Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 32 (8.8.1930)
- Date
- 1930-08-08
- Page
- Seite 450 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Das Jüdische Echo Nr. 32 die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu fördern. Die revisionistische Konferenz Am 10. August beginnt in Prag die IV. Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten. Die Eröffnungsrede hält Jabotinsky in der Produktenbörse am 10. August, 10 Uhr vormittags, über „Die Krise im Zionismus und die Aufgaben der zionistischen Bewegung“. Die weiteren Sitzungen, die bis zum 14. August dauern, werden im Bet-Am stattfinden. Unter anderem werden die folgenden Referate gehalten werden: M„ Großmann über „Die Rekonstruktion der zionistischen Politik“. S. E. Soskin über „Die Landfrage in Palästina“, R. Lichtheim über „Die Beziehung zur Zionistischen Organisation und zur Jewish Agency“. -— Die Londoner „Jewish Times“ teilt mit, daß die Exekutive auf der Konferenz in Prag durch ihr Mitglied, Prof. Brodetzky, vertreten sein wird. Brodetzky wird angeblich ein Referat über „Die politische Lage des Zionismus“ halten. Jüdische Bevölkerungsbewegung in der Tschechoslowakei im Jahre 1929 Prag, 17. Juli. (JTA.) Das statistische Staatsamt veröffentlicht eben nachstehende Ziffern zur jüdischen Bevölkerungsbewegung im vergangenen Jahre: Es wurden insgesamt zwischen 682 Frauen und 694 Männern jüdischer Nationalität Ehen geschlossen, davon in Böhmen 129—130, Mähren- Schlesien 107—109, Slowakei und Karpathorußland 446—446. — Der Größe der Wohngemeinden nach entfielen auf Gemeinden von 10—20 000 Einwohnern 218—222 Ehen, 20—50 000 Einwohnern 171—164 Ehen, 50—100 000 Einwohnern 160—161 Ehen, mehr als 100 000 Einwohnern 133—147 Ehen. Lebendgeburten von der Nationalität nach jüdischen Müttern gab es im Jahre 1929 1471 (Böhmen 182, Mähren-Schlesien 170, Slowakei-Karpathorußland 1119); Totgeburten 1077 (Böhmen 257, Mähren-Schlesien 182, Slowakei-Karpathorußland 683). Mit den Lebendgeburten steht die jüdische Nationalität mit 19.15 von tausend Einwohnern der gleichen Nationalität an erster Stelle. Es folgen die Ungarn mit 16.55, Tschechen mit 14.16, die Deutschen mit 10.00. Diese Statistik erstreckt sich nicht auf alle, sondern nur auf die Juden, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen. Registrierung polnischer Kandidaten mittelständischer Kolonisation in Palästina W a, r seih au, 30. Juli. (JTA.) Bekanntlich wurde bei der letzten Sitzung des Administrativ- Komitees der Jewish Agency ein Projekt mittelständischer Kolonisation genehmigt, demzufolge aus Keren-Kajemeth-Böden mit öffentlicher Hilfe in der Pflanzungszone tausend Familien angesiedelt werden sollen, von denen jede über 300 Pfund eigenen Kapitals verfügt. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen hat nun an alle zionistischen Ortsgruppen und Vereinigungen Polens ein Zirkular erlassen, in dem diesen aufgetragen wird, mit größter Beschleunigung alle diejenigen zu registrieren, dieihre Ansiedlung in Palästina im Rahmen dieses Projektes erstreben und die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Das Verzeichnis der Ansiedlungsbewerber aus ganz Polen soll mit größter Beschleunigung fertiggestellt werden, damit es der nächsten, in Berlin Ende August stattfindenden, Sitzung des Administrativkomitees unterbreitet werden kann. Schwere Bestrafung antisemitischer Arbeiter in Sowjetrußland Moskau, 3. August. (JTA.) Das Gericht in Beschizk, Gouvernement Tula, verurteilte drei Arbeiter zu je zwei Jahren Gefängnis und vier Arbeiter zu Zwangsarbeit wegen Mißhandlung und Verhöhnung ihres jüdischen Arbeitsgenossen Gorelik. Die Verhandlung brachte zutage, daß die Verurteilten ihren jüdischen Genossen, mit dem sie in der Fabrik „Roter Propintern“ zusammen arbeiteten, längere Zeit hindurch systematisch mißhandelt und verhöhnt hatten: sie pflegten ihm oft die Kleider vom Leibe zu reißen und ihn verschiedenen Torturen zu unterziehen. In der Urteilsbegründung unterstrich der Gerichtsvorsitzende, daß der Antisemitismus eines der Mittel der Konterrevolution ist und darum schwer bestraft werden soll. Die den Gerichtssaal füllenden Arbeiter gaben ihre Zufriedenheit über das Urteil durch Applaus kund. Die Sowjetpresse teilt eine Reihe weiterer Fälle von antisemitischer Ausschreitung in Fabriken mit. In einer Fabrik in Witebsk hat eine Gruppe russischer Arbeiter die Frau des jüdischen Fabrikleiters mißhandelt, wobei die übrige Belegschaft der Fabrik, darunter einige Kommunisten, dem Roheitsakt untätig zugesehen hat. Daraufhin wurden das Fabrikskomitee und die kommunistische Parteikammer der Fabrik aufgelöst. In einer Reihe Witebsker Fabriken faßte die Arbeiterschaft scharfe Resolutionen gegen die Huligan-Taten der Antisemiten. Die Mac-Mahon-Hussein-Korrespondenz London, 3. August. (JTA.) Am letzten Sitzungstage des Unterhauses gab, durch eine Frage des 'Unterhausmitgliedes Cocks herausgefordert, der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Shiels, die seit langem erwartete Erklärung über die Mac-Mahon-Hussein-Korrespondenz ab. Die Regierung, sagte Dr. Shiels, hat, durch das lebhafte Interesse des Unterhauses angeregt, diese Korrespondenz in ihrem vollem Umfange neu geprüft und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß noch immer wichtige Gründe, die mit der Palästina-Frage nichts zu tun haben, eine Veröffentlichung der Korrespondenz als vom Gesichtspunkte des öffentlichen Interesses höchst unerwünscht erscheinen lassen. Diese Gründe werden noch mehrere Jahre lang wirksam bleiben. Es gibt keine zureichende Grundlage für die Annahme, schloß Dr. Shiels, daß durch diese Korrespondenz die britische Regierung zu versprechen beabsichtigte oder gar schon versprochen habe, Palästina in den projektierten arabischen Staat mit einzubeziehen. Sir Henry Mac Mahon selbst hat bestritten, daß dies seine Ansicht gewesen sei. Zuzugeben ist, daß die unbestimmte und nicht eindeutige Fassung der Korrespondenz bei denjenigen, die in sie Einblick genommen haben, den Eindruck erweckt haben mochte, als hätte die Regierung eine solche Absicht gehabt. Die Klagemauerkommission geht hach London Genf, 28. Juli. (JTA.) Wie der JTA-Vertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird die Klagemauerkommission, die Palästina vor einigen Tagen verlassen hat, nicht gleich nach Genf kommen, sondern sich vorerst nach London begeben. Die Kommissionsmitglieder werden ihre Entscheidung in London wahrscheinlich nicht gleich redigieren, sondern werden zu einem späteren Zeitpunkt in einem noch zu bestimmenden Orte Zusammentreffen, um den Bericht abzufassen und die Entscheidung zu fällen. In der Zwischenzeit soll jedes Mitglied die Möglichkeit haben, seine Schlüsse für sich zu formulieren.