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Das jüdische Echo · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. Seite 454

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
Seite 454 (sequence 17)
Language
German
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454 Das Jüdische Echo Nr. 32 hatte ihn als englischen „Adviser“ in einen Teil seines arabischen Paradieses delegiert — in das Gebiet jenseits des Jordans. Dort blieb er ein Jahr lang, studierte Abdullahs Regierungskünste und reiste enttäuscht und „degoutiert“ ab. Merkwürdig, daß auch die anderen Prediger der Verewigung der Karawane und des Harems von ihrem Ideal abgekommen zu sein scheinen. Lawrence schweigt, Richmond — er hatte dieselbe Rolle gespielt wie Gabriel, jedoch später, in Sir Herbert Samuels Tagen — schweigt, und Philby kühlt sein Mütchen an den Juden und am Zionismus*. Aber für uns war diese Änderung in der „OETA“ von geringem Nutzen. An Stelle Moneys kam Rols — es folgten die blutigen Ostertage im Jahre 1920 in Jerusalem, Gemetzel in der Heiligen Stadt, die Epopöe des Selbstschutzes, das Militärgericht, jüdische Verbrecher in der Festung von Akko. Das ist vielleicht nicht weniger „pittoresk“; aber es gehört nicht zu meinem Thema. Ich berichte über die Legion, und die Legion bestand damals nicht mehr. Hätte sie noch bestanden . . . Natürlicherweise wurde unter, diesen Umständen das jüdische Regiment die beliebteste Zielscheibe für die obenerwähnte gehässige Stimmung. Um dem bürgerlichen Jischuw Seitenhiebe zu versetzen, mußte man die glänzende Begabung eines Gabriel besitzen; aber um einen gewöhnlichen Soldaten bis aufs Blut zu schikanieren, mußt man bloß Korporal der Militärpolizei sein. Es begann eine wahre Hetzjagd ... Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen. Vielleicht ist das Sentimentalität — aber ich trug die englische Uniform und erinnere mich dessen mit Stolz. Ich kann einen General Allenby wegen seiner läppischen Exkursionen in das Gebiet der Politik und Zivilverwaltung kritisieren und verspotten, aber als Soldat ist er mir Allenby, Lord von Megiddo im Tale von Esdraelon, Eroberer von Gaza, Jerusalem, von Galiläa und dem Ost jordanland. Möge ihm Gott die Berater verzeihen, mit denen er sich umgab, und die giftige Atmosphäre, welche sie im Innern der großen Familie, „Armee“ genannt, geschalfen haben. Immerhin war es meine Familie und ich liebte sie. Die Einzelheiten der Hetze gegen die Legionäre möchte ich lieber verschweigen. Sollten sich unter meinen Lesern amerikanische und kanadische Legionäre befinden, so werden auch sie mir verzeihen müssen, daß ich nur flüchtig die beiden Feldgerichte erwähne, von denen das eine Mal 55 und das andere Mal 25 unserer amerikanischen Boys wegen „Meuterei“ verurteilt wurden. Ich. ein Jurist dem Diplome nach, aber ein „Jurist“, der in seinem Leben noch keinen Gerichtshof gesehen hatte, mußte als ihr Verteidiger fungieren; und das war ein schwerer und trüber Moment. Aber auch davon will ich nicht sprechen. Einmal, weil ich ehrlich der Ansicht hin, daß die Schuld auf beiden Seiten lag. Unsere Soldaten lebten in einer Atmosphäre beständiger Provokationen von außen. In dem zweiten der beiden Fälle gab es auch eine innere Provokation seitens ihres eigenen provisorischen Kommandanten, jenes Majors Smolly, den ich bereits in einem früheren Kapitel erwähnte. Aber wenn man auf einem schwierigen Wachtposten steht — und ein solcher war unser Amt in Palästina — darf man Provokationen nicht nachgeben. Ich beschuldige nicht, im Verlauf des Prozesses habe ich die jungen Leute liebgewonnen, und ihre Haltung vor Gericht war schön und würdig. Einer von ihnen, Korporal Lewinsky aus Kanada, leistete eine