Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- Seite 464 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Das Jüdische Echo Nr. 33 mit Hoffnung und Zuversicht erwarten wir von der britischen Regierung eine Aktion, die geeignet ist, die Errichtung dieses Nationalheims zu sichern. Das Memorandum ist unterzeichnet vom Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten Sol. Bloom, vom Mitglied des polnischen Parlaments I)r. Henryk Rosmarin, vom Mitglied des lei tischen Parlaments Dr. M. Nurok und vom Mitglied des südafrikanischen Parlaments M. Kentridge. Was hat Lord Paßfield der arabischen Delegation angeboten? Eine bewegte Sitzung der arabischen Exekutive Jerusalem, 5. August. (JTA.) Die arabische Exekutive Palästinas hielt soeben eine Sitzung ab, in der die Mitglieder der arabischen Delegation für London über ihre Verhandlungen mit Mitgliedern der britischen Regierung, insbesondere mit dem Kolonialminister Lord Paßfield, Bericht erstatteten. Die lokale palästinensische Presse bringt über den Verlauf dieser Sitzung nur sehr fragmentarische Mitteilungen, während die in Damaskus erscheinende arabische Zeitung „Alepha“ einen ausführlichen Bericht bringt. Als erster berichtete das Mitglied der London- Delegation Auni Bey Abdul Hadi über die Aufnahme der Delegation durch Lord Paßfield. Lord Paßfield, teilte Auni Bey mit, hat die von der arabischen Delegation vorgelragene Forderung nach Errichtung eines Parlaments in Palästina zurückgewiesen, dafür aber den Arabern als Äquivalent für die Jewish Agency eine Art Arab Agency oder eine legislative Körperschaft mit beschränkten Rechten angeboten. Die britische Regierung, fuhr Auni Bey fort, verweigerte den Arabern ein demokratisches Regime, weil sie befürchtet, eine solche neue Ordnung würde Konflikte verursachen. Wir bettelten nicht, schloß Auni Bey, sondern wir vertraten energisch unsere Forderungen, und Lord Paßfield gab uns die Versicherung, daß er uns ein neues Angebot machen wird, welches unsere Hoffnungen nicht enttäuschen wird. Der Delegierte Alfred Roch gab eine Darstellung der Verhandlungen mit der englischen Regierung, die wesentlich von der Auni Beys abwich. In Paßfields Statement, sagte Roch, war eine Institution vorgesehen, die von den arabischen Forderungen sich nicht sehr weit unterschied. Die Regierung glaubt, daß die arabischen Forderungen wirklich nicht übertrieben seien. Auni Bey griff später nochmals in die Diskussion ein und zitierte Clemenceaus Ausruf: ,,Wehe der Nation, die das Schweigen wählt!“ Das Zögern Großbritanniens, sagte Auni Bey, ist auf die Furcht vor der zionistischen Propaganda zurückzuführen. Auch Frankreich fürchtet den Zorn der Zionisten. Das Mitglied der arabischen Exekutive Azat Darvizah forderte die sofortige Einberufung des achten palästinensisch-arabischen Kongresses und führte hierfür das folgende Argument ins Treffen: Der siebente Kongreß hat die jetzige Exekutive gewählt und ihr den Auftrag gegeben, ein Parlament durchzusetzen. Darin habe die Exekutive versagt. Darvizah verlangte auch, daß die Nichtzusammenarbeil mit der Regierung und der bürgerliche Ungehorsam nach dem Muster der anderen Orientländer proklamiert werden. Beamte der Exekutive bemühten sich, die Extremisten zu beschwichtigen und erklärten, der High Commissioner, der demnächst ins Land zurückkehren wird, werde eine befriedigende Lösung mit sich bringen. Ein anderes Mitglied der Exekutive, Boulous Shehada, sprach sich entschieden gegen die Einrichtung eines ständigen