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Das jüdische Echo · 1930-08-15 · 33 (15.8.1930) · p. Seite 461

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
33 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 461 sehen Partei erinnert — daß mehr Freundschaft für die Juden bei keiner Partei, ob bürgerlich oder proletarisch, zu haben ist; wenn vielleicht programmatisch, so doch nie faktisch. Wenn es auf die Freundschaft und Liebe ankäme, die man zu den Juden hegt, so wären sie politisch wirklich überall heimatlos. Auch liegt es nicht in unserer Macht, diese Zustände zu ändern, jetzt nicht und in aller Zukunft nicht. Im übrigen wird freilich die letzte Antwort auf die Frage, ob die Juden Mitglieder der Deutschen Staatspartei sein und sie wählen können, abgesehen von den obenerwähnten Vorbehalten, erst die Liste ihrer Wahlkandidaten geben. Diese Liste wird zeigen, ob man den Juden auch in der Praxis und der Parteiführung die Gleichberechtigung zugesteht, und sie wird zeigen, welche Männer sich für die Ziele der Staatspartei einsetzen. Männer sind heute wichtiger und ausschlaggebender als Programme — ist den Männern der Staatspartei auch am Vertrauen der deutschen Juden gelegen, so wird man es ihnen kaum versagen, aber vertrauenerweckend müssen sie selbst schon sein. I. E. Centralverein, Zionistische Organisation und Äbwehrkampf Wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, haben in der letzten Zeit in Berlin auf Initiative der Berliner Jüdischen Gemeinde Besprechungen zwischen dem Centralverein und der Zionistischen Organisation zum Zwecke der Herbeiführung einer Kooperation in gesamtjüdischen Arbeitsgebieten in Deutschland begonnen. Im Vordergrund steht die Frage des jüdischen Abwehrkampfes gegenüber der ansteigenden antisemitischen Flut. Diese Besprechungen haben eine lange Vorgeschichte. Sie sind nicht von ungefähr angeregt oder begonnen worden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben* muß man feststollen, daß die ersten Überlegungen, ob es doch nicht möglich wäre, zu einem erträglichen Verhältnis zwischen Centralverein und Zionistischer Organisation zu gelangen, auf zionistischer Seite angestellt wurden. Dies geschah nicht etwa darum, weil der Zionismus in Deutschland in seiner kämpferischen Haltung gegenüber dem Central-Verein lauer geworden wäre, sondern darum, weil die Zionisten in Deutschland gerade bei ihren Arbeiten für die Begründung der Jewish Agency sich sagten, eine Mitarbeit in praktischen-Dingen sei trotz der Verschiedenheit in der Auffassung weltpolitischer Probleme möglich. Es handelte sich hierbei nicht um ein Nachlaufen der Zionisten, um jeden Preis die Unterstützung jüdisch-politisch anders eingestellter Gruppen zu erringen, sondern um eine Auswirkung der zionistischen Auffassung vom jüdischen Rial. Denn die zionistische Ideologie betrachtet die Judenheit in der ganzen Welt als eine untrennbare Gesamtheit und ist keineswegs gewillt, auf irgendeinen Teil der jüdischen Gemeinschaft von vorneherein zu verzichten. Man kann sagen,, daß sich für die Zionisten die Juden in der ganzen Welt in zwei große Lager scheiden, in Zionisten und in Nichtzionisten, d. h. auf lange Zeit hegt der Zionismus die tiefe Überzeugung, daß sich adle Juden in der Welt in der Arbeit für die Schaffung des nationalen Zentrums in Palästina zusammenfinden werden, mögen einzelne Richtungen im Judentum vorläufig noch diesem Ziele in ihrer Ideologie und in ihrer Praxis wiederstreben. Es ist festzustellen, daß in weiten Kreisen des Central-Vereins die von einzelnen Zionisten gemachten Anregungen Verständnis fanden, wie wohl sowohl auf zionistischer Seite als auch auf Seiten des Central-Vereins sehr viele Mitglieder vorhanden waren und sind, die an die Möglichkeit eines erträglichen Zusammenarbeitens zwischen beiden großen Organisationen nicht recht zu glauben vermögen. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, in der letzten Zeit durch die politische Entwicklung in Deutschland immer stärker dahin gedrängt, in seinen Interessen- und Arbeitskreis auch den Kampf gegen den Judenhaß in allen Formen, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht, aufzunehmen, sah sich nun bewogen, bevor er sich über seine Betätigung auf dem Gebiete des Abwehrkampfes endgültig schlüssig wird, vorher den Versuch zu unternehmen, ob nicht durch eine Aussprache zwischen Zionisten und Central- Vereinern Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit geschaffen werden, welche als eine von politischen Momenten unbeschwerte neutral gesamtjüdische angesehen werden könnte. Es ist klar, daß derartige Besprechungen mit außerordentlichem Taktgefühl und mit allergrößter Diskretion eingeileitet und allmählich so weit gefördert werden müssen, bis der Zeitpunkt gekommen ist, in der die öffentliche Meinung darüber informiert werden kann. Leider ist schon in den Anfängen dieser Aktion ein unliebsamer Zwischenfall eingetreten. Sei es, daß eine jüdische Zeitung in Deutschland sich der Delikatesse der ganzen An-, gelegenheit nicht bewußt war, sei es, daß von irgendeiner der beteiligten Seiten bewußte Absicht mitgespielt hat, — bevor noch die erste Aussprache zwischen Zionisten und Führern des Central-Vereins unter der Führung des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde zustande kam, war in der Öffentlichkeit angekündigt, daß diese Aktion im Gange ist. Dadurch sind nun Kreise aufgewühlt worden, deren Mitwirkung gerade in dem Anfangsstadium derartiger Besprechungen der Sache nicht fördenlich sein kann. Wir sind keine Anhänger der Geheimdiplomatie und halten derartige Methoden besonders im jüdischen Leben weder für geschmackvoll noch für angebracht. Aber schließlich ist ja jede diplomatische Verhandlung eine Art „Geschäft“, und es hat noch keinem Geschäfte genützt, wenn schon die Spatzen auf dem Dache davon gezwitschert haben, bevor die Geschäftspartner überhaupt an einen gemeinsamen Tisch zuzammengetreten sind. Die üblen Folgen der unangebrachten Indiskretion sind denn auch nicht ausgeblieben. Es war von vorneherein klar, daß die erste Fühlungnahme zwischen Zionisten und Centrail-Verein keine greifbaren Erfolge zeitigen kann. Wie es verlautet, haben tatsächlich die ersten Besprechungen keine wesentlichen Resultate gezeitigt. Die Unterhaltungen' sollen jedoch noch fortgesetzt werden. Es ist unsere Überzeugung, daß das Resultat der ersten Besprechung besser gewesen wäre, wenn nicht Sensationslust die Neugier und die Erwartungen von vorneherein überflüssigerweise gesteigert hätten. Charakteristisch ist, daß die Nächstbeteiligten, Zionisten und Central- Vereiner, in ihren Organen, „Jüdische Rundschau“ und ,»Cenfral-Vereins-Zeitung“, sich hinsichtlich dieser Besprechungen in Mitteilungen an ihre Anhänger und Leser vollständige Zurückhaltung auferlegt haben. Es wäre gut gewesen, wenn die anderen jüdischen Organe in Deutschland diesem Beispiel gefolgt wären. Das hätte den Verhandlungen nur genützt, deren Wichtigkeit heute von allen Kreisen der deutschen Judenheit erkannt wird und deren baldiger erfolgreicher Abschluß dringend zu wünschen ist. s. n.

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