Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 32 (8.8.1930)
- Date
- 1930-08-08
- Page
- Seite 452 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Das Jüdische Echo Nr. 32 schaft zu fördern, der Plan einer islamisch-christlichen Allianz gegen die Juden erwogen werde. In äußerstem Zorn verließ Moghanan die Sitzung. Arabischer Friedensappell Jerusalem. 4. August. (JTA.) ln der arabischen Zeitung „El Salaam“ schreibt Nasser el Taher. ein bekannter Araber aus Nablus: Jetzt ist es Zeit, die Glocken des Friedens zu läuten; es ist Pflicht beider Völker, der Juden sowohl wie der Araber, zu einer gemeinsamen Beratung zuzusammenzutreten, um politische und religiöse Fragen gemäß den Lehren von Moses und von Mohammed in friedlicher Weise zu lösen. Machet ein Ende dem Blutvergießen, schließt Taher, zu welchem Leute aufreizen, die sich als Führer des Volkes ausgeben, aber nur ihr selbstsüchtiges Interesse im Auge haben. Der Konflikt um die Infiat-Böden entschieden Ein arabischer Bodenmakler steht hinter den Beduinen Haifa, 3. August. (JTA.) Der vor zwei Jahren zwischen den Kolonisten von Chedera und Beduinen entstandene Konflikt um den Besitz der sogenannten Infiat-Böden ist jetzt zur Entscheidung gebracht worden. F. G. Lowich, der Siedlungsbeamte der Palästinaregierung, hat dieser Tage entschieden, daß die jüdischen Käufer der betreffenden Böden in der Überzeugung handelten, daß die Böden dem Makler gehören und daß sie über die wahren Umstände bei der Übertragung des Bodens im Jahre 1880. die im Laufe der jetzt vorgenommenen Untersuchung zur Sprache kamen, nicht unterrichtet waren. Der Eigentumstitel der Kolonisten von Chedera auf diese Böden wurde daher bestätigt mit der einen Ausnahme, daß 2500 Dunam Dünen, die als Regierungseigentum festgestellt wurden, den Beduinen weiter zur Weide überlassen werden. Die Beduinen hatten ein Areal von mehr als 10 000 Dunam als ihr Eigentum reklamiert. Die Tel-Awiwer hebräische Tageszeitung „Dawar“ enthüllt, daß ein arabischer Bodenmakler aus Haifa die Aktion der Beduinen finanziert habe, und zwar unter der Bedingung, daß die ■ den Juden abgesprochenen Böden ihm Übetragen werden. Gnadengesuch für Urphali Jerusalem, 29. Juli. (JTA.) Der einzige im Zusammenhang mit den Augustereignissen des vorigen Jahres in Palästina zum Tode verurteilte Jude, Josepf Urphali, hat, nachdem seine Verurteilung auch in der zweiten Instanz bestätigt wurde, beim Privy Council, der obersten Appellationsbehörde des britischen Reiches, Berufung gegen das, Urteil eingelegt. Die Berufung vertrat Sir Boyd Merriman, während die palästinensische Justizbehörde durch Kenelm Preedy vertreten war. Der Privy Council erklärte sich unzuständig, da er kein Appellationsgericht für Strafsachen sei. Er könne ein Urteil nur dann aufheben, wenn der Gang des ordentlichen Gerichtsverfahrens verletzt worden ist. Dies treffe aber in diesem Fall nicht zu. Nach Ablehnung der Appellation hat Sir Boyd Merriman es übernommen, ein Gnadengesuch an den High Commissioner zu verfassen, dem nun die letzte Entscheidung zusteht. Wie die JTA erfährt, hat das Gericht zweiter Instanz, als es das Todesurteil gegen Urphali bestätigte, einen Gnadenakt empfohlen. Um die Begnadigung Joseph Urphalis Jerusalem, 1. August. (JTA.) Nachdem der Privy Council in London das Appellationsgesuch des zum Tode