. Binjan Haarez hat nur dann Sinn, wenn jüdische Menschen nach Palästina kommen können. Für „Missionen“ in Palästina haben wir kein Interesse. Bei vollständiger Sicherung des Jischuw kann unter gewissen Umständen eine Pause eintreten, in der das Budget der Regierung und die Araber es zu spüren bekommen werden, was es bedeutet, daß jüdisches Kapital nicht investiert wird, wenn es nicht den Juden zugute kommt. Wir sind nicht ängstlich, wenn man den von uns verlangten militärischen Schutz als eine Idee des militanten Zionismus, als Ludendorf-Psychologie bezeichnete. Zweitens ist es wichtig, die Stimmung für die selbständige revisionistische Arbeit zu vertiefen. Sie ist das Ergebnis einer historischen Entwicklung, und da werden auch Drohungen mit Staatsverrats-Paragraohen nichts helfen. Revolution während einer nationalen Krise? Revolutionen finden imrrmr in einer nationalen Krise statt. Der Herzische Zionismus wird unter allen Umständen seinen Weg gehen. Lewanon hält eine Arbeitspause in Palästina für