Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 34 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- Seite 477 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 477 Männern nie vergessen werden, die selbst noch ihr Amt unter materiell drückenden und seelisch erniedrigenden Bedingungen antraten, sich aber nicht unterkriegen ließen, und die Würde ihres Standet in zäher Arbeit hoben. Die Furchtlosigkeit, mit der sie ihren Kampf vor der Öffentlichkeit führten, die Solidariät, mit der sie einander halfen, die Charakterstärke, die sie trotz aller Abhängigkeit bewiesen, kann jeder neuen Generation zum Vorbild dienen. Vor allem aber dürfen die jungen Lehrer von heute nicht vergessen, daß sie die Früchte der vergangenen Arbeit nicht lange werden ungestört genießen können, wenn sie den Geist, der die Kämpfe der Früheren getragen hat, nicht für sich bewahren. Daß dies kein leeres Wort i'st, sondern Tatsache, beweisen die immer häufiger werdenden Angriffe auf das Beamtentum im allgemeinen und den Lehrerstand im besonderen, der wahrhaftig seine Aufgabe nicht erfüllen kann, wenn er wieder in die alte Abhängigkeit zurückgeführt werden sollte. Den Anfängen dieser Reaktion entgegenzutreten, ist eine Aufgabe, die nur die Jungen übernehmen können und müssen, Wenn der Jüdische Lehrerverein für seinen Stand Forderungen aufstellte, so tat er dies nicht aus egoistischen Beweggründen allein; er. wies immer darauf hin, wie sehr die jüdische Öffentlichkeit daran interessiert sein müsse, daß ihre Jugend von freien und wirklich gebildeten Menschen erzogen werde. Steht also der Lehrer mit seiner Tätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit den Kräften des gesamten Judentums, so muß er auch dem Leben des Volkes Vorbilder entnehmen, die er der ihm anvertrauten Jugend aus seiner eigenen Begeisterung heraus vorweist. Neben dem Reichtum, den ihm die Vergangenheit bietet und um die er wissen muß, ist heute jüdische Gegenwart beispielgebend geworden. Der jüdische Osten ist uns näher gerückt und vor allem das neue Palästina mit dem lebendigen Hebräisch, mit seinen neuen Liedern, Schicksalen und vor allem seinem neuen Menschentypus darf dem jüdischen Junglehrer nicht fremd sein. Hier hat er neue Wege zu gehen; er muß die Sprache beherrschen, nicht bloß die ‘sog. Grammatik; manche von den Älteren sind dagegen, weil sie es nicht mehr lernen können oder wollen. Er muß das Land selbst kennen und wenn liier eine Anregung erlaubt ist, so möge der Israelitische Lehrerverein auf seiner Jubiläumstagung beschließen, einen Stipendienlondis tfür Palästinareisen zu begründen, der durch Darlehen und Zuschüsse vor'allem den jüngeren Mitgliedern ermöglicht Erez Israel selbst zu sehen. Von den mannigfachen neuen Problemen, denen sich die heutige Junglehrerschaft gegenübergestellt sieht, sei das der Autorität hervorgehoben. Sie kann sich nicht mehr auf die alten Machtmittel stützen. Der Lehrer muß etwas von den Eigenschaften haben, mit denen der Jugendführer seine Gruppe zusammenhält, er muß das menschliche Vertrauen der jungen Menschen zu erringen verstehen, sein überlegenes Wissen und seine Persönlichkeit müssen ihm innere Autorität verschaffen, sonst ist er nicht am Platze. Dazu gehört eben auch, daß die Schranken für die Zeit außerhalb des Unterrichtes fallen, und es ist gut, daß wir uns immer mehr dem Typus des englischen Lehrers nähern, der mit seinen Jungens auch auf den Sportplatz geht oder sogar einmal mit ihnen zusammen Unfug treibt. Dis alles sind Dinge, die eine andere Zeit mit sich gebracht hat und als Aufgabe vor die junge Generation stellt. Sie hat sich schon an die Bewältigung dieser Probleme herangemacht. Möge sie, wenn der Jüdische Lehrerverein in Bayern sein SOjähriges Jubiläum feiern wird, von Sich sagen dürfen, daß sie ihre Aufgabe so gut bewältigt hat wie die, die jetzt zu feiern das Recht haben! Der Turntag in Hamburg Am 23. August beginnt in Hamburg der 13. Turntag des deutschen Kreises im Makkabiweltverband. Aus diesem Anlaß veröffentlicht in dessen Organ: „Der Makkabi“ Nathan Kamiski bemerkenswerte Ausführungen, die wir nicht unterlassen möchten, unseren Lesern im folgenden auszugsweise zur Kenntnis zu bringen. Der Hamburger Turntag wird sich mit wichtigen Problemen befassen. Gegenüber der starken Expansion und den äußeren Erfolgen unserer Vereine, wird in einigen Vereinen die innere Entwicklung vernachlässigt. Dazu glauben viele alte bewährte Führer politische Positionen für die Makkabi-Bewegung erstreben zu müssen. Nach beiden Seiten hin ist in letzter Zeit gesündigt worden. Die Überschätzung der äußeren Erfolge hat zu gefährlichen Erscheinungen geführt. Der europäische Sport ist für Erziehungstendenzen, gleich welcher Art, ein gefährliches Terrain. Will man die positiven Seiten des Sportes nutzbar machen, so muß man die negativen um so tatkräftiger und bewußter bekämpfen. Demgegenüber hat man sich bei uns manchmal angewöhnt, ein Auge zuzudrücken. Es ist nur ein armseliges Ziel, Meisterschaften oder Ligafreuden zu erstreben, wenn dabei die Grundrichtung der Makkabi-Bewegung verlassen wird. Das Beispiel der Wiener Hakoah sollte doch genügend schrecken. Wir wollen ein neues jüdisches Geschlecht heranbilden helfen, frei von den Minderwertigkeitsgefühlen der Galuth aber auch frei von dem albernen Schmocktum und der Wichtigtuerei, die sich leider oft beim modernen Sport zeigen. Hier den richtigen Mittelweg zu wählen, erfordert dauernde Selbstkritik und Selbstkontrolle. Wir wollen Bescheidenheit 'im Auftreten für den einzelnen, und sei es auch der beste Sportsmann, ebenso wie auch in der Repräsentation der Bewegung nach außen. Der wahre Sportsmann wirkt nur durch seine Leistung, nicht dadurch, daß er sich bläht oder andere für ihn trompeten. Für die Führer unserer Bewegung und für unsere Berichterstattung heißt das, in allen Äußerungen in der Propaganda und der Presse sich jene Zurückhaltung aufzuerlegen, die bewußt sich abkehrt von dem überlauten Getue und Wichtigmacherei des modernen Sportes. Wir haben keine Gipsfassade zu errichten, die den stolzen Bau nur vortäuscht und nach kurzer Frist wieder eingerissen werden muß, sondern wir wollen das Fundament einer großen starken Pyramide legen, das Fundament einer Volksbewegung, deren breite und feste Basis es ermöglicht, Jahrhunderten zu trotzen. Eine breite und feste Basis heißt: möglichst viel jüdische Jugend zu erfassen und diese zu gefestigen Juden zu erziehen. Für die Breite der Basis ist übergenug geschehen. Mit losem Sand läßt sich jedoch nicht bauen, sondern nur mit festen Steinen. Der einzelne muß in seiner jüdischen Einstellung gefestigt werden, er muß die Bewegung tragen helfen .und sie fördern. Wir sind bescheiden geworden in unseren Anforderungen an den einzelnen.