verurteilten Jaffaer Juden, Joseph Urphali, aus formellen Gründen ablehnend beschieden hat, nimmt nun die Presse Palästinas zu der Forderung nach Begnadigung Urphalis Stellung. Die Arbeiter-Tageszeitung „Dawar“ schreibt: Sollte Urphali hingerichtet werden, so wird die Exekution nicht einen Mörder treffen, sondern einen vollkommen Unschuldigen, an dem der Staat ein Justizverbrechen begangen hat. — Die arabische Zeitung „El Jamea el Arabia“ schreibt: Nachdem die Regierung drei unglückliche Araber hat hinrichten lassen, erfordert es die Gerechtigkeit, daß auch Urphali hingerichtet wird, leider der einzige von den jüdischen Mördern, der zum Tode verurteilt worden ist. „Doar Hayom“ doch wieder revisionistisch Jerusalem, 31. Juli. (JTA.) Nach dem Bruch zwischen den Herausgebern des „Doar Hayom“ und der revisionistischen Partei, der sich zuerst in einem Streik des Redaktions'stabes und dann in einer Erklärung der palästinensischen Revisionisten, daß ihre Beziehungen zum „Doar Hayom“ abgebrochen sind, offenbarte, haben verschiedene Gruppen, unter ihnen die Lehrer-Organisation und der Misrachi, wegen Übernahme der Redaktion mit den. Besitzern der Zeitung verhandelt. Nachdem alle diese Verhandlungen zu keinem Ziele geführt hab.en, ist nunmehr die Wiederherstellung der revisionistischen Redaktionsführung des Blattes sichergestellt. „Maschbir“ erhält die Vertretung der Imperial Chemcal Industries Jerusalem, 30. Juli. (JTA.) Das unter Leitung Lord Melchetts stehende größte englische Industrieunternehmen für chemische Erzeugung, Imperial Chemical Industries Ltd., hat der Konsumgenossenschaft der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina, „Ha-Maschbir“, den Alleinvertrieb seiner Produkte im nördlichen Palästina, einschließlich des Gebietes von Haifa, Emek Jezreel, Ober- und Untergaliläa, übertragen. Der Verlauf des Tischa b’aw in Jerusalem Stiller Gottesdienst im dunkeln an der Klagemauer Jerusalem, 4. August. (JTA.) Am Vorabend des Tischa b’Aw nach Sonnenuntergang strömten aus verschiedenen Teilen Jerusalems jüdische Einwohner in großen Scharen zur Klagemauer, um in traditioneller Weise die „Kinoth“ (Klagegebete) herzusagen. Gemäß der Verordnung des Distriktskommissars Iveifh-Roach waren Kerzen und Lampen jeder Art aus dem Gebiete der Klagemauer entfernt worden, so daß tiefe Dunkelheit herrschte. Bloß auf dem Pulte des Vorlesers der Klagegebete brannte ein Öllämpchen. Da auch das Mitbringen von Matten zum Sitzen verboten war, saß die Menge unbeschuht und in Strümpfen auf den bloßen Steinen und lauschte — da sie infolge der Dunkelheit nicht selbst in den Kinolhbüchern lesen konnte — schweigend den gedämpften Lauten des Vorlesers, der die Klagegebete über die Zerstörung des Tempels sprach. Es herrschte vollkommene Ordnung, die in dem Gebiet der Mauer postiert gewesenen britischen Polizisten hatten keine Gelegenheit einzuschreilen. Das jüdische Viertel in der Altstadt Jerusalems war ebenfalls in Dunkel gehüllt, da alle Läden geschlossen waren. Palästina-Ein- und Auswanderung im Juni Jerusalem, 4. August. (JTA.) Im Verlauf des Monat Juni 1930 wunderten 419 Juden in Palästina ein; 105 Juden verließen in dem gleichen Monat das Land Im Juni wunderten auch 113 Christen, unter ihnen 64 britische Polizisten, ein; 76 Christen wunderten im Juni aus. Die Zahl der im Juni eingewan-