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Das jüdische Echo · 1930-08-22 · 34 (22.8.1930) · p. Seite 476

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
34 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
Seite 476 (sequence 6)
Language
German
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476 Das Jüdische Echo Nr. 34 Unterhaltung dieses Aufbauwerkes ist, Rechnung tragen. Darum werden Aktionskomitee und Administrativkomitee trotz des verständlichen Wunsches, sich hauptsächlich mit politischen Fragen zu beschäftigen, nicht umhin können, ihre besondere Aufmerksamkeit den Realitäten des jüdischen Lebens in Palästina zuzuwenden. Die aus Palästina zu den Tagungen kommenden Vertreter werden in dieser Hinsicht zweifellos die vorwärtstreibenden Kräfte sein. Zionisten und Palästinafreunde in der Galulh begleiten die Arbeit in Palästina mit ihren Sorgen und mit ihren Wünschen; mitten drin in dieser Arbeit stehen sie jedoch nicht. Und darum sind sie in höherem Maße als die Palästinenser geneigt, im gegenwärtigen Augenblick nur die politischen Momente und nicht die praktischen Dinge des Alltags zu sehen. Auch die Palästinenser verfolgen, was nur selbstverständlich ist, die politische Entwicklung, die auf Palästina Bezug hat, mit lebhaftester Neugier und brennendstem Interesse — aber daneben fordern tausenderlei Notwendigkeiten des Alltagslebens in Palästina ihr Recht. Sicherlich ist das Palästinawerk von der jeweiligen politischen Konstellation abhängig. Aber mag die politische Lage wie immer sein, innerhalb des gegebenen politischen Rahmens sind stets Betätigungsmöglichkeiten vorhanden und diese dürfen in keinem Augenblicke ungenutzt bleiben. Es ist leider vorauszusehen, daß die Teilnehmer an den Berliner Tagungen vorläufig keine abgeschlossenen Resultate der seit vielen Monaten schwebenden politischen Differenzen hinsichtlich des Status von Palästina und der dortigen jüdischen Arbeit erfahren werden. Es ist nicht einmal anzunehmen, daß der Bericht von John Simpson in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit bekannt werden wird. Dieser Bericht soll die Voraussetzung für die Entscheidung über die Aufhebung der Arbeitereinwanderung und Weisungen über die Formen des zukünftigen Bodenerwerbes bringen. Immerhin bietet auch der gegenwärtige Augenblick, unbeschadet möglicher kommender Neuregelungen, sehr viele Möglichkeiten gerade auf dem Gebiete des Rodenerwerbes und der Inaugurierung neuer Arbeiten. Darum wird die Budgetfrage im Zusammenhänge mit den laufenden und den neu aufzunehmenden Arbeiten bei den Beratungen beider Körperschaften eine große Rolle spielen. Alle Zionisten und Palästinafreunde sind der unerschütterlichen Zuversicht, daß eine Ausdehnung des Palästinawerkes unter allen Umständen möglich sei und auch kommen wird. Voraussetzung jedoch für die künftige Arbeit ist eine restlose Befestigung all jener Stützpunkte, über welche wir schon heute im Lande verfügen. Es ist schon vielfach auch in nichljüdischen Zeitungen hervorgehoben worden, daß Palästina gegenwärtig in Anbetracht der in der ganzen Welt herrschenden Krise geradezu eine glückliche Oase darstellt. Diese Feststellung trifft jedoch nur in gewisser Hinsicht zu, soweit sie sich auf die palästinensische Industrie und auf den Pflanzungsbau bezieht. Auch die Frage der Arbeiterbeschäftigung steht in Palästina, verglichen mit den Verhältnissen in der ganzen Welt, günstig. Betrachtet man aber das Problem der palästinensischen Landwirtschaft, und zwar unterschiedslos der jüdischen und arabischen, so kommt man zu der Erkenntnis, daß die Weltgetreidekrise, die bis jetzt