Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- Seite 465 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9238343--11077-9223142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 33 Das Jüdische Echo 465 düngen schaffen, neue Reserven und neue Geldmittel. Man werde in Palästina rechtzeitig begreifen, daß es ohne eine jüdische Bevölkerung keine Prosperität gebe. Man müsse der Welt klar machen, daß die Araber Palästinas ein Vorposten des arabischen Imperialismus sind, der mehr Boden will, als er bearbeiten kann. Die Entscheidung müsse zwischen Europa und Asien getroffen werden. Wir sind in Palästina die Vorposten Europas, Vertreter einer fortschrittlichen Kolonisation. Gemeinsame politische Interessen mit den Arabern gibt es nicht. Der Ausgleich liegt auf der Linie der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Jeder Fortschritt des Landes werde nicht nur ein Fortschritt des jüdischen Landes sein. Der Revisionismus hat als einzige zionistische Partei in seinem Agrarprogramm die Befriedigung der arabischen Forderungen auf gestellt. Er sei auch für Erweiterung der lokalen Verwaltung im Lande. Erst bei Ausschluß der politischen Fragen werde eine wirtschaftliche Kooperation mit den Arabern möglich sein. Wir wollen, schloß Großman, eine gemeinsame Front. Der Revisionismus habe das Vertrauen in die alten Kräfte verloren. Deshalb baue er eine neue Organisation mit neuem Menschenmaterial. Und er erwarte, daß diejenigen, die mit ihm gehen wollen, auf sein Programm eingeschworen sind. Trennung von der Zionistischen Weltorganisation Prag, 10. August. (JTA.) Aus Gesprächen mit Delegierten der revisionistischen Weltkonferenz gewann der JTA-Vertreter den Eindruck, daß der Wunsch nach Trennung der revisionistischen Bewegung von der Zionistischen Organisation stark überhand nimmt und vielleicht die Mehrheit auf der Konferenz haben wird. Die starke Beteiligung von Delegierten aus zahlreichen Ländern hat zur Erhöhung der Stimmung beigetragen; revisionistische Führer versicherten dem JTA-Vertreter, daß die Konferenz einmütig gegen die Jewish Agency stimmen wird, es sei denn, daß eine Jewish Agency auf rein demokratischer Grundlage gewählt wird. In den Sitzungen der Sektion der' revisionistischen Weltkonferenz wird über die einzelnen Programmpunkte der Konferenz und die einzubringenden Resolutionen beraten. Es handelt sich um die Haltung gegenüber England, die Politik gegenüber den Arabern und schließlich darum, ob der revisionistische Weltverband ein Teil der zionistischen Organisation sein soll oder nicht. Dr. Werner Senator über das heutige Palästina Berlin, 10. August. (JTA.) In Berlin weilt gegenwärtig Herr Dr. Werner Senator, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency in Palästina. Dr. Senator, der sich in der modernen jüdischen Jugendbewegung und im jüdischen sozialen Leben Deutschlands als Theoretiker und als Mann der Tat führend beteiligt und der in den letzten Jahren das Amt eines Generalsekretärs des europäischen Büros des Joint Distribution Committee innegehabt hat, wurde bekanntlich dazu ausersehen, in der Exekutive der Jewish Agency das Amt eines Schatzmeisters und Finanzberaters auszuüben. Die Anwesenheit Dr. Senators in Berlin benutzte der JTA-Vertreter, um ihn zu befragen, wie er„ der aus der deutschen Kultursphäre Hervorgegangene, das heutige Palästina sieht. Herr Dr. Senator erklärte, er finde es jetzt, unmittelbar vor den Tagungen des Zionistischen Aktionskomitees und des Administrative Committee der Jewish Agency, für seine Person nicht an der Zeit, sich in