arabischen Propagandabüros in London aus und forderte die Einrichtung eines ständigen politischen Büros für die östlichen Länder, da England durch die Unzufriedenheit im Orient empfindlicher getroffen wird, als durch irgendwelche Klagen europäischer Mächte. Vierte Weltkonferenz der Zionisten-Revlsiontsten in Prag P r a g , 10. August. (JTA.) Am Sonntag, 10. August, 10.30 Uhr vormittags, eröffnete Wladimir Jabolinsky, der Schöpfer des revisionistischen Zionismus und Präsident des Welt Verbundes der Zionisten-Revisionisten, die vierte Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten in hebräischer Sprache. In dem großen Saale des Beth Am (Jüdischen Volkshauses) waren bei der Eröffnung etwa zweihundert Delegierte aus zahlreichen Ländern, unter ihnen etwa fünfzig aus Polen und zwanzig aus Deutschland sowie rund zwölfhunderl Gäste aus allen Teilen der Tschechoslowakei und dem Auslande anwesend. Zahlreiche Gäste konnten wegen Platzmangels nicht mehr eingelassen werden. Es fiel auf, daß weder die Regierung, noch die Stadt Prag, noch die englische Gesandtschaft und die Prager jüdische Gemeinde Vertreter zu der Eröffnungssitzung entsandt haben. Jabotinskv schloß seine dreistündige Rede mit der Erklärung, er sei nicht dafür, daß das Mandat Großbritannien weggenommen und einem anderen Staate übergeben werden soll. Jabotinsky sagte noch, er glaube an die Möglichkeit einer Aussöhnung mit den Arabern, diese müsse aber auf der einzig möglichen Grundlage geschehen, daß die Araber das Prinzip der unbeschränkten jüdischen Einwanderung und der Umwandlung Palästinas in ein Land mit jüdischer Mehrheit anerkennen. Prag, i0. August. (JTA.) In der Sonntag-Nachmittagsitzung der vierten Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten, die unter dem Vorsitz von Richard Lichtheim staltfand, wurde ein elfgliedriges Präsidium aus den folgenden Herren gewählt: Dr. Soskin, Dr. Brutzkus, M. Danzis, B. Weinstein, J. Kahan, Hans Löw, A. Recanati, Dr. Lachmann, Luhilzky, Dubitzky und Rotmann. Dr. Soskin, der den Vorsitz übernahm, teilte mit, daß etwa zweihundert Delegierte der revisionistischen Ortsgruppen anwesend sind, so daß man von einem Kongreß der revisionistischen Partei sprechen dürfe. Nach der Wahl von Ausschüssen, darunter eines Ausschusses zur endgültigen Formulierung des revisionistischen Programms, erstattete Herr Meer Großman (London) sein Referat über Rekonstruktion der zionistischen Politik. Die politischen Aufgaben der nächsten Jahre sieht Großman in zwei Richtungen: In einem System politischer Arbeiten. Verhandlungen mit politischen Faktoren, um ihnen klar zu machen, was der Zionismus wolle und vvas er für England bedeute. Ferner die Erzielung einer klaren Antwort, ob England die Gründung eines jüdischen Nationalheims in Palästina will oder nicht. Darin müsse, eine freundliche, aber entschiedene Warnung eingeschlossen sein, daß wir kein Interesse an England hätten, wenn es nicht unser Partner sein wolle. Die Alternative: Das Weltjudentum oder die Araber Palästinas. Großman glaubt nicht, daß eine Änderung der Orientierung gegen England notwendig sein wird. Man müsse sich vorbereiten auf eine Pause in der Palästinaarbeil. Erstens wegen der wirklichen Störung unserer Arbeit, zweitens wegen des Verlustes an Vertrauen an die Möglichkeit, in Palästina zu arbeiten und drittens als bewußtes Mittel zur Ausübung eines Druckes. Es gibt Zeiten, in denen eine solche Pause mehr wert sein kann als Arbeit. Man müsse die Schützengrabenlinie hallen, neue Verbin-