Heldentat — er nahm die ganze Schuld auf sich und behauptete, er habe seine Untergebenen „gezwungen“, ihr Lager zu * Geschrieben 192G. Der Übersetzer. verlassen. Er erhielt sieben Jahre Militärgefängnis, aber er rettete sechs Kameraden. Vier Monate später wurden jedoch alle amnestiert, und ich werde cs nie vergessen, wie sie auf ihrem Rückweg nach Palästina an das Gitter desselben Arrestantenlagers in Kantara kamen, wo wir während ihres Prozesses in den Pausen uns zu beraten pflegten — aber diesmal waren ich und neunzehn andere die Arrestanten. Mit tränenerstickter Stimme sagten sie mir: „Sir, es blutet unser Herz, Sie hier zu sehen.“ Gott bewahre, ich beschuldige sie nicht, sic sind mir allzu teuer. Aber teuer ist mir auch der Legionsgedanke; und ich hatte einst gehofft, daß wir alle die Zähne zusammenbeißen würden, die Augen schließen und durchhalten, durchhalten, durchhalten . . . Ich will nicht den Eindruck erwecken, als ob alle Mitglieder von Allenbys Hauptquartier unsere Feinde gewesen wären, oder als ob sich unter den Christen und Arabern nur Feinde gefunden hätten. Im Gegenteil: Der Mann, der der Militärkaste den wirksamsten Stoß versetzte und Palästina endgültig von ihrer Herrschaft befreite, war einer der höchsten Beamten in der Verwaltung der „OETA“, Colonel Meinertzhagen, „Chief Political officer“. Er sagte Bois wie auch Allenby direkt ins Gesicht, die Regierung trage die volle Verantwortung für den Pogrom. Trotz aller Bitten, Heucheleien und Drohungen sandte er einen scharfen Bericht an das War-Office und erzwang es, daß der Bericht Lloyd George und seinem Kriegskabinette vorgelegt wurde. Das hatte die Wirkung eines Keulenschlages; und mit der Gcneralswirtschaft in Palästina war es zu Ende. Andererseits fehlte auch jene Figur nicht, die laut Tradition des Ghetto bei keiner gut geleiteten Judenhetze fehlen darf: der jüdische Denunziant. Seinen Namen will ich nicht nennen, aber er geht bei der englisch-jüdischen Gesellschaft in London noch immer ein und aus. Damals war er natürlich Captain, spielte sogar mit dem Gedanken, in die Legion einzutreten, zog es aber schließlich vor, sich dem Hauptquartier anzuschließen. „Was macht er dort?“ fragte ich einen Engländer. „Oh, er ist irgendein ,Bottle-washer‘,“ entgegnete er, „er erzählt Anekdoten in Allenbys Messe.“ Über den Inhalt und Charakter dieser Anekdoten habe ich viel gehört. Eine davon ging mich persönlich an. Das trug sich folgendermaßen zu: Kurz vor dem Ausbruch des erwähnten „Aufstandes“ unter unseren amerikanischen Soldaten sandte ich einen Bericht an Colonel Patterson, in dem ich erklärte, der Zustand sei für d/m ganzen Jischuw und unsere Soldaten unhaltbar und könne zu schweren und gefährlichen Konflikten führen. Eine Abschrift dieses Berichtes schickte ich an General Allenby persönlich und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die wilde Judenhelze, die in der Armee und bei den Arabern Platz gegriffen habe. Eine Woche darauf kam jener jüdische Captain nach Tel-Awiw und lud mich zu einer Zusammenkunft im Hause Jechiel Weizmanns, eines Bruders von Dr. Weizmann, ein. Jechiel Weizmann war bei bei unseren Gesprächen zugegen. „Allenby hat ihren Bericht erhalten“, begann der Captain, „er ist bereit, Sie zu empfangen und anzuhören. Eigentlich hängt es von mir ab. Er bat mich, Sie aufzusuchen und zu erfahren, worüber Sie Klage führen. Sprechen Sie ganz offen, wir sind doch Juden.“ Ich hatte keine hohe Meinung von ihm, namentlich seit dem Urteil des Engländers. Aber von der Fähigkeit des Generals Allenby, sich seine Vertrauensmänner zu wählen, hielt man in Palästina auch nicht viel. Jedenfalls, wer konnte es wissen,

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