tiefere politische und programmatisch-wirtschaftliche Erörterungen einzulassen, er könne nur einige allgemeine Bemerkungen geben. Es sind drei Komplexe ins Auge zu fassen: ein politischer, ein finanziell-wirtschaftlicher und ein psychologischer. Um mit dem letzteren zu beginnen, soll zunächst festgestellt werden, daß trotz des in politischer wie in finanziell-wirtschaftlicher Beziehung schweren Jahres, das der Jischuw hinter sich hat, die Stimmung im Lande unerschüttert ist; es besteht die ruhige Entschlossenheit zur Arbeit um jeden Preis. Sogar die Sperrung der Arbeiter-Alijah, die natürlich auch den Jischuw tief aufwühlte, wurde in Erez Israel ruhiger beurteilt, als dies im Auslande geschah. Auch die verantwortlichen Faktoren lassen sich nicht durch Stimmungen von der notwendigen Arbeit und den notwendigen Maßnahmen zurückhalten; so wurde z. B. auch mit dem englischen Bevollmächtigten Sir John Hope Simpson aufs engste zusammengearbeitet und mit ihm das gesamte Material über unser wirtschaftliches Zukunftsprogramm eingehend besprochen. Nun zur wirtschaftlichen Lage: Palästina ist bisher von der Weltwirtschaftskrise fast nicht erfaßt worden. Aber für die Dauer wird der Einfluß der allgemeinen wirtschaftlichen Weltkrise auch in Palästina spürbar sein. Der Zufluß privaten Kapitals beginnt sich zu verlangsamen, die allgemeine Krise der Landwirtschaft trifft besonders auch die auf Getreideproduktion basierte Fellachenwirtschaft. Der Umfang der Arbeitslosigkeit geht vorläufig nicht über das normale Maß hinaus. Eine ganze Reihe von Arbeiten seitens verschiedener in Palästina arbeitender Organisationen wird erst in naher Zukunft in Angriff genommen werden und den Arbeitsmarkt günstig beeinflußen. Es handelt sich um Arbeiten, die die Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), der Emergency Fund, die Jewish Agency (Bauten in ihren Kolonien) programmäßig durchzuführen haben. Im nahenden Herbst wird die Orangenernte eine größere Zahl Arbeiter absorbieren. Trotz dieser günstigen Momente ist natürlich auf dem Arbeitsmarkt die Möglichkeit von Schwankungen gegeben. Entscheidend in wirtschaftlicher Hinsicht ist es, ob angesichts der Zurückhaltung des Privatkapitals infolge der Wirtschaftskrise es der Jewish Agency gelingen wird, ein größeres Arbeitsprogramm durchzuführen, d. h. ob an Stelle des sich verringernden Privatkapitals öffentliches Kapital zur Verfügung stehen wird. In dieser Hinsicht stehen die Dinge leider vorläufig nicht besonders gut. Es werden große Anstrengungen erforderlich sein, um die Fiananzen des laufenden Jahres in Ordnung zu bringen und die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit im angemessenen Umfang weiter zu führen. Politisch (und das politische Moment wirkt ja auf das wirtschaftliche und psychologische hinüber) ist es von großer Bedeutung, daß eine weitere Beruhigung der Atmosphäre einlritt. In den meisten Kreisen beginnt sich der Gedanke durchzusetzen, daß man zu einem modus vivendi zwischen den drei beteiligten Faktoren (Juden, Araber und Regierung) kommen muß, der häufige Friktionen vermeidet. Diesem Problem messen wir alle die größte Bedeutung bei; es ist besonders bedeutungsvoll in einem Moment, wo die Jewish Agency das Fazit der Arbeit ihres ersten Jahres zieht und die Grundsteine für ihre zukünftige Arbeit legen muß. Von unmittelbarer praktischer Wichtigkeit betrachte ich eine sachliche Koordinierung der wirtschaftlichen und der sozial-kulturellen Arbeiten der verschiedenen in Palästina arbeitenden Organisationen, die z. T. durch Personalunion mit der Agency