geherrscht hat, sich in ihren schlimmen Auswirkungen auch auf Palästina erstreckte. Man kann im Augenblick nicht Voraussagen, wie sich die Lage der Getreidemärkte im nächsten Jahre gestalten wird. Es ist aber schwer zu glauben, daß auf diesem Gebiete eine radikale Gesundung innerhalb kurzer Zeit eintreten kann. Darum wird die palästinensische Landwirtschaft bei den Beratungen über unser Arbeitssystem im Lande in den kommenden Tagungen eine besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Lage der Kolonien im Emek ist, abgesehen von den schlimmen Auswirkungen der Mäuseplage, wenig erfreulich. Man wird sich schlüssig werden müssen, ob das gesamte System der Arbeit im Emek nicht dringend einer Umstellung bedarf. Besonders sorgsam wird man sich mit der Frage der Planlagenwirtschaft in Palästina beschäftigen müssen. Diese scheint aller Voraussicht nach der zukunftsreichste Zweig der Erwerbsarbeit im Lande werden zu wollen. Die bisherigen Erfahrungen in der Orangenzucht lassen diese Hoffnungen berechtigt erscheinen. Einen großen Raum in den Überlegungen wird auch die Frage der Privatinitiative und der Privatwirtschaft spielen. Es gilt, Mittel und Wege zu finden, um das Vertrauen privater Unternehmer in die Wirlschaftsverhältnisse des Landes zu stärken. Es ist kein Zweifel, daß die Privatwirtschaft, nach einiger Zeit des Experimentierens und des Tastens, gegenwärtig sich in aufsteigender Linie bewegt. Sie ist Trägerin eines großen Teiles von jenem Aufschwung, dessen sich das gesamte Palästinawerk rühmt. Sie absorbiert eine große Anzahl jüdischer arbeitender Hände. Ihre Rolle wird auch in der Zukunft in vielfacher Hinsicht ausschlaggebend sein. All diese Dinge werden die Tagungen des Aktionskomitees und des Administrativkomitees zu Arbeitstagungen machen. Beide Gremien haben gegenüber dem Zionistenkongreß und dem Council der Jewish Agency den Vorteil, daß in ihnen wenig Personen sitzen, die überdies mit der Materie des Palästina-Aufbaues besser vertraut sind, als die Plcna der großen repräsentativen Kongresse. Darum haben beide Körperschaften die größere objektive Möglichkeit, weniger zu diskutieren und mehr zu arbeiten. Die zionistische Welt, alle Palästinafreunde und insbesondere das jüdische Palästina bringen den Berliner Tagungen viele Erwartungen entgegen. Mögen diese Erwartungen volle Erfüllung finden! e. z. 50 Jahre Jüdischer Lchrerverein für Bayern Festwünsche eines Junglehrers Der Jüdische Lehrerverein für Bayern begeht am 24. und 25. August in Würzburg, der Stätte der Israelitsischen Lehrer-Bildungsanstalt, an der der Großteil der Mitglieder dös Vereins die grundlegende Berufsausbildung empfangen hat, die Feier seines 50jährigen Bestehens. Für den Junglehrer kann ein Jubiläum, das auf einen abgelaufenen Zeitabschnitt von 50 Jahren zurückblickt, keine solche Summe von Gemütswerten bedeuten-, wie für seine älteren Kollegen. Diese feiern das Kollektivum, mit dessen Schicksal zugleich ihr persönliches Leben verknüpft ist. Der junge Lehrer steht erst am Anfang seines Lebenswerks und hat nach vorwärts zu schauen. Trotzdem aber kann er auch dais Fest der Alten mitbegehen, wenn er aus. ihm die Verpflichtung der Weiterarbeit übernimmt, daß er das Erbe wahren und vor allem mehren will. Es ist das Vorrecht der Jugend, ihren Weg zu gehen und nicht ohne weiteres die Gesetze der Vergangenheit zu den ihrigen zu machen. Aber der jüdische Lehrer in Bayern ist im Besitze von Gütern, die seine älteren Standesgenosfeen in hartem und tapferem Ringen für sich und ihre Nachfolger errungen haben. Das darf